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Sportbuzzer Debakel gegen Kanada wirkt nach
Sportbuzzer Debakel gegen Kanada wirkt nach
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22:39 04.05.2015
Justin Krüger (l.) und Kanadas Dan Hamhuis. Quelle: dpa
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Prag

Auch nach einer schlaflosen Nacht und ein paar Bier an war die historische WM-Pleite gegen Kanada noch nicht vergessen. Der verheerende Eishockey-Nachmittag in Prag musste auch am Tag vor dem wichtigeren Spiel des deutschen Teams gegen die Schweiz am Dienstag (16.15 Uhr/Sport 1) noch aufgearbeitet werden. „Man sollte da vielleicht schon noch über das ein oder andere sprechen“, forderte Kapitän Michael Wolf am Montagmorgen nach dem 0:10 gegen die NHL-Stars - der höchsten WM-Pleite gegen Kanada seit 48 Jahren.

Es folgten Videoanalyse und Einzelgespräche, ehe Bundestrainer Pat Cortina sein Team am Nachmittag beim Training nur noch auf das Schweiz-Spiel einschwor. „Alles, worauf wir uns jetzt konzentrieren müssen, ist das nächste Spiel. Gestern ist vergessen“, brüllte Cortina zu Beginn des Trainings, in dem es intensiv zur Sache ging.

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Zuvor hatte das Trainerteam jede Menge Arbeit zu verrichten. Noch am Sonntagabend schnitten die Coaches bis in die Nacht die vielen Fehler aus dem Kanada-Spiel auf Video zusammen. „Es haben nicht viele von uns geschlafen“, gestand Cortina. „Beim Abendessen war es natürlich sehr ruhig. Der ein oder andere ist dann noch sitzen geblieben und hat das ein oder andere Getränk genommen“, meinte auch Wolf.

„Wir müssen Reaktion zeigen“

In nur 60 Minuten setzte sich das deutschen Team vor dem Spiel gegen den Erzrivalen Schweiz durch die indiskutable Leistung gegen Kanada wieder unnötig unter Druck. „Wir müssen als Mannschaft da jetzt eine Reaktion zeigen“, sagte Wolf. Das Selbstvertrauen ist allerdings erst einmal weg: „Ich glaube schon, dass die Schweiz da Favorit ist.“

Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) versuchte prompt, die Stimmung zu retten. „Wir haben drei Punkte, wir sind im Plan“, sagte Franz Reindl der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Auch Reindl weiß schließlich, dass allzu negative Gefühle nun Gift sind. Gegen den Vize-Weltmeister von 2013 am Dienstag dürfte sich der weitere WM-Verlauf entscheiden. Kommt die erhoffte Reaktion und punktet Deutschland, bestünde sogar die Chance auf die erste Viertelfinal-Teilnahme seit 2011. Setzt es dagegen die nächste Klatsche, beginnt wieder das große Zittern um den Klassenverbleib.

Kein Anführer zu sein

Cortina hatte schon vor der WM arge Bedenken ob der Leistungsstärke der Abwehr angesichts von 22 Absagen. Auch die NHL-Stars Dennis Seidenberg und Marcel Goc winkten kurz vor dem Turnierbeginn noch ab. Wolf kritisierte nun einige Spieler, die nicht gekommen waren. Nicht alle von ihnen sind verletzt. „Es gab schon viele Absagen, das hilft sicher nicht weiter“, meinte der Kapitän. „Sehr schwer fällt das“, meinte auch der für die Kadernominierung mitverantwortliche Generalmanager Charly Fliegauf: „Das ist nicht unsere bestmögliche Mannschaft, die wir hier haben.“

Die Spieler, die nun dabei sind, müssen sich auch noch in den Spielen gegen Schweden und Tschechien den Top-Stars stellen. Vor allem die Abwehr agierte am Sonntag unter WM-Niveau. Deutliche Worte fand Cortina aber nicht. „Ich glaube nicht, dass Spieler in solchen Situationen laute Wörter brauchen. Sie wissen selbst auch, was jetzt wichtig ist“, meinte Cortina und verwies auf die Rolle der Führungsspieler: „Die wissen selbst, worauf es jetzt ankommt.“

Gegen Kanada waren allerdings keine Anführer zu sehen. „Hager, Kink, Wolf, Hospelt - das sind die Jungs, die jetzt vorweg marschieren müssen“, forderte Fliegauf. „Ich werde jetzt sicher keine Einzelgespräche führen“, sagte Wolf indes.

Nach nur zwei WM-Spielen stellt sich auch die Frage, ob es glücklich war, mit einem geschwächten Trainer anzureisen. Der Vertrag Cortinas läuft nach der WM aus. Eine Verlängerung ist nicht wahrscheinlich. Insgeheim werden Cortina - ob zurecht oder nicht - auch die Absagen angelastet. Anfang April hatte er verkündet, dass die Nordamerika-Profis nach ihrem Saisonende alle zur Verfügung stünden. In Prag ist aber nur Tobias Rieder (Arizona) dabei. „Wir sollten aber nicht anfangen, auf den Knien zu rutschen und zu betteln, dass jemand für die Nationalmannschaft spielt“, meinte Fliegauf.

dpa

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