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08:00 27.03.2010
Von Veronika Thomas
Assistenzhund Isa und die schwerbehinderte Natalja Raisch
Vertrautes Team: Für die schwerbehinderte Natalja Raisch ist der Labrador Isa der tollste Hund der Welt. Die 19-Jährige bekam den tierischen Helfer von der Sparda-Bank geschenkt. Quelle: Florian Wallenwein
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Für Natalja ist Isa der tollste Hund der Welt. Diese Meinung teilen zwar die allermeisten Hundebesitzer, wenn es um ihren Vierbeiner geht – für Natalja bedeutet Isa aber sehr viel mehr. Die zweieinhalbjährige Labrador-Hündin steht der schwerbehinderten jungen Frau als sogenannter Assistenzhund zur Seite. Dank einer Spende der Sparda-Bank und des Engagements der gemeinnützigen Organisation benefiz in Hannover erhielt die 19-Jährige den lang ersehnten Hund im Dezember vergangenen Jahres. Ein Glücksfall, denn nur die wenigsten Behinderten können sich solch einen speziell ausgebildeten Hund leisten.

Im Alter von vier Jahren erkrankte Natalja Raisch, die mit ihren Eltern und ihrem älteren Bruder 1994 aus der ehemaligen Sowjetunion nach Peine kam, an Kinderlähmung. Seitdem ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen, sie leidet unter einer starken Spastik, auch in den Händen. Zurzeit bereitet sie sich auf die Abschlussprüfung ihrer Berufsausbildung vor. Natalja lernt Bürokauffrau im dritten Lehrjahr, sie absolviert eine virtuelle Ausbildung im Annastift. Über eine Lernplattform per Internet bewältigt sie ihr Lernpensum. Und seitdem Isa bei ihr ist, fällt der 19-Jährigen, die am Peiner Ortsrand im Haus ihrer Eltern lebt, vieles in ihrem ansonsten recht beschwerlichen Leben leichter.

„Früher hatte ich immer Angst, wenn etwas heruntergefallen war, weil ich nicht wusste, wie lange es dauert, bis es jemand für mich aufheben konnte“, erzählt die fröhliche Auszubildende und sagt mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Bewunderung: „Heute hebt Isa alles auf.“ Denn die gelehrige Hündin bringt ihr nicht nur Handy oder Schlüsselbund, „sie hebt ganz kleine Teile auf wie die Kappe eines Filzstift oder ein Armband“, sagt Natalja. Sogar einen Luftballon nimmt das Tier vorsichtig mit seinen Zähnen auf – am zugeknoteten Verschluss.

Isa öffnet Türen, sie reicht ihrem Frauchen einen Kugelschreiber so lange, bis sie ihn gegriffen hat, und die Hündin weiß, dass Natalja mit ihrer rechten Hand besser greifen kann als mit der linken. Und wenn es ihr mal nicht gut geht, legt Isa ihren Kopf tröstend auf Frauchens Schoß. „Die beiden sind ein gut eingespieltes Team“, sagt Nataljas Mutter Elena Raisch. Zwar hat sich Isa längst zum Familienhund entwickelt, doch die Hündin weiß genau, dass Natalja ihr Frauchen ist. Sie beginnt erst zu fressen, wenn Natalja ihr das Kommando erteilt hat.

Die Assistenzhündin trägt „im Dienst“ ein kleines Mäntelchen, das sie auch außerhalb des Hauses als Diensthund ausweist – vergleichbar mit einem Blindenführhund. Trägt sie das rote Mäntelchen nicht, weiß die Hündin, dass sie frei hat. „Das ist wichtig für Isas Nerven, damit sie sich entspannen kann“, erläutert Nataljas Mutter. Wenn Natalja beispielsweise in ihrem Arbeitszimmer am Computer sitzt, liegt Isa in ihrem Korb und döst. Dann hat sie frei.

Die Labradorhündin holt auch Hilfe, wenn es nötig sein sollte. Dann steigt sie auf einen kleinen, flachen Holzkasten, in dessen Mitte eine handelsübliche Klingel im Format eines Lichtschalters montiert ist. Betätigt sie die Klingel, ertönt in Haus und Garten ein durchdringender Klingelton – ein Signal dafür, dass Natalja Hilfe benötigt. „Mein Mann oder ich schauen dann sofort nach, ob etwas passiert ist“, erzählt Elena Raisch.

Assistenzhunde zur Unterstützung von Rollstuhlfahrern sind in Frankreich, Großbritannien oder Österreich seit mehr als 20 Jahren anerkannt und dort entsprechend weit verbreitet. „In diesem Punkt ist Deutschland Entwicklungsland“, sagt Claudia Bodmann. Die 47-Jährige erlitt im Alter von 18 Jahren einen Autounfall und ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. 2005 gründete sie in Wunstorf den Verein „Apporte – Assistenzhunde für Menschen im Rollstuhl“ mit dem Ziel, Behinderten zu einem Assistenzhund zu verhelfen (im Internet zu finden unter www.apporte-assistenzhunde.de). Außerdem gehört der Verein zu einem europaweiten Netzwerk. Immerhin kostet ein ausgebildetes Tier 12 000 bis 15 000 Euro, eine Summe, über die die wenigsten Rollstuhlfahrer verfügen.

Die Assistenzhunde werden in Frankreich, Belgien und Holland nach europäischer Norm ausgebildet. Inzwischen hat der Verein „Apporte“ 60 Mitglieder, und mithilfe von Sponsoren konnten schon sieben Hunde an ihre glücklichen Besitzer übergeben werden. „Bei allen haben die Hunde einen positiven Schub ausgelöst. Über den Hund kommt man auch schnell zu Kontakten – und damit aus der Isolation heraus“, erzählt Claudia Bodmann, die schon seit Jahren für die Anerkennung der tierischen Helfer kämpft.

Im Gegensatz zu Blindenhunden, die von den Krankenkassen bezahlt werden, sind Assistenzhunde nicht automatisch von der Hundesteuer befreit. „Das muss man im Einzelfall mit der Kommune absprechen“, sagt die Lehrerin. Sie besitzt seit acht Jahren den Labrador Telemaque. Er beherrscht 54 Kommandos, trägt unter anderem den Gelben Sack zur Mülltonne oder unterstützt sein Frauchen beim Einkauf.

Isa, die aus einer australischen Assistenzhundezucht stammt und in Slowenien ausgebildet wurde, fungiert sogar als Therapeutin. Einmal pro Woche legt sich Natalja für 40 bis 45 Minuten auf den Rücken, während die Labradorhündin wie eine Rolle unter den gebeugten Knien der 19-Jährigen liegt. Danach ist Natalja ganz entspannt, ihre Beine sind warm, gut durchblutet und ruhig.

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