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Sportbuzzer Ein Händchen für junge Pferde
Sportbuzzer Ein Händchen für junge Pferde
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21:52 06.05.2015
Von Carsten Schmidt
„Man muss viel Geduld haben“: Billy Newnes arbeitet als Trainingsreiter. Foto: Surrey Quelle: Rainer Surrey
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langenhagen

Der Hauch von Sommer in den vergangenen Tagen, der auch im Galopp-Trainingszentrum in Langenhagen Einzug gehalten hat, tat Billy Newnes gut. „Ich liebe die Wärme, ich brauche die Wärme“, sagte der 55-Jährige. „Das ist gut für meine Knochen und meine Gelenke.“ Es klingt merkwürdig, wenn ein kleiner, drahtiger Mann mit einem festen Händedruck und wachem Blick solche Sätze äußert. Doch Newnes hat eine fast 40-jährige Karriere als Berufsreiter hinter sich. In dieser Zeit hat er fast alles gewonnen, auch das Deutsche Derby. „Aber ich habe auch fast am ganzen Körper Verletzungen erlitten“, sagte Newnes und deutet auf das Schlüsselbein, auf die Rippen und die Beine. „Deshalb mag ich die Kälte nicht.“

Der Engländer Newnes ist seit April als Trainingsreiter bei Paul Harley tätig, einem der drei Trainer auf dem Langenhagener Gelände neben der Rennbahn Neue Bult. In Langenhagen musste er sich überwinden, weil es zu Arbeitsbeginn morgens um sechs Uhr doch recht frisch war. Ganz anders als in Dubai, wo er im Winter sein Geld verdient hatte. „Dort musst du früh aufstehen, weil dann noch angenehme Temperaturen herrschen“, sagte er. Newnes ist aber nicht nur bei den Rennstallbesitzern auf der Arabischen Halbinsel gefragt. 2014 arbeitete er im renommierten Gestüt Röttgen bei Köln für Markus Klug, den deutschen Trainerchampion. Dem früheren Spitzenjockey wird ein gutes Händchen bei der Vorbereitung junger Pferde bescheinigt. „Man muss viel Geduld haben“, sagte Newnes. „Ohne Hektik arbeiten.“

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Service

Renntage auf der Neuen Bult in Langenhagen: 17. Mai, 25. Mai, 14. Juni, 12. Juli, 19. August, 13. September, 27. September, 25. Oktober.

In dieser Hinsicht liegt er auf einer Wellenlänge mit Trainer Harley, der den von ihm trainierten Pferden auch viel Zeit zur Entwicklung lässt. „Paul ist sehr konzentriert in der Arbeit, sehr fokussiert, sehr professionell.“ Man kennt und schätzt sich außerdem seit zwei Jahrzehnten, damals saßen Harley und Newnes noch im Rennsattel.

Die Vertrautheit war es ohnehin, die Newnes zur Reitertätigkeit in Langenhagen bewogen hat - allerdings nicht mehr in Rennen, wie er betont. Der Brite fand vor rund 30 Jahren sein Lebensglück auf der Neuen Bult. Er traf dort seine spätere Frau Gudrun, Tochter des bekannten Trainers Kurt Lepa und damals ebenfalls Rennreiterin. Das gemeinsame Zuhause ist in Newmarket, zwei mittlerweile erwachsene Söhne haben beide, die aber „nichts mit Pferden am Hut haben“.

Über den Schwiegervater hat Newnes auch Gregor Baum kennengelernt, die Familie des heutigen Präsidenten des Hannoverschen Rennvereins (HRV) war gut bekannt mit Lepa. Baum ist zudem Harleys Arbeitgeber und lässt in Langenhagen Galopper aus dem eigenen Gestüt Brümmerhof vorbereiten. Und die Infrastruktur rund um die Rennbahn, die in Baums Amtszeit seit 2005 geschaffen worden ist, bewog Newnes, das Berufsende noch einmal herauszuschieben. „Eigentlich wollte ich 2014 Schluss machen. Doch die Bedingungen hier sind gut. Nun mache ich bis zum Herbst weiter.“

Der Engländer teilt mit dem HRV- Präsidenten aber nicht nur die Pferdeleidenschaft. Newnes ist Fußballliebhaber wie Baum, dessen Herz für Hannover 96 schlägt. Der Reiter hat derzeit aber mehr Freude mit seinen Kickern vom FC Liverpool: Der Club hat gute Chancen auf die Europa-League-Teilnahme.

06.05.2015
Norbert Fettback 03.05.2015