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Sportbuzzer Eine Redakteurin läuft ihr eigenes Rennen
Sportbuzzer Eine Redakteurin läuft ihr eigenes Rennen
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23:48 03.05.2009
Von Gabriele Schulte
Im Ziel - und glücklich: Gabriele Schulte Quelle: Ulrich zur Nieden
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Auch trotz monatelanger Verletzungspause im vergangenen Jahr, trotz neuer Altersklasse W 45. Das Wetter passt perfekt, und ich fühle mich fit, ja euphorisch.

„Nach der Schonung vor dem Marathon sehnt sich der Körper nach dem langen Lauf“, hat mir ein Trainer einmal gesagt. Und da ist etwas dran. Mit dem Startschuss setzen sich die Beine mehr als bereitwillig so in Bewegung, wie sie es mögen: Fersen weit hinten, Fußaufsatz flach.

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Ich folge dem Mann mit dem blauen Luftballon (Zielzeit 3:30) und brauche mir um Zwischenzeiten keine Gedanken zu machen. Auch sehr schön: Mit mir laufen Hannelore und Petra, die ich aus der HAZ-Vorbereitungsgruppe kenne. Lavesallee, Maschsee, die ersten Kilometerschilder scheinen vorbeizufliegen.

In der Döhrener Masch beobachtet uns ein Storch. Ein Läufer aus Minden freut sich: „Cool, ich dachte, hier würde es nur durch die Stadt gehen.“ Die Hildesheimer Straße zieht sich endlos, ich laufe angestrengt. Die Sambaband am Aegi motiviert.

An der Unterführung am Bahnhof wartet Simon, mein Sohn. Ich sage ihm, was ich durch Schwindelgefühle erkannt habe: „Das Tempo schaffe ich nicht.“ Der Gedanke ans Aufgeben drängt sich verlockend nach vorn. Doch Simon ruft die entscheidenden Worte: „Lauf weiter!“ Auch Wildfremde machen mir mit Ermunterungen wie „Du schaffst es!“ mehr Mut, als sie selbst vielleicht ahnen.

Ich laufe allein weiter, nehme Tempo heraus. Bei Kilometer 16 erlebe ich meine größte Überraschung: Von einer Minute zur anderen sage ich dem Leistungssport ade und werde wieder Genussläuferin. Mit dieser Geschwindigkeit, das weiß ich, werde ich die 42,195 Kilometer durchlaufen. Eine Last fällt in diesem Moment ab, viele, viele Kilometer sind nun wunderschön.

In der eigenen Stadt Marathon zu laufen ist ein besonderes Erlebnis – auch wegen der Viertel, die sich aus Läuferperspektive ganz neu erschließen. In der List frühstücken sie draußen mit Sekt, im Sahlkamp sehe ich Männer mit Bierflaschen am Grill. So viele freundliche Menschen feuern mich an, sogar von hoch oben aus einem Heim an der Büttnerstraße.

Da ich etlichen an der Strecke lächelnd in die Augen sehe, höre ich auch „Gabriele“-Rufe – der Name steht unter der Startnummer. So sehr im Jetzt wie beim Marathon bin ich selten. Kraft gibt mir auch, was mir meine Tochter, für ein Gastjahr in Philadelphia, per Mail auf den Weg gegeben hat: „Du musst keinem etwas beweisen. Du läufst, weil Du das Laufen liebst.“

So bin ich guter Dinge, als ich meinen Sohn bei Kilometer 35 zum zweiten Mal treffe. Er ist erleichtert, dass ich es bis hierher geschafft habe. Die Schleife durch den Georgengarten gefällt mir. Leider bekomme ich plötzlich so starkes Seitenstechen, dass ich kurz gehen muss.

Die letzten vier Kilometer zähle ich nur noch runter, und trotz meiner schlechtesten Marathonzeit von 3:46:49 laufe ich glücklich durchs Ziel. Marathon-Hannover war wunderbar. Und dieser Lauf für mich richtig, denn ich hatte es wissen wollen. Alles hat sich gelohnt.

Alle Ergebnisse finden Sie auf der Website des Hannover-Marathons.

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