Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportbuzzer Erste Gespräche zwischen DEB und DEL
Sportbuzzer Erste Gespräche zwischen DEB und DEL
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:10 18.11.2010
Von Björn Franz
Erich Kühnhackl weiß aus eigener Erfahrung, dass es im Eishockey vor allem auf das Zusammenspiel ankommt.zur Nieden Quelle: Ulrich zur Nieden
Anzeige

Es war nur ein unscheinbarer Zettel, der im Keller der Münchener Olympiahalle auf das Treffen hindeutete. Und irgendwie passt es zur Situation, wenn man die Nummer des Tagungsraums, in dem sich die Spitze des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) am Rande des Deutschland-Cups mit den Verantwortlichen der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) traf, als Uhrzeit liest: 11.43 – kurz vor 12 Uhr. Denn viel Zeit, das deutsche Eishockey wieder auf den richtigen Kurs zu bringen, bleibt den Funktionären nicht.

Im kommenden Sommer läuft der Kooperationsvertrag aus, der die Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit zwischen dem Verband, der DEL und der Eishockey-Spielbetriebsgesellschaft (ESBG) regelt, in der die Klubs der 2. Liga sowie der süddeutschen Oberliga vereint sind. Der Vertrag legt fest, wer in welcher Liga spielen darf, wie Vereine Nachwuchsarbeit betreiben müssen, wer Schiedsrichter ausbildet und welche Rolle die Auswahlteams spielen. Und angesichts der Tatsache, dass im deutschen Eishockey trotz der tollen Heim-WM mit dem Halbfinaleinzug der Nationalmannschaft in der Sommerpause wieder einmal das Chaos tobte, erhoffen sich nicht wenige Beobachter nun endlich eine große Reform, die aus den drei oftmals zerstrittenen Verbänden einen einzigen macht oder zumindest die Zusammenarbeit verbessert.

Anzeige

„Die Zeit drängt – darüber sind sich alle Beteiligten im Klaren“, sagte DEB-Präsident Uwe Harnos nach dem Treffen mit der DEL-Delegation, dem er am Tag darauf eine Zusammenkunft mit der ESBG folgen ließ. Konkrete Beschlüsse oder wenigstens Ziele wurden allerdings nicht vereinbart. „Das waren reine Informationsveranstaltungen“, erklärte Harnos. Und Gernot Tripcke ergänzte: „Man hat sich beschnuppert.“ Der DEL-Geschäftsführer rechnet Mitte Dezember mit dem nächsten Treffen, bei dem es „tiefere Verhandlungen“ geben soll.

Allerdings gilt Tripcke nicht unbedingt als Verfechter einer engeren Zusammenarbeit oder gar Verschmelzung mit dem DEB, durch die seine eigene Position deutlich geschwächt würde. Und auch die jüngsten Signale deuten nicht darauf hin, dass es eine schnelle Einigung geben wird: Am Fernsehvertrag, den der DEB jüngst mit Sport1 abschloss, beteiligte sich die DEL überraschend nicht. Und der bisherige DEL-Verhandlungsführer Wilfried Fabel trat im Oktober aus dem Aufsichtsrat zurück, weil er nicht die Mehrheit der Klubeigner hinter sich wähnte.

Björn Franz/dpa

EB-Vizepräsident Erich Kühnhackl im Interview: "Wie in einer intakten Mannschaft"

Herr Kühnhackl, am Rande des Deutschland-Cups gab es Gespräche über Reformen im deutschen Eishockey. Ärgert es Sie, dass dieses Thema und das gesamte Turnier durch den bevorstehenden Abschied von Bundestrainer Uwe Krupp ein wenig in den Hintergrund gedrängt wurden?

Mich ärgert im deutschen Eishockey gar nichts mehr. Ich finde mich damit ab und versuche, es so gut wie möglich für mich zu verarbeiten. Aber ärgern tut mich nichts mehr. Ich fokussiere mich darauf, wie ich die Problematik lösen oder zumindest etwas dazu beitragen kann.

Und das wäre?

Ich versuche, mich so weit einzubringen, dass unsere schöne Sportart künftig vielleicht ein besseres Standing hat und dass all die, die ums deutsche Eishockey herum sind, irgendwann den Weg zueinander finden. Ich weiß, dass das der richtige Weg ist. Nicht: hier der DEB, da die DEL, dort die ESBG und die Landesverbände. Es darf nur eines geben. Warum ist denn der Deutsche Fußball-Bund so stark? Weil es nur einen gibt, der sagt, was Sache ist. Da werden auch einmal Fehler gemacht. Aber nicht so viele Fehler, wie man macht, wenn man vier verschiedene Parteien hat.

Sie waren bei den Gesprächen zwischen DEB und DEL dabei. Gab es eine Annährung?

Ich habe das Gespräch als wohltuend empfunden. Man hat offen miteinander gesprochen, und ich glaube, dass es ein guter Schritt war. Jetzt müssen wir schauen, wie wir das weiter forcieren können, damit in der Konsequenz der Eishockeysport besser dasteht. Die Nationalspieler sind ja im Endeffekt nur so gut, wie die DEL es ist. Und die Nachwuchsspieler sind nur so gut, wie sie von den Vereinen ausgebildet werden. Wir sitzen also nicht nur an einem Tisch, wir sitzen dort auch sehr eng zusammen – oder sollten es zumindest.

Was sind denn Ihre Wünsche an die Verhandlungsseiten?

Meine? Ich habe eigentlich nur einen: dass sich alle zum Wohle des Eishockeys unterordnen. Was habe ich denn als Mitglied des DEB-Präsidiums davon, wenn es in der DEL Pleiten gibt, Spieler kein Geld bekommen, die Stadien nicht ausverkauft sind und es schlechte Publicity gibt? Nichts. Also tue ich doch alles, damit die DEL funktioniert. Aber ich erwarte das auch von der anderen Seite. Es ist legitim, wenn ein Klubeigner für seinen Klub da ist. Aber ich erwarte auch, dass er für das Ganze da ist. Weil ohne das Ganze kann auch der Klub alleine nicht existieren, nicht arbeiten oder zumindest keinen Erfolg haben.

Umso bitterer ist es, dass nach der erfolgreichen Heim-WM genau das passiert ist, was Sie eben beschrieben haben. Hatte da wieder einmal der Egoismus Vorrang?

So etwas wie Egoismus darf es nicht geben – egal, ob es die Oberliga ist, die 2. Liga oder die DEL. Es ist wie in einer intakten Mannschaft: Da sind manchmal die verschiedensten Spielertypen, unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Leistungsstärken. Aber wenn ein Rädchen ins andere greift, dann spielt eine Mannschaft erfolgreich.

Haben Sie denn das Gefühl gehabt, dass diese Einsicht überall herrscht?

Ich habe das Gespräch mit einem sehr guten Gefühl verlassen.

Das Zeitfenster ist aber nicht allzu groß. Der Kooperationsvertrag läuft im kommenden Sommer aus. Denken Sie, dass schon zur neuen Saison der große Wurf gelingt und man DEB, DEL und ESBG zu einer Gesellschaft zusammenführt? Oder wird es eine Zwischenlösung geben?

Ich würde mir natürlich den großen Wurf wünschen. Aber ob das so schnell geht, weiß ich nicht. Vielleicht klappt es auch erst in zwei Jahren. Oder es gibt es eine ganz andere Lösung. Ich glaube zumindest, dass alle begriffen haben, dass es so, wie es jetzt läuft, nicht weitergeht – und dass es nur gemeinsam geht.