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Sportbuzzer Erfinderisch
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19:11 21.01.2009
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Das weiß jeder, der schon einmal einem Hufträger auf der Weide nachgejagt ist, der sich nicht einfangen lassen will. Weil er die Tube mit der hellgelben Paste erkennt, die Wurmkur heißt und alle drei Monate ins Pferd soll, damit die Würmer draußen bleiben. Das Zeug schmeckt leider eklig, und das Pferd weiß es. Denn es hat einen sehr großen Kopf und ein sehr gutes Gedächtnis. Deshalb kräuselt es auch die Oberlippe und lässt das jakobsche Riechorgan raushängen, bildlich gesehen. Wir sehen nur die angewidert gelüpfte Lippe, jede Menge große Schneidezähne und dann – das Pferd von hinten.

Das Pferd sieht uns also mit der Tube, harmlos pfeifend und mit Leckerlis lockend, und erinnert sich an jede eklig schmeckende, hellgelbe Paste seines Lebens. Und es erinnert sich, dass es sehr schnell rennen kann, wenn es hellgelbe Paste sieht. Das erfreut auch Landwirte, die gerade auf Nachbarweiden düngen, schleppen oder andere faule Ausreden dafür haben, wenn sie Tubenträger dabei beobachten, ihren Pferden hinterherzurennen und so hilf- wie atemlos zum derbsten aller Schimpfworte für ein Pferd greifen: „Du … du … Pony!“ Dabei plumpsen sie vor Lachen fast vom Trecker.

Hippologisch ist noch nicht erforscht, warum das Pferd ausgerechnet in diesem Moment stehen bleibt und die Wurmkur nimmt. Ich habe allerdings eine Theorie: Das höchste Glück der Pferde ist der Landwirt auf der Erde. Denn der fährt gern große, stinkende, schnelle Mähdrescher. Und diese Geräte finden Pferde noch viel furchtbarer als hellgelbe Paste. Denn Pferde sind schreckhaft, sie können es nicht leiden, überholt zu werden. Und sie sind schlau oder besser: erfinderisch – aber das erwähnte ich bereits.