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Sportbuzzer Der Südsudan will zu Olympia
Sportbuzzer Der Südsudan will zu Olympia
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13:53 15.02.2012
Der Südsudan will zu Olympia. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Addis Abeba

Nach 50 Jahren Bürgerkrieg kommt dem Südsudan die Hoffnung auf Olympia gerade recht: Der große Traum der Regierung in Juba ist es, bei den London-Spielen in diesem Sommer die eigene Flagge zu hissen und offiziell als Nation ins Stadion einzumarschieren, um der Welt einen anderen, einen sportlichen Südsudan zu präsentieren und das angeschlagene Image aufzupolieren. Denn seit der Unabhängigkeit des afrikanischen Landes im vergangenen Juli scheint der Name Synonym zu sein für blutige Grenzkonflikte, Armut und Tod.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen, bei Olympia dabei zu sein, erfüllt das Land bereits: Die Vereinten Nationen hatten den Südsudan schon wenige Tage nach der Unabhängigkeit als 193. Mitglied in die Völkergemeinschaft aufgenommen. Nun gilt es, vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) die Starterlaubnis zu erhalten. „Unsere Sportvereinigungen arbeiten hart, um alle Voraussetzungen des Komitees zu erfüllen“, betonte der südsudanesische Sportminister Cirino Hiteng Ofuho. „Es ist zwar ein Rennen gegen die Zeit, aber der gute Wille ist da. Seit unserer Unabhängigkeit sind wir schon Mitglied zahlreicher internationaler Institutionen geworden, und wir hoffen, dass das IOC uns das gleiche Privileg zukommen lässt.“

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Im Weg stehen dem Vorhaben vor allem zwei Dinge: Erstens hat das IOC bisher noch keine Organisation im Südsudan als Nationales Olympisches Komitee anerkannt. Zudem muss der jüngste Staat der Welt in enger Zusammenarbeit mit den internationalen Fachverbänden noch eine Sport-Infrastruktur im eigenen Land entwickeln. Das IOC leistet dabei jede erdenkliche Hilfestellung.

Erst vor wenigen Tagen ist der Südsudan provisorisches Mitglied des afrikanischen Fußballverbandes CAF geworden, nachdem die Konföderation das Aufnahmegesuch bei seiner Generalversammlung in der Hauptstadt Gabuns, Libreville, akzeptiert hatte. Eine Nationalmannschaft gibt es auch bereits. „Wir sind stolz, Sie als Mitglied zu haben und würden Sie gerne bei unseren künftigen Turnieren sehen“, sagte CAF-Präsident Issa Hayatou.

Ofuho brachte es auf den Punkt: „Wir wissen, dass wir vor vielen Herausforderungen stehen. Aber wir wollen uns auf Fußball, Basketball, Handball, Leichtathletik und andere Sportarten konzentrieren, in denen wir regional, kontinental und international Erfolge verbuchen können.“ Das 54. afrikanische Land hat sich bisher nicht gerade mit sportlichen Höchstleistungen hervorgetan. Mit einer Ausnahme: Basketball. Hünen wie Luol Deng, der seit 2004 in der nordamerikanischen Profiliga NBA für die Chicago Bulls spielt, Ajou Deng oder Deng Gai haben allesamt südsudanesische Wurzeln und eine beachtliche Karriere hinter sich.

Begabt sind auch die beinamputierten Basketballer des Landes: Die Verantwortlichen wollen sich deshalb vor allem auf die Paralympics konzentrieren, die Ende August beginnen. „Unsere behinderten Basketballer sind sehr gut, und ich denke, dass sie die Zuschauer in London begeistern könnten“, sagte Ofuho. Die Mannschaft besteht vorwiegend aus Rollstuhlfahrern, die im langjährigen Krieg mit dem Sudan ihre Beine verloren haben. „Aber wir könnten auch einige Langstreckenläufer antreten lassen. Wir haben das richtige Gelände, um unsere Talente in dieser Sportart zu trainieren“, erklärte Ofuho.

Sollte der Südsudan trotz aller Bemühungen nicht als Nation bei den Spielen in London dabei sein können, gibt es für die Athleten des Landes noch eine andere Möglichkeit: Sie könnten unter der olympischen Flagge als „unabhängige Olympiateilnehmer“ antreten. Diese Lösung gibt es, wenn ein Land noch kein offizielles Mitglied des IOC ist. So waren etwa bei den Spielen 2000 in Sydney Sportler aus Osttimor unter der IOC-Flagge einmarschiert, weil das Land damals noch unter UN-Verwaltung stand. Frei nach dem olympischen Gedanken:
„Dabei sein ist alles“.

dpa

Uwe Kranz 15.02.2012
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