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Sportbuzzer Eltern sollten mit Kindern offen über Freitod ihres Idols reden
Sportbuzzer Eltern sollten mit Kindern offen über Freitod ihres Idols reden
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09:05 12.11.2009
Von Björn Franz
Abklatschen mit dem Idol: Für viele kleine Kicker, wie hier vor dem Testspiel des HSC Hannover gegen 96, war Robert Enke der Lieblingsspieler. Quelle: zur Nieden
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Die schwerste Aufgabe wartete auf viele Eltern am frühen Mittwochmorgen. Am Frühstückstisch. Oder im Kinderzimmer. Denn als die Nachricht vom Tod Robert Enkes am Dienstagabend bekannt wurde, lagen die meisten kleinen, großen Fans des Torhüters von Hannover 96 bereits im Bett. Und wohl die wenigsten Väter und Mütter wollten, dass ihr Kind in der Schule oder im Kindergarten mit der erschütternden Tatsache konfrontiert wird, dass ihr Lieblingsspieler nie wieder in der AWD-Arena auflaufen wird.

Aber wie sagt man so etwas seinem Kind? Und wie viel Wahrheit verträgt ein sechs-, sieben- oder achtjähriges Kind, in dessen Schrank das Trikot von Robert Enke einen Sonderplatz einnimmt? Eine richtige Antwort auf diese Frage ist schwer zu finden. Vielleicht gibt es sie auch gar nicht. Und doch werden neben den Eltern in den kommenden Tagen auch viele Jugendtrainer in der Situation sein, mit ihren Spielern über den Tod Robert Enkes sprechen zu müssen. Denn den Stellenwert, den der sympathische Schlussmann der „Roten“ gerade bei den jüngsten Kickern hat, ist auf den Sportanlagen in Barsinghausen, Godshorn, Berenbostel oder Kleefeld bei jeder Trainingseinheit zu beobachten, bei der neben kleinen Cristiano Ronaldos, Lionel Messis und Michael Ballacks eben auch zahllose Robert Enkes dem Ball nachjagten.

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„Man sollte es den Kindern so erklären, wie es ist, und offen damit umgehen, dass der Tod zum Leben gehört“, sagt Marcus Olm, der in der Region Hannover für die Ausbildung von Kinder- und Jugendtrainern verantwortlich ist. „Ich halte es auch für richtig, den Selbstmord offen zu thematisieren, weil es die Kinder ja doch irgendwann aus ihrem Umfeld mitbekommen.“

Für schwieriger hält es der langjährige Jugendleiter von Hannover 96, den Kindern zu erklären, warum jemand, der wie Enke als Fußballprofi, Millionär und Familienvater ein anscheinend besseres Leben als viele andere Menschen führte, sich das Leben nimmt. „Wenn so etwas schon für uns Erwachsene kaum greifbar ist, wie kann man es Kindern dann klar machen?“, meint Olm.

Diese Erfahrung musste auch Bastian Hellberg machen. Der Direktor des Niedersächsischen Fußballverbands (NFV) erfuhr am Dienstagabend kurz nach dem Training eines seiner beiden Söhne bei den 2. B-Junioren der „Roten“ telefonisch von Enkes Tod. „Ich konnte meinen Sohn nur in die Arme nehmen“, sagte der ehemalige 96-Profi. „Am Abend haben sich die Kinder in ihre Zimmer zurückgezogen, und es herrschte lange Schweigen.“ Und als seine 15 und 19 Jahre alten Söhne nach dem Warum fragten, musste Hellberg die Antwort schuldig bleiben: „Ich konnte es meinen Kindern nicht erklären – ich bin wie in Trance.“

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