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Sportbuzzer Bernd Jeffré: Mit Leib und Seele auf den Straßen unterwegs
Sportbuzzer Bernd Jeffré: Mit Leib und Seele auf den Straßen unterwegs
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Von Carsten Schmidt
Bernd Jeffré liegt möglichst flach auf seinem Handbike. Bei seinen Rennen kommt es neben der Armkraft auf eine aerodynamisch günstige Liegeposition an.
Bernd Jeffré liegt möglichst flach auf seinem Handbike. Bei seinen Rennen kommt es neben der Armkraft auf eine aerodynamisch günstige Liegeposition an. Quelle: Das Fahrgastfernsehen/Arp
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Er fährt Handbike, eine Art Liegerad, das ausschließlich mit den Armen über eine Art Kurbel am Vorderrad angetrieben wird. „Unser Sport ist vergleichbar mit den Radrennen der Nicht-Behinderten“, sagt der querschnittsgelähmte Jeffré. Rennrollstühle dagegen werden über die Griffe an den Hinterrädern in Bewegung gebracht, ihre Wettkämpfe ähneln jenen der nicht-behinderten Leichtathleten. Handbiker wie Jeffré haben ein Trainingspensum mit täglichen Ausfahrten von bis zu 100 Kilometern, dazu kommen Einheiten im Kraftraum für die Arme und den Oberkörper.

Deshalb war der Januar ein guter Sportmonat für den Mann, der in Barmissen in der Nähe von Kiel wohnt. Und der Dezember mit Problemen behaftet. „Bei dem vielen Schnee und Eis konnte man mit dem Handbike nicht draußen unterwegs sein“, sagt Jeffré. „Da musste ich auf die Rolle, eineinhalb bis dreieinhalb Stunden lang.“ Und solch ein Training unter dem Dach ist zwar unvermeidlich, wenn der Frost regiert, aber nichts für einen „Naturburschen“, wie Jeffré sich selbst bezeichnet.

Dieses Attribut galt vor allem für die Zeit vor 2001. Der Holsteiner hatte einen Beruf, den er „mit Leib und Seele“ ausübte - Straßenbauer. „Wind und Wetter haben mir nichts ausgemacht“, sagt Jeffré. Doch vor zehn Jahren erlitt er bei einem schweren Unfall mit einem Kran die Querschnittslähmung. „Als ich die Diagnose bekam, war das knallhart“, erinnert sich der damals 37-Jährige. „Man denkt dann an gar nichts, schaltet ab, ist nur mit den Schmerzen beschäftigt.“ Und verzweifelt - Jeffré gesteht, dass er auch manche Träne vergoss.

Doch es musste weitergehen, ergänzt er. „Dazu beigetragen hat die gute Betreuung im Krankenhaus und während der anschließenden Reha.“ Finanziell war und ist Jeffré einigermaßen abgesichert durch die Rente der Berufsgenossenschaft. Er konnte sogar das Haus behalten, das er für sich und seine Frau gebaut hatte. „Wir haben es so hergerichtet, dass es einigermaßen behindertengerecht ist“, sagt Jeffré. Wobei ein Umzug nie infrage gekommen wäre. „Ich habe alles selbst gepflastert, da steckt so viel Herzblut drin.“

Seine Leidenschaft für das Handbiken entdeckte der Sportler nach der Rehabilitation. „Zuerst habe ich es mit Rollstuhlbasketball versucht, aber das war nicht mein Ding“, sagt Jeffré. Viel mehr lag ihm die Rückkehr auf die Straße - zunächst mit einem Vorspannbike vor dem Rollstuhl. Damit fuhr er schon 2003 beim Marathon Hannover-Celle mit. Ein Jahr später kam der Umstieg aufs Handbike, und seit spätestens 2007 (deutscher Vizemeister im Einzelzeitfahren) stellen sich Erfolge ein bis zum Sieg beim Berlin-Marathon 2008 und dem WM-Silber 2010 im Einzelzeitfahren.

Zu den Erfolgen treibt ihn auch die Konkurrenz in der sportlichen Heimat beim GC Nendorf (Kreis Nienburg) mit dem Klubkollegen Vico Merklein, WM-Dritter 2010 und im Vorjahr Kandidat bei der Wahl zum Behindertensportler Niedersachsens. „Wir beide werden auch 2012 in London bei den Paralympics um den Sieg mitfahren“, verspricht Jeffré. Und wenn es nicht klappt? Die nächsten Olympischen Spiele der Behinderten sind 2016, der Holsteiner wäre dann mit 52 Jahren erst recht einer der „alten Hasen“, die in seinem Sport den Ton angeben. „Ich will noch ziemlich lange mitmischen“, kündigt Jeffré an. „Wenn ich gesund bleibe.“

Bernd Jeffré persönlich

Auf welchen Ihrer Erfolge sind Sie besonders stolz? Auf meinen Erfolg bei den Weltmeisterschaften des vergangenen Jahres in Baie Comeau in Kanada, dort habe ich die Silbermedaille gewonnen.

Haben Sie Vorbilder? Nein. Was sind Ihre Stärken? Disziplin und Durchhaltevermögen, auch Durchsetzungsvermögen.

Und haben Sie auch kleine liebenswerte Marotten? Süßigkeiten naschen. Welcher Film gefällt Ihnen besonders? „Herr der Ringe“ nach den Büchern von J.R.R. Tolkien.

Bei welcher Musik könnten Sie sofort mitsingen? Da habe ich keinen besonderen Favoriten.

Haben Sie ein Lieblingsessen? Rouladen mit Rotkohl und Kartoffeln.

Haben Sie noch Träume, oder sind Sie wunschlos glücklich? Mein Traum wäre es, Gold bei den diesjährigen Weltmeisterschaften im dänischen Roskilde zu gewinnen. Ich hoffe auch, dass ich 2012 bei den Sommer-Paralympics in London erfolgreich um eine Medaille mitkämpfen kann. Und natürlich wünsche ich mir, dass ich gesund bleibe