Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportbuzzer Donald Lutz vor Debüt in Baseball-Profiliga
Sportbuzzer Donald Lutz vor Debüt in Baseball-Profiliga
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:26 02.04.2012
Von Sebastian Harfst
Foto: Der Deutsche Donald Lutz hat den Sprung in den erweiterten Kader der Cincinnati Reds geschafft.
Der Deutsche Donald Lutz hat den Sprung in den erweiterten Kader der Cincinnati Reds geschafft. Quelle: Archivbild
Anzeige
Hannover

Nur ein kleines Gedankenspiel: Nehmen wir an, ein Fußballer von den Seychellen, aktuell Platz 189 der FIFA-Weltrangliste, schafft es in den erweiterten Kader des deutschen Fußballmeisters Borussia Dortmund. Undenkbar?

Gut, dann kommen wir zu Donald Lutz aus dem hessischen Friedberg, dem etwas Vergleichbares gelungen ist. Als erster Spieler aus dem Baseball-Entwicklungsland Deutschland hat er den Sprung in die nordamerikanische Profiliga MLB geschafft - zumindest in das sogenannte 40Mann starke Roster, den erweiterten Kader der Cincinnati Reds. „Als der Anruf kam, habe ich zuerst gedacht, es wäre ein schlechter Scherz“, verriet der 23-Jährige auf der Internetseite des Deutschen Baseball und Softball Verbandes (DBV).

Zwar muss sich Lutz zunächst noch hinten anstellen: Trotz starker Leistungen in der Saisonvorbereitung wurde er kurz vor dem 1. Saisonspiel der Reds gegen die Florida Marlins am Donnerstag vom Trainerteam wieder in das weitverzweigte System der klubeigenen Nachwuchsmannschaften zurückgestuft. Aber Experten glauben, dass er noch in dieser Spielzeit sein Debüt in der Baseball-Profiliga gibt.

Insbesondere, wenn im Herbst die Teilnehmer der Play-off-Spiele ermittelt sind, wird nämlich dem einen oder anderen Superstar mit Jahreseinkommen von teilweise mehr als 20 Millionen Dollar schon mal eine Pause gestattet. Schließlich absolviert jedes Team allein in der regulären Saison 162 Spiele, was die MLB sportartenübergreifend zur Liga mit den meisten Stadionbesuchern weltweit macht. Es schlägt dann die Stunde von Talenten wie Lutz. „Es brauchen sich nur ein, zwei Leute verletzen, und manchmal geht es schneller als man denkt“, sagte er.

Bis zu einem Dirk Nowitzki des Baseballs ist es für Lutz dennoch ein weiter Weg. Und es ist auch eher unwahrscheinlich, dass er jemals auch nur annähernd den Status des deutschen Vorzeigebasketballers von den Dallas Mavericks erreicht. Trotzdem reibt sich die Fachwelt verwundert die Augen über den Aufstieg des Hessen - auch wenn Lutz in den USA geboren ist, zur Hälfte amerikanische Wurzeln hat (durch seinen Vater) und sowohl die deutsche als auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt. Seine Sportgeschichte erscheint geradezu märchenhaft in einem Land, in dem schon Kinder im Vorschulalter mit Baseballkeulen und Fanghandschuhen hantieren wie hierzulande mit dem Fußball. Lutz aber war schon 14 Jahre alt, als er mit dieser Sportart zum ersten Mal in Kontakt kam. Zuvor hatte er Eishockey und Handball gespielt.

Damals, im Jahr 2003, nahm ihn sein Bruder Sascha, selbst deutscher Nationalspieler, mit zum Training der Friedberg Braves. Und dann nahm die Karriere richtig Tempo auf: Nur wenige Jahre später wurde er von den Reds für die Nachwuchsligen verpflichtet und behauptete sich als Exot im Kreis der zahlreichen amerikanischen Talente, die wesentlich mehr Spielpraxis besaßen. Lutz, 1,92 Meter groß und 105Kilogramm schwer, hat nämlich eine Fähigkeit, die nicht zu erlernen ist. Er ist einer jener Spieler mit dem „big swing“, der Mischung aus Kraft und dem besonderen Gefühl für Keule und Ball. Scheinbar mühelos schafft er es, den Ball zu einem Homerun über die Spielfeldbegrenzung hinaus zu befördern.

Der DBV freut sich über das neue Aushängeschild und hofft, jetzt hierzulande etwas aus dem Schatten des „alles dominierenden Fußballs“ herauszukommen, wie es Geschäftsführer Arndt Wiedmaier ausdrückt. Weltweit zählt Baseball zu den meistgespielten Sportarten, betrieben von rund 100 Millionen Menschen vor allem in den USA, Japan, Korea und der Karibik. In Deutschland dagegen ist der Sport, trotz mancher Anstrengungen in der amerikanischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg, nie über ein Mauerblümchendasein herauskommen. „Vielleicht hat uns die Weltmeisterschaft 1954 einen Strich durch die Rechnung gemacht“, mutmaßt Wiedmaier.

Der damalige Titelgewinn von Fritz Walter und seinen Kameraden machte Fußball zum Volkssport. Im Baseball fehlen aber nicht nur deutsche Sieger. Das Spiel gilt aufgrund der immens vielen Regeln als schwer durchschaubar und sogar langweilig. In den USA dagegen ist der Saisonauftakt der MLB ein Festtag - seit 1910 hat jeder Präsident zumindest eine Spielzeit während seiner Amtsperiode mit dem „ersten Wurf“ feierlich eröffnet.

Einmal bei diesem Spektakel dabei zu sein - das ist alles für Lutz. Und es wäre ein großer Schritt für den Baseballsport hierzulande.

Sportbuzzer Play-off-Viertelfinale - Der UBC hält Kurs
Patrick Hoffmann 01.04.2012
Sportbuzzer Punktsieg gegen Wilczewski - Profiboxer Abraham siegt klar
01.04.2012