Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportbuzzer Die Frauen haben den Hut auf
Sportbuzzer Die Frauen haben den Hut auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:31 17.08.2011
Anzeige
Hannover

Frauen sind doch bessere Fragesteller. Schauspielerin Mariella Gräfin von Faber-Castell, Ehrengast beim „Ascot-Renntag“ am Sonntag (Beginn um 12.30 Uhr), wollte am Mittwoch wissen, warum zu diesem Anlass „die Männer auf der Neuen Bult eigentlich keinen Hut oder Zylinder“ tragen. Gregor Baum, der Präsident des Hannoverschen Rennvereins (HRV), stockte einen Augenblick, ehe er antwortete: „Ganz so formell wie unser großes Vorbild sind wir nicht. Wir sind ja eher die Familienrennbahn.“

Dennoch hat die 42-Jährige einen Denkanstoß gegeben. Der kommende Renntag in Langenhagen ist nicht nur sportlicher, sondern auch gesellschaftlicher Saisonhöhepunkt. Deshalb wirbt der HRV um Besucherinnen mit Hut, gern auch mit atemberaubenden Kreationen wie in England. Die Frauen mit einer Kopfbedeckung, die über eine Baseball-Kappe oder einen Südwester hinausgeht, haben freien Eintritt. Und sie werden von einer Jury mit Sängerin Maite Kelly und Laufstegtrainer Jorge Gonzalez vielleicht sogar gebeten, ihren Hut beim Lady-Elegance-Wettbewerb im Rahmenprogramm vorzustellen. Die drei elegantesten Modelle bekommen lukrative Preise.

Anzeige

Eine Erklärung für die fehlende Werbung um Männer mit Hut mag die originale Ascot-Kleiderordnung bieten. Die Frauen dürfen alle Farben tragen, sofern die Kleidung sittsam-respektabel ist. Die Männer indes sind festgelegt auf den „morning dress“. Das ist kein Pyjama oder Bademantel, sondern ein Cutaway mit Zylinder – einheitlich in „ascot-grau“.

Weil grau sich aber schlecht einfügt in ein buntes Programm, haben am Sonntag außer den Frauen auch die Kinder den Hut auf. Sie dürfen ihre zuvor selbst gebastelten und gestalteten Modelle vorstellen. Und die „Ascot“-Renntage in den vergangenen Jahren zeigten, dass manche Kreation der Kleinen durchaus im Konzert der Großen mithalten konnte.

Doch es geht nicht nur um Hüte, sondern natürlich auch um Pferde. „Ich habe selbst richtig Spaß am Wetten“, sagte von Faber-Castell, die aus Berlin stammt und bisher nur die dortige Rennbahn Hoppegarten kennt. „Ich gehe dabei nach dem Aussehen und dem Namen.“ Der Erfolg indes mag sich bei der Schauspielerin nicht richtig eingestellt haben, sodass sie am Mittwoch noch Baum um einen Expertentipp bat.

Der Rennvereinspräsident, ganz Gentleman, empfahl ihr für den Großen Preis von Audi Hannover über 2000 Meter (Gruppe III, Dotierung 55 000 Euro) Gereon von Besitzertrainer Christian Zschache, zufällig wie von Faber-Castell in der deutschen Hauptstadt heimisch. „Das Pferd war schon im Derby Favorit, da hat es nicht ganz geklappt“, sagte Baum, der allerdings auch gestand, dass bei Expertentipps die Trefferquote kaum höher liegt als bei Amateuren.

Für den Sonntag garantieren kann dagegen der HRV-Präsident beste Bedingungen auf der Rennbahn. „Der ergiebige Regen hat dem Rasen richtig gutgetan, er sprießt und ist grün wie auf einem englischen Golfplatz“, sagte Baum und ergänzte, die Pferde werden beste Bedingungen in den insgesamt zehn Rennen vorfinden, darunter ein weiteres Hauptereignis, ein mit 20 000 Euro dotiertes Listenrennen. Und noch eines ist gewiss: Siege und Wettgewinne auf der Rennbahn können wie in Ascot mit Champagner und Erdbeerbowle gefeiert werden, versprach Baum: „Aber auch mit einem gut gezapften Bier.“

Carsten Schmidt