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Sportbuzzer Der „Handball-Herberger“ aus Hannover
Sportbuzzer Der „Handball-Herberger“ aus Hannover
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11:16 12.04.2013
Von Norbert Fettback
Fritz Fromm (vordere Reihe, rechts) mit seinen Mannschaftskameraden bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin – damals holten die deutschen Feldhandballer die Goldmedaille.
Fritz Fromm (vordere Reihe, rechts) mit seinen Mannschaftskameraden bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin – damals holten die deutschen Feldhandballer die Goldmedaille. Quelle: Frey
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Hannover

Dieser Vergleich ehrte ihn, aber er hörte ihn dennoch nicht gern. Wenn Fritz Fromm darauf angesprochen wurde, er sei der „Sepp Herberger des Handballs“, dann war das für ihn eben nur die halbe Wahrheit. Das ließ er auf die ihm eigene humorige Art auch durchblicken. „Hätte man Herberger nicht als Fritz Fromm des Fußballs bezeichnen müssen?“, so lautete mitunter der launige Konter des Hannoveraners. Sein Freund Sepp habe es als Bundestrainer schließlich nur auf einen WM-Titel gebracht, außerdem habe die von Fromm ehrenamtlich betreute deutsche Handball-Großfeldmannschaft alle 29 Länderspiele zwischen 1949 und 1955 gewonnen und sei zweimal Champion geworden. Der Mann, dem das gelang, mit dessen Namen heutzutage aber nur noch wenige etwas verbinden können, wäre heute 100 Jahre alt geworden.

Fromm feierte seine größten Erfolge im Feldhandball, einer heute fast in Vergessenheit geratenen Sportart. Und er war der einzige Hannoveraner, der in dieser Disziplin olympisches Gold gewann – 1936 in Berlin, wo er auch Bekanntschaft mit Herberger knüpfte. Dabei hatte es Fromm zunächst das Geräteturnen, das er beim TK Hannover betrieb, angetan, später die Leichtathletik. Im Feldhandball wurde er 1933 mit dem TKH norddeutscher Meister – das erwies sich drei Jahre später als Sprungbrett zum Größten, was einem Sportler widerfahren kann.

Während seines 1934 begonnenen Lehrerstudiums in Berlin rückte der Außenstürmer – er trug inzwischen das Trikot des Askanischen Turnvereins – 1935 bei einem Spiel mit der Berliner Stadtauswahl gegen potenzielle Olympiakandidaten ins Blickfeld von Otto Günther Kaundinya, dem damaligen Reichstrainer. Diese Chance nutzte Fromm, der am 14. August 1936 im Olympiastadion seinen großen Tag hatte.

100 000 Zuschauer feierten den erst 23 Jahre alten pfeilschnellen Linksaußen und die deutsche Mannschaft nach dem 10:6 gegen Österreich, das den Turniersieg bedeutete. Da wusste noch niemand, dass Feldhandball bei Olympia nie wieder auf dem Programm stehen würde – zunächst infolge des Zweiten Weltkrieges, später aufgrund fehlender internationaler Wertschätzung dieser Sportart.

Fromm, dessen spätere Ehefrau Rotraut mit dem SC Charlottenburg 1936 deutscher Handballmeister wurde und dessen Söhne Klaus (74), Wolfgang (71) und Axel (69) ebenfalls erfolgreiche Sportler waren, hat später nie ein Hehl daraus gemacht, wie sehr ihm das Abdriften des Feldhandballs ins sportliche Abseits missfiel, woran sich auch sein in Hannover lebender jüngster Sohn gut erinnert. „Am Hallenhandball hat er im Laufe der Jahre immer mehr auszusetzen gehabt, dass es dabei viel zu körperbetont zugeht“, sagt Axel Fromm.

Der Vergleich fiel dem Olympiasieger im Feldhandball auch deshalb nicht schwer, weil seine Zeit als Bundestrainer auch 17 Länderspiele in der Halle umfasste. Der 2. Platz bei der Weltmeisterschaft 1954 in Schweden für eine gesamtdeutsche Mannschaft war dabei der herausragende Erfolg. Zu den Spielern zählten die legendären „Hein“ Dahlinger und Bernhard Kempa. Beide waren auch schon 1952 dabei gewesen, als die von Fromm trainierte bundesdeutsche Mannschaft in der Schweiz den WM-Titel auf dem Großfeld holte. Dieser Erfolg wurde 1955 wiederholt, mit einer gesamtdeutschen Auswahl und erneut mit Dahlinger und Kempa als Stützen einer Elf, die ihren Trainer nach dem 25:13-Erfolg im Finale gegen die Schweiz hochleben ließ.

Der zweite Weltmeistertitel war zugleich der Schlusspunkt in Fromms Handballkarriere. Vor die Frage gestellt, künftig hauptberuflich Bundestrainer zu sein, gab er der Bezirksregierung Hannover den Vorzug, wo er in leitender Position von 1947 bis 1976 viel Herz für den Sport zeigte.
Fritz Fromm starb am 13. Oktober 2001 in Hannover, er ist auf dem Engesohder Friedhof begraben.