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Sportbuzzer Das optimale Familienpferd
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19:11 21.01.2009
Stur, frech und beliebt: Shetlandponys zählen zu den bekanntesten Ponyarten. Quelle: handout
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Niedersachsen gilt als Pferdeland und kann bundesweit nach Nordrhein-Westfalen die meisten Reitvereine vorweisen. „Doch Ponys haben auch in Niedersachsen keine große Lobby“, sagt Anja Daniels, stellvertretene Zuchtleiterin beim Verband der Pony- und Kleinpferdezüchter Hannover. Deutschland sei ein von der Kavallerie geprägtes „Warmblutland“, in dem Ponys keinen großen Stellenwert hätten – anders als in England oder den Niederlanden. Dabei sind Ponys perfekt für Kinder, die Reiten lernen wollen. Und sie sind ein optimales Familienpferd: „Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass Ponys ausgedient haben, sobald die Kinder größer sind. Auch für Erwachsene können Ponys geeignet sein“, betont Daniels.
 
 Ponys sind Pferde, die nicht mehr als 1,48 Meter messen. Der Reiter sollte daher nicht zu groß und zu schwer sein. „Die Verhältnismäßigkeit muss stimmen“, sagt Daniels. Aber wenn jemand nicht gerade 1,80 Meter groß sei, spreche nichts dagegen, auch als Erwachsener auf einem Pony zu reiten. Denn eines wird oft verkannt: „Ponys sind ebenso wenig niedliche Spielzeuge wie Großpferde.“ Gerade der Niedlichkeitsfaktor ist ein Problem: Viele Ponys gelten als stur und frech. Das liegt laut Daniels in den meisten Fällen daran, dass den kleinen Vierbeinern in der Ausbildung oftmals vieles nachgesehen wird. „Es ist ähnlich wie mit kleinen Kindern. Mit denen wird auch weniger geschimpft als mit großen.“
 
 Überhaupt ist die mangelnde Ausbildung ein Problem, das sich dem Verband seit Jahren stellt. Die Züchter bilden kaum noch selbst aus, sondern geben junge Ponys gleich weiter in den Beritt. Dort bekommen diese häufig nicht die Aufmerksamkeit, wie sie Großpferden zuteil wird.
 
 Zudem stagniert die Zahl der Züchter in Niedersachsen derzeit bei 2200 – nicht zuletzt deshalb mangelt es an gut geschulten und erfahrenen Ponys. In der idealen Altersklasse von sieben bis acht Jahren gingen die Ponys fast nur noch unter der Hand weg, sagt Daniels und rät davon ab, für Kinder ein jüngeres Pony anzuschaffen. „Viele Eltern wollen ein möglichst junges Tier kaufen, damit die Kinder lange etwas davon haben. Aber gerade ein junger Reiter braucht ein erfahrenes Pferd, sonst ist die Unzufriedenheit programmiert.“
 Zu den beliebtesten Ponyarten hierzulande zählen neben dem Deutschen Reitpony, das sich vor allem für die Vielseitigkeitsreiterei eignet, vor allem Islandpferde – die relativ einfach zu halten sind. „Isis“ sind so robust, dass sie das ganze Jahr über im offenen Stall untergebracht werden können. Doch wie bei Shetlandponys besteht die Gefahr von Fütterungsfehlern: Ihrem Verhalten als Halbwildpferde folgend fressen sie sich im Sommer Speck an, um im Winter nicht darben zu müssen. Wer sich ein Pony anschaffen will, sollte sich genauso intensiv über Pflege und Haltung informieren wie bei beim Kauf eines Großpferdes.
 
 Tierärzte wie Petra Meyer aus der Praxis Oliver Tinschmann in Lehrte empfehlen in jedem Fall eine Ankaufsuntersuchung. Sie kostet mindestens 160 Euro. „In Anbetracht der Kosten, die später eventuell für Tierarztbehandlungen auf den Käufer zukommen, ist es sinnvoll, das Pferd einmal untersuchen zu lassen.“ Bei der Ankaufsuntersuchung beurteilt der Tierarzt Herz, Kreislauf, Lunge, Gliedmaßen und prüft den Körper in Ruhe und in Bewegung. Dazu gehört auch die sogenannte Beugeprobe, bei der die Beine eine Minute lang stark gebeugt werden. „Dadurch zeigen sich eventuelle Gelenkerkrankungen“, sagt Meyer. Körpertemperatur und Nervensystem nimmt der Tierarzt ebenso unter die Lupe wie das Blut; eine Probe kann aufzeigen, ob das Pferd Schmerz- oder Dopingmittel erhalten hat. In vielen Fällen lassen die Käufer das Pferd zudem gegen eine Zusatzgebühr röntgen, um versteckte Erkrankungen auszuschließen.
 
 Je nach Rasse, Alter und Ausbildungsstand kostet ein Pony in der Anschaffung 800 (etwa für ein „Shetty“) bis 10.000 Euro (Reitpony). Da Ponys Gesellschaft lieben, fühlen sie sich wohler, wenn sie mit anderen im Stall oder auf der Weide stehen. Und alt können sie bei guter Pflege und viel Zuneigung auch werden: „Das älteste bei uns registrierte Shetland ist 50 Jahre alt geworden“, sagt Daniels nicht ohne Stolz.
 Weitere Informationen rund ums Pony gibt es beim Verband der Pony- und Kleinpferdezüchter, Telefon (0 51 36) 9 70 39 03, oder im Internet (www.ponyhannover.de).
 
Von Kerstin Hergt