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Sportbuzzer Deutsche Zeitfahrer im Goldrausch
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21:56 05.09.2012
Michael Teuber und Tobias Grafhaben jeweils Gold bei den Paralympischen Spielen in London gewonnen. Quelle: dpa
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London

Was für ein Tag für das deutsche Radsportteam: Sieben Medaillen holten die paralympischen Pedaleure am Mittwoch vor den Toren Londons auf der alten Formel-1-Strecke Brands Hatch. Andrea Eskau, Tobias Graf und Michael Teuber fuhren im Zeitfahren zu Gold, Norbert Mosandl gewann hinter dem ehemaligen Formel-1-Star Alessandro Zanardi Silber, ebenso wie Hans-Peter Durst und Dorothee Vieth. Bernd Jeffré fuhr mit Bronze die erste Medaille für Niedersachsen ein.

Der schüchterne Baden-Württemberger Graf lag nach dem Zeitfahren über 16 Kilometer völlig erschöpft auf dem Asphalt der Strecke. Eher zögerlich nahm der 28-Jährige die Glückwünsche entgegen und fand nur schwer Worte für den wichtigsten Erfolg seiner Karriere. Auf Gold habe er „ein bisschen gehofft, aber nicht damit gerechnet“. Der Athlet mit dem markanten badischen Akzent, der sein linkes Bein bei einem Unfall auf dem Bauernhof seiner Eltern verlor, hatte zuvor schon auf der Bahn zwei Medaillen gewonnen.

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Teuber hatte die erhoffte Medaille im Velodrom dagegen verpasst und entsprechend motiviert war er nun auf der Straße. „Das ist der Höhepunkt meine Karriere“, jubelte Teuber, verteilte anschließend auf dem Siegerpodest  euphorisch Kusshände und sang die Nationalhymne laut mit.

Mit einer großen Portion Wut im Bauch startete auch Silbermedaillengewinner Mosandl. „Drei Tage vor dem Rennen habe ich eine Mail bekommen, in der mich der Radsportverband aus dem Team ausgeschlossen hat“, sagte er kurz nach dem Rennen. Der Grund sei gewesen, dass er nicht im Athletendorf wohnen wolle, sondern sich ein Hotel nahe der Rennstrecke gemietet hatte. „Ich habe keine Unterstützung mehr bekommen, muss das Hotel alleine zahlen, den Transport organisieren, und an der Strecke sagt mir der  Trainer nicht einmal mehr ,Guten Morgen‘“, schimpfte Mosandl. Jetzt zahle alles sein Cottbuser Heimverein. „So kann man nicht mit den Athleten umgehen“, erklärte sein Heimtrainer Christof Weiss. Deutschlands Chef de Mission Karl Quade wies die Vorwürfe zurück. Mosandls eigenständiges Verhalten, nicht im Dorf zu wohnen, habe man akzeptiert. „Allerdings liegt es dann nicht an uns, dies zu finanzieren, denn wir stellen im Dorf alles für die Athleten bereit.“

26 Sekunden fehlten Mosandl letztlich zu Gold. „Ich bin mit 55 Stundenkilometern durch die Kurve, kam dann aber zu nah an einen Gulli und musste bremsen“, sagte der Bayer. Dieser Fahrfehler habe dazu geführt, dass Zanardis Zeit nicht mehr zu schlagen war. Der Italiener, der 2001 bei einem Autorennen auf dem Lausitzring beide Beine und fast das Leben verloren hatte, fuhr bei seiner Paralympics-Premiere auf Anhieb zu Gold. Am Mittwoch war er der Star an der Strecke. Die Stimme des Sprechers in Brands Hatch überschlug sich bei der Zieleinfahrt Zanardis, und die Tausenden Zuschauer an der Strecke jubelten fast so laut wie bei den britischen Fahrern.

Nach dem Rennen verschwand der Italiener in einem Pulk aus Journalisten, denen er bestens gelaunt erzählte: „Für mich ist gerade etwas Magisches passiert.“ Und wohl etwas Einmaliges: Nach den Paralympics, so hatte Zanardi es angekündigt, werde er seine Handbike-Karriere wieder beenden. Auch wenn ihm dies schwer falle. „Ich fühle mich wie ein Junge, der morgens im Bett liegt, und seine Mutter ruft: ,Frühstück!‘ Aber ich will nicht aufstehen, sondern noch ein bisschen länger liegen bleiben.“ 

  • Sitzvolleyball: Das deutsche Team setzte seine Siegesserie fort. Durch einen 3:2-Erfolg gegen China erreichte es das Halbfinale.
  • Schwimmen: Kirsten Bruhn hat die 100 Meter Brust überlegen gewonnen und damit bei ihrem letzten Paralympics-Rennen zum zweiten Mal Gold gaholt. Niels Grunenberg und Torben Schmidtke gewannen Silber über die gleiche Strecke.
  • Rollstuhlbasketball: Für die deutschen Basketball-Männer kam das Aus im Viertelfinale. Sie verloren mit 46:57 gegen die USA. Dafür stehen die Frauen heute im Halbfinale gegen die Niederlande.
  • Fechten: Simone Riese-Baetke verlor das Degen-Finale mit 8:15 gegen Saysunee Jana aus Thailand.

Manuel Becker (mit:dpa)

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

05.09.2012
Heiko Rehberg 04.09.2012