Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportbuzzer Deutschland, das Winterwunderland
Sportbuzzer Deutschland, das Winterwunderland
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 23.03.2015
Von Manuel Becker
Einer der neuen Überflieger: Skispringer Severin Freund. Quelle: Grzegorz Momot
Anzeige
Hannover

Tränen hatte es gegeben und vor allem viel Frust. Vor 13 Monaten waren die Olympischen Winterspiele in Sotschi zu Ende gegangen - mit dem schlechtesten Resultat für das deutsche Team seit der Wiedervereinigung. DOSB-Leistungssportdirektor Bernhard Schwank sprach hinterher von einer „großen Enttäuschung“. 27 bis 30 Medaillen sollten die deutschen Wintersportler holen. Und nur weil die Rodler die Bilanz retteten, wurden es 19. Es blieb eine Aufzählung von Negativerlebnissen: Die Biathletinnen gingen komplett leer aus, die Eisschnellläufer holten erstmals seit 50 Jahren keine Medaille, ebenso die Bobpiloten.

Ein gutes Jahr später, am letzten großen Wintersportwochenende der Saison, wähnen sich manche Trainer, Funktionäre und wohl auch einige Sportler wieder im Winterwunderland. Ihnen ist ein Jahr nach Sotschi ein Comeback gelungen, mit dem kaum zu rechnen gewesen ist. Ein Überblick über die Helden des Winters.

Anzeige

Biathlon - die neue Generation: Vergangenes Wochenende war die deutsche Biathlon-Welt endgültig wieder in Ordnung. „Die Nummer 1 der Welt sind wir“, sangen Männer- und Frauenteam, Betreuer und Funktionäre bei der Siegerehrung auf dem Marktplatz im finnischen Joensuu. Erstmals seit 18 Jahren hatten beide Staffeln Gold geholt. Erik Lesser war zudem Doppelweltmeister geworden, aber vor allem die Frauen hatten alle überrascht. Die beiden 21-Jährigen, Laura Dahlmeier und Franziska Preuß, waren zu Silber gestürmt und gemeinsam mit dem Team auf den Biathlon-Thron. Jetzt stehen Dahlmeier, die am letzten Weltcupwochenende in Chanty-Mansijsk gestern hinter der Finnin Kaisa Mäkäräinen im Sprint Zweite wurde, und Preuß, die auf Platz 6 landete, stellvertretend für eine neue Generation. Sie könnte eine goldene werden.

Skispringen - ein guter Freund: Als Werner Schuster 2008 das deutsche Skisprungteam übernahm, lag es am Boden. Trotzdem stellte er früh die Prognose auf, dass Deutschland in ein paar Jahren wieder einen Siegspringer haben werde. Es dauerte zwar etwas länger, doch Schuster behielt recht. Noch bei der Vierschanzentournee enttäuschend, haben die deutschen Springer mit Severin Freund wieder einen, der der Konkurrenz davonfliegen kann. Bei der WM holte er Gold auf der Großschanze, Silber von der Normalschanze und Gold mit dem Mixed-Team. Gestern verpasste er beim Skifliegen in Planica, wo er Vierter wurde, zwar den vorzeitigen Gesamtweltcupsieg, weil Konkurrent Peter Prevc (Slowenien) gewann. Beim letzten Springen am Sonntag kann er aber immer noch - zum ersten Mal seit Martin Schmitt 2000 - am Ende der Saison ganz oben stehen. Bei den Frauen ist Carina Vogt erfolgreiche Vorspringerin für die noch junge Sportart. Die Skispringer haben die Wende geschafft.

Nordische Kombination - zwei Supermänner: Mit seinem Superman-Glücksshirt unter der Rennkleidung war Johannes Rydzek der König bei der WM der Nordischen Kombinierer. Vier Medaillen holte er im schwedischen Falun - und stahl dabei dem zuvor überragenden Eric Frenzel die Show. Doch dieser konnte sich anschließend mit dem Gesamtweltcupsieg trösten. Den beiden Supermännern gehört weiterhin die Zukunft.

Schwarz-rot-goldener Eiskanal: Im Eiskanal gelang dem deutschen Team ein erstaunliches Comeback. Die stets starken Rodler um Felix Loch und Natalie Geisenberger dominierten die Saison erneut. Aber die Stärke der Bobpiloten, die bei der Heim-WM in Winterberg sechs von möglichen neun Medaillen holten, war so kaum zu erwarten. „Ein sensationelles Ergebnis. Erstaunlich wie schnell die jungen Athleten ins A-Team eingegliedert wurden“, sagte Sportdirektor Thomas Schwab.

Ski alpin - drei Siegertypen: Sonntag kann sich Felix Neureuther zum Slalomkönig krönen lassen und sich so seinen Lebenstraum erfüllen. Er hat vor dem abschließenden Rennen im französischen Méribel 55 Punkte Vorsprung auf den Österreicher Marcel Hirscher und könnte als erster deutscher Skirennläufer seit Armin Bittner 1990 wieder eine Kristallkugel gewinnen. Aber auch so war es ein erfolgreicher Winter für die Alpinen. Neureuther (Bronze), Fritz Dopfer (Silber) und Viktoria Rebensburg (Silber) gewannen bei der WM drei Medaillen. Für das erste Jahr ohne den zurückgetretenen Superstar Maria Höfl-Riesch eine gute Bilanz.

Die Sorgenkinder

Langlauf: Der Rücktritt von Bundestrainer Frank Ullrich nach internen Querelen zeigt: Im Langlauf ist einiges nicht so gelaufen, wie erhofft. Der Generationswechsel bei den Männern verlief nicht reibungslos. Die Frauen schafften zwar im Distanzbereich gute Resultate, vor allem im Sprintbereich konnten die Deutschen dafür aber nicht an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen.

Eisschnelllauf: Ein paar Hoffnungsträger gibt es: Nico Ihle und Samuel Schwarz feierten in Berlin einen Doppelerfolg, Patrick Beckert holte bei der WM Bronze, und die 43-jährige Claudia Pechstein wehrt sich weiterhin tapfer gegen die deutlich jüngere Konkurrenz. Von den glorreichen Zeiten, als die Eisschnellläufer Medaillengaranten waren, ist das Team derzeit aber weit entfernt.

19.03.2015
Gabriele Schulte 21.03.2015
17.03.2015