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Sportbuzzer Ein Festtag für den deutschen Handball
Sportbuzzer Ein Festtag für den deutschen Handball
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22:16 01.11.2009
Von Björn Franz
Super! Cup! Quelle: Ulrich zur Nieden
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Eineinhalb Minuten vor Schluss hielt es die 10.000 Zuschauer in der ausverkauften TUI Arena nicht mehr auf ihren Sitzen. Die Fans der deutschen Handball-Nationalmannschaft feierten ihre Lieblinge, und sie ließen sich dabei auch nicht von dem kleinen Schönheitsfehler die Stimmung verderben, dass Holger Glandorf die letzte Chance des deutschen Teams völlig freistehend vergab. Warum auch? Die Partie war zu diesem Zeitpunkt schließlich schon längst zugunsten der Gastgeber entschieden, die sich durch einen 30:26-Erfolg über Europameister Dänemark zum ersten Mal seit 2001 wieder den Sieg beim Supercup sicherten.

Dass der letzte Spieltag des Turniers ein Festtag für den deutschen Handball werden würde, das hatte man bereits bei der Anfahrt zur Halle erahnen können. Da stauten sich Busse aus allen Regionen des Landes in einer lange Reihe – gefüllt mit Handballern und Fans, für die es spätestens seit der WM 2007 im eigenen Land eine Selbstverständlichkeit zu sein scheint, das deutsche Team in vollen Hallen zu unterstützen. Selbst bei einem Fachmann wie dem dänischen Trainer Ulrik Wilbek, der wahrlich schon einiges erlebt hat, hinterließ die Atmosphäre Eindruck, die am Sonntag in Hannover sowie an den vorausgegangenen Turniertagen in Köln und Halle/Westfalen herrschte. „Bei solchen Länderspielen vor 10.000 Zuschauern oder mehr zu spielen, ist einfach phantastisch. Das gibt es wohl nur hier in Deutschland“, sagte er.

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Doch nicht nur die Stimmung beeindruckte den Europameister-Trainer. Auch sportlich – und das war die größere Überraschung des gestrigen Nachmittags – musste Wilbek die deutsche Überlegenheit eingestehen. Zwar hatte seine Mannschaft den etwas besseren Start und lag bis zur 8. Minute durchgehend mit einem Treffer in Front. Doch mit zunehmender Spieldauer kämpften sich die Deutschen immer mehr in die Partie – und zogen dem Favoriten mit ihrer kompromisslosen Abwehrarbeit sowie den überragenden Torhütern Silvio Heinevetter und Johannes Bitter zusehends den Zahn.

Bis zur Pause lag das Team von Bundestrainer Heiner Brand, das am Vortag beim 30:30 gegen Schweden in Halle/Westfalen einige Probleme gehabt hatte, bereits mit vier Toren in Front. Und nach dem Seitenwechsel ließ es sich diese Führung nicht mehr aus der Hand nehmen. „Es war eine deutliche Leistungssteigerung gegenüber dem Vortag“, lobte Brand – um in seiner vorsichtigen Art sofort eine Relativierung des Resultates hinterherzuschicken. „Aber ich will das Ergebnis nicht überbewerten.“

Wichtiger als der Sieg dürfte für Brand in Hinblick auf die in zweieinhalb Monaten beginnende EM in Österreich ohnehin die Erkenntnis gewesen sein, dass er die eine oder andere Alternative zu den etablierten Kräften in der Hinterhand hat. In Abwesenheit des verletzten Pascal Hens und angesichts der gesundheitlichen Probleme von Michael Kraus, der wegen einer Bauchmuskelzerrung nur in der Anfangsphase eingesetzt wurde, spielten sich vor allem der Wetzlarer Sven-Sören Christophersen und Michael Müller (Rhein-Neckar Löwen) in den Vordergrund. Und so fand Abwehrchef Oliver Roggisch das passende Fazit: „Wir brauchen sicherlich noch Zeit, ehe wir wieder in der absoluten Weltspitze zurück sind. Aber wir haben gezeigt, dass wir schon jetzt jeden ärgern können.“

Tatjana Riegler 22.10.2009
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