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Sportbuzzer Ein Schmerz kommt selten allein
Sportbuzzer Ein Schmerz kommt selten allein
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22:21 13.12.2013
Eine sportliche Familie: Imke Onnen (vorn) mit Mutter und Trainerin Astrid Fredebold-Onnen, den Brüdern Kjell, Lasse und Eike sowie Vater Hillrich Onnen (v.l.). Es fehlt Schwester Maie. Quelle: KLeinschmidt
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Hannover

Mit Musik geht zwar nicht alles, aber doch vieles leichter. Sie kann auch eine schöne Ablenkung sein. Von Schmerzen zum Beispiel. Nur noch leichte Beschwerden verspürt Imke Onnen in ihrem rechten Fuß. Die Hochspringerin von der LG Hannover verletzte sich Ende August beim internationalen Meeting in Eberstadt schwer. Riss der Außenbänder, so lautete die Diagnose. Der Schock war kaum verdaut, da kam die nächste Hiobsbotschaft. Bei einer MRT-Untersuchung wurde außerdem ein Kapselriss, den sich die 19-Jährige schon im Juli bei der „U 20“-Europameisterschaft in Rieti zugezogen hatte, entdeckt.

Inzwischen ist Imke Onnen wieder in die aktive Rolle gewechselt. Das Training verläuft für die quirlige Nachwuchsathletin noch im Sparmodus: Hopserlauf, Handstand, Hock-Streck-Sprünge. Dafür sind die Krafteinheiten umso intensiver. Schließlich ist bei ihr durch die Verletzung und die anschließende Pause einiges an Muskelmasse und an Schnelligkeit verloren gegangen.

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Das Lied „Der letzte Tag“ von Peter Fox, das beim Training durch die Boxen schallt, lässt Imke Onnen die Sorgen um ihren rechten Fuß, der gelegentlich noch anschwillt, ein wenig vergessen. Nicht vergessen kann sie den Krankheitsverlauf. „Der war alles andere als optimal“, sagt sie auch mit Blick auf den Zeitpunkt der Diagnose. „Die MRT-Untersuchung wurde erst zwei Wochen nach meinem letzten Wettkampf in Eberstadt durchgeführt. Das kann schneller laufen“, meint sie. Der Heilungsprozess verlief zudem nicht ohne Komplikationen: Erst bildete sich eine Delle am Knöchel, dann kam noch ein Bluterguss hinzu.

Auch Mutter Astrid Fredebold-Onnen, zugleich ihre Trainerin, erinnert sich ungern an die vergangenen Monate. „Der Fuß konnte nicht schnell genug behandelt werden, weil die Diagnose zu spät kam. Es ist sehr, sehr ärgerlich, wie alles gelaufen ist.“ Wäre es nach ihr gegangen, wäre der Start in Eberstadt ohnehin abgesagt worden. „Wir hatten die Saison eigentlich schon abgehakt, doch Imke wollte unbedingt dabei sein.“ Und das tat ihre Tochter auch, im Vorprogramm mit weiteren jugendlichen Talenten. „Ich habe mich super gut gefühlt und wollte mich mit einer guten Höhe aus der Saison verabschieden“, sagt die deutsche „U  20“-Hallenmeisterin.

Verabschiedet hat sie sich dann bei 
1,80 Meter. Unfreiwillig, unter Schmerzen. „Ich bin verkehrt abgesprungen. Es war nicht das Saisonende für mich, was ich mir gewünscht hätte“, sagt Imke Onnen. Immer und immer wieder schauten sich ihre Eltern anschließend das Video von ihrem letzten Sprung an. „Wir vermuten, dass eine Rumpfschwäche die Ursache für den Unfall war“, sagt ihre Mutter.

Auch in dieser schwierigen Phase ist die Familie, Imke ist die Jüngste der fünf ebenfalls sehr sportlichen Geschwister, eine wichtige Stütze. Gemeinsam wird trainiert, nach schlechten Wettkämpfen baut man sich gegenseitig wieder auf. Nach einer durchwachsenen Saison mit „U  20“-Hallenmeistertitel, „U 20“-Vizemeisterschaft, dem frühen Aus bei der Jugend-EM und doppeltem Verletzungspech kann Imke Onnen nun schon wieder lachen.

Schließlich gibt ihr das Training trotz der noch geringen Belastung wieder Zuversicht für die kommenden Monate. Und die werden es in sich haben, denn Imke Onnen wechselt in den Frauenbereich. Die Anforderungen und das Niveau werden steigen. Die bevorstehende Hallensaison könnte die ersten Aufschlüsse geben, ein Start scheint nach den Trainingseindrücken nicht mehr unmöglich. Zumindest für Mutter und Trainerin Astrid Fredebold-Onnen, die schon „vorsichtig plant“.

Für die kommende Saison hat Imke Onnen bescheidende Wünsche: mehr Stabilität in den Sprüngen und verletzungsfrei bleiben. Musikalisch könnte sie dann wieder ihr Lieblingslied von der Band Faithless, „Insomnia“, begleiten, denn bekanntlich läuft mit dem richtigen Sound zwar nicht alles, aber doch vieles leichter.

Von Sandra Arm