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Sportbuzzer Kugelstoßer David Storl holt Gold
Sportbuzzer Kugelstoßer David Storl holt Gold
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19:54 16.08.2013
 Der 21-Jährige Storl konnte seinen Titel von vor zwei Jahren verteidigen. Quelle: dpa
Moskau

„Lass ihn messen“, schrie Trainer Sven Lang von der Tribüne herunter, als David Storl nach kurzer Schrecksekunde mit dem Kampfgericht diskutierte. Denn nach seinem phantastischen vierten Stoß, als der Sachse sich bereits in Jubelpose zeigte, wurde völlig überraschend die rote Flagge gezeigt. Ungültig? Aber warum nur? Das fragte sich nicht nur der Olympiazweite, das fragten sich auch die 30 000 Zuschauer im Stadion und Millionen an den TV-Schirmen, die keinen Regelverstoß feststellen konnten.

Wie so oft, wenn David Storl mit hoher Geschwindigkeit angleitet und mit vollem Risiko an die 7,257 Kilo schwere Kugel drischt, hatte er alle Mühe, seine 126 Kilo im Ring zu halten. Doch genau das schaffte er in diesem wichtigsten Moment der Saison. Sofort zog Storl den Reuters-Fotografen Kai Oliver Pfaffenbach aus Hanau zu Rate, der direkt neben dem Ring jede Sequenz des Stoßes und vor allem den Fuß des Sachsen im Bild festgehalten hatte.

Sofort spürte auch der bis dahin führende Whiting, dass sich in diesem Moment das WM-Finale entscheiden könnte. Er schaute der Diskussionsrunde halb neugierig, halb skeptisch über die Schulter, als der Stoß vom Hauptkampfrichter doch noch gültig gegeben wurde. Storl ging in Führung - und Trainer Lang aus Markkleeberg war stolz auf seinen Meisterschüler: „Das zeigt doch, dass David ein selbstbewusster junger Mann ist, der sich auch mal rumstreiten und um sein Recht kämpfen kann. Wäre der Stoß nicht vermessen worden, wäre ein späterer Protest von uns Schall und Rauch gewesen.“

Was für ein Kraftakt! Kugelstoßer David Storl hat in Moskau seinen Weltmeistertitel von Daegu 2011 mit der Superweite von 21,73 Meter verteidigt und den deutschen Leichtathleten das dritte Gold beschert.

Storl, der seine Ehrenrunde mit schwarz-rot-goldenem Hut absolvierte, beschrieb die Situation so: „Es war schwierig mit den Kampfrichtern, obwohl ich in der Schule Russisch hatte. Aber entscheidend ist, dass der Videobeweis angeschaut wurde. Der Protest der Amerikaner wird ins Leere laufen.“ So kam es auch.

Ryan Whiting, der im Frühjahr als 22. Athlet der Geschichte die 22-Meter-Marke übertroffen hatte, legte gleich 21,57 m vor. Darauf war David Storl eingestellt. Sein Coach meinte: „Klar kann das ein Vorteil sein, wenn du erst mal einen raus haust. Aber im Prinzip ist es egal, wer anfängt. Entweder du hast was drauf oder nicht.“ Sie hatten beide etwas drauf: Der Amerikaner, der schon bei der Präsentation der Athleten vor Selbstvertrauen nur so strotze. Und der junge Deutsche, der nur kurz ins Publikum winkte, stets hochkonzentriert wirkte, sein Gesicht unter einer riesigen Kapuze versteckte. Doch auch er wurde immer selbstbewusster: „Ich mag das Duell Mann gegen Mann. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass ich Whiting noch packen kann.“

Storl stieß gleich im ersten Durchgang Saisonbestleistung. Diese 21,19 m gaben dem mit 23 Jahren noch immer jüngsten Athleten des Finalfeldes Sicherheit. Als die anderen ihm auf die Pelle rückten, ließ der Chemnitzer 21,24 m folgen. Doch deutlich konnte er sich zunächst vom breiten Feld der Verfolger nicht absetzen, ehe er die Kugel im vierten Durchgang perfekt traf und nahtlos an seine beiden besten Wettkämpfe in Daegu 2011 und London 2012 anknüpfte.

Sven Lang fand, dass sich Whiting eigentlich nicht viel besser präsentierte als in früheren Jahren. „Aber er ist stabiler. Das ist für die Konkurrenz schon bedenklich, wenn einen Drehstoßer stabil wird. Da sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er in einem Wettkampf mal gar keinen trifft.“ So wie in London, als der Amerikaner nur Neunter wurde. Diesmal zeigte er zwar eine starke Leistung. Doch als es am Ende darauf ankam, wirkte der 26-Jährige geschockt und fand keine Antwort auf David Storls Siegerweite.

von Frank Schober

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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