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Sportbuzzer Ein Marathon – vollgepackt mit Emotionen
Sportbuzzer Ein Marathon – vollgepackt mit Emotionen
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21:24 02.11.2009
Von Norbert Fettback
Mittendrin: HAZ-Sportredakteur Norbert Fettback (2. v. rechts) in New York. Quelle: Frey
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Der Tag danach passt bestens zur Gefühlslage. Von Brooklyn aus präsentiert sich die Skyline von Manhattan im schönsten Sonnenlicht, die Beine – gestern Abend noch so schwer wie Blei – tun nicht mehr wirklich weh, und selbst die „New York Times“ hat von uns drei Notiz genommen. Wenn auch in der denkbar kleinsten Schrift, aber immerhin: Unsere Namen finden sich im Ergebnisteil des weltgrößten Marathons im vorderen Drittel wieder, für längst nicht alle, die ins Ziel gekommen sind, hat der Platz in der Zeitung ausgereicht.

Nachhaltiger als alles bedruckte Papier sind jedoch die Eindrücke nach den vier Stunden quer durch die fünf New Yorker Stadtteile im Feld der mehr als 43 000. Es ist der Traum eines wohl jeden Läufers, am ersten Sonntag im November am Fuß der Verrazano-Narrows-Bridge auf Staten Islands dem Moment entgegenzufiebern, in dem Frank Sinatras Hymne an jene Stadt erklingt, die niemals schlafen soll – der musikalische Startschuss zur 26,2 Meilen langen Tour nach Manhattan mit dem erlebnisreichen Umweg über Brooklyn, Queens und die Bronx.

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Auch ich spüre keine Müdigkeit, obwohl der Wecker an diesem Morgen in unserem Apartment in Rigdewood schon um 4 Uhr geklingelt hat. Zusammen mit Anke und Holger aus Hannover stehe ich sechs Stunden später hellwach und mit nicht zu verkennender Aufregung an der Startlinie des 40. New-York-Marathons. Obwohl hier alles eine Nummer größer ist, ist die Organisation nahezu perfekt. Dafür sorgen nicht zuletzt ganze Heerscharren von freiwilligen Helfern. Und diese Helfer, aber auch die Menschen, die die Straßen säumen, sich die Hände wund klatschen und ihre Stimmbänder strapazieren, um die Läufer anzufeuern, hätten ebenso eine solche Goldmedaille verdient, wie wir sie später um den Hals gehängt bekommen. Es ist ein Lauf vollgepackt mit Emotionen, die die Quälerei auf den 42,195 Kilometern fast vergessen machen.

Denn nach New York kommt niemand, um hier eine neue Bestzeit zu laufen; dazu ist der Kurs mit seinen rund 750 Höhenmetern über fünf gewaltige Brücken hinweg auch viel zu anspruchsvoll. Wir drei aus Hannover wissen, was wir wollen. Deshalb auch der Fotoapparat am Gürtel und dieser und jener kurze Stopp unterwegs, um einen Schnappschuss zu machen. Wer hier antritt, der möchte vor allem das besondere Gefühl genießen, das von diesem Marathon ausgeht. Die Herzlichkeit der Kinder entlang der 4th Avenue im ärmlichen Brooklyn etwa, die einem erwartungsvoll die Hand zum Abklatschen entgegenstrecken, oder die gut gemeinte Geste jener Mittdreißigerin im piekfeinen Manhattan, die Lollis unters Läufervolk bringen möchte, damit es diesem wieder besser gehe.

Bei Kilometer 28 muss auch ich allmählich auf die Zähne beißen und bekomme zu spüren, dass die Vorbereitung auf den New-York-Marathon verletzungsbedingt nicht optimal war. Gegen dieses Defizit wirkt die Anfeuerung durch die Hunderttausenden an den Straßenrändern wie ein Wundermittel. Und als später der Nordzipfel vom Central Park erreicht ist, hilft auch die Heimat mit: noch sechs Kilometer, eine Maschseerunde also, sage ich mir, eigentlich ein Klacks also! Weiter geht’s! Eine knappe halbe Stunde später ist das Ziel in Sichtweite. Guckt an: Die Beine wollen immer noch, trotz der gemeinen Anstiege im Süden des Central Parks. Klare Sache für uns: Es geht jetzt auch gemeinsam ins Ziel. 3:55 Stunden zeigt die Uhr für Holger und für mich an. Wir sind fix und fertig, aber was zählt das an so einem Tag schon.

Norbert Fettback (56) lief nach 2005 zum zweiten Mal den New-York-Marathon. Anke Kelm (43) war 2006 schon im Big Apple dabei, sie hat insgesamt bereits 16 Marathons absolviert. Für Holger Müller (48) war es der 18. Marathon – und der erste in New York.

Björn Franz 01.11.2009
Tatjana Riegler 22.10.2009
Tatjana Riegler 22.10.2009