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Sportbuzzer Europameistertitel für Deppe und Schuh
Sportbuzzer Europameistertitel für Deppe und Schuh
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18:10 07.08.2017
Meinert Möller, Carsten Schuh, Gert Deppe und Roland Gröger (von links) holen Gold für Deutschland. Quelle: Privat
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Steinkrug

Der Deister ist etwas niedriger als gewohnt gewesen, als Gert Deppe nach der Rückfahrt aus dem dänischen Aarhus nachts zu Hause in Steinkrug ankam. Doch das lag nicht an irgendwelchen Erdverschiebungen, sondern daran, dass Deppe schwebte – auf Wolke sieben. In Dänemark hatten er und auch der Gehrdener Carsten Schuh am Schlusstag der Senioren-Europameisterschaft den Grund für diese Euphorie geliefert: Mit dem deutschen 4x400-Meter-Quartett wurden sie Europameister bei den ­M-50-Senioren. In 3:39,21 Minuten holte das Team Staffel-Gold vor Frankreich (3:42,63).

Spanien und besonders Frankreich hatten die beiden aus dem Calenberger Land als ihre Hauptkonkurrenten ausgemacht. Als Schuh das Staffelholz von dem Kieler Startläufer Meinert Möller übernommen hatte, lag nur der französische Laufer vor ihm. Schuh übergab mit rund fünf Metern Rückstand auf Deppe. Der kam bis auf zwei Meter an seinen Rivalen heran, doch hatte das deutsche Quartett mit dem Berliner Roland Gröger noch seinen großen Trumpf in der Hinterhand. Der Mann ist Weltrekordler auf dieser Strecke, in Aarhus holte er vier Titel über 200 und 400 Meter sowie in den beiden Staffeln (4x100m, 4x400m).

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Schon als Gröger noch seine Runde lief und den französischen Schlussläufer überholte, stieg die Euphorie. „Du, Gert, ich glaube, wir werden gerade Europameister“, raunte Schuh seinem Kollegen noch etwas ungläubig zu. Das Bangen, dass eine Zerrung oder ein Krampf ihren Kollegen noch aufhalten könnte, wich schnell. Der Jubel über das EM-Gold übermannte die Calenberger. „Das war schon ein grandioses Gefühl. Staffel-Medaillen habe ich schon, aber noch nie war es eine goldene“, betonte Deppe.

Nur leider musste die große Feier ausbleiben. „Dabei hätte das gut gepasst. Unser Schlussläufer hatte am folgenden Tag Geburtstag, und wir hätten gut reinfeiern können. Doch hat uns die Realität wieder eingeholt – immerhin sind wir alle noch berufstätig und mussten ja wieder nach Hause“, sagte Deppe. Nach fünf Stunden auf der Autobahn war der am Deister eingeschwebt, und selbst einen Tag später fühlte er sich noch immer wie auf Wolken.

Ein taktisches Bummelrennen

Sein Ziel hat Maximilian Pingpank erreicht. Finale und dann unter die besten sechs lautete der Wunsch für die deutsche Jugend-Meisterschaft in Ulm. Im Donau-Stadion war der ­U-20-Athlet aus Barsinghausen sogar noch etwas besser: Im 1500-Meter-Finale kam er nach 4:08,63 Minuten als Fünfter ins Ziel.

Das Finale wurde zu einem taktischen Bummelrennen. Auf den ersten 700 Metern verschleppten alle Athleten das Tempo, auch die folgende Runde war mit 65 Sekunden kaum schneller. Erst in der letzten Runde ging die Post ab. Diesen Rennverlauf hatte sich Pingpank gewünscht, denn er kann in der letzten Runde mit seinem langen Spurt glänzen. In Ulm klappte das: 56 Sekunden brauchte Pingpank für die letzten 400 Meter – nur dass auf nationaler Ebene auch andere extrem gut spurten können. Drei Rivalen hatten sich etwas abgesetzt, dahinter entschieden 85 Hundertstelsekunden zwischen den Plätzen drei bis neun.

In seinem Vorlauf hatte Pingpank zuvor locker das Finale erreicht. Rang drei im ersten der beiden Vorläufe in 4:03,35 Minuten hatte ihm die direkte Qualifikation für das Finale gebracht. Auf ein Weiterkommen als einer der sechs weiteren Zeitschnellsten musste er nicht hoffen.

Ebenfalls auf Rang fünf lief Antonia Schiel (TSV Wennigsen) über 3000 Meter der U-20-Jugend. Eine übermächtige Dreiergruppe mit Lisa Oed (SCC Hanau-Rodenbach) und Lisa Vogelgesang (Eintracht Hildesheim), die sich am Tag zuvor schon Gold und Silber auf der 2000-Meter-Hindernis-Strecke geholt hatten, sowie Miriam Dattke (LG Regensburg) hatte sich abgesetzt. Im Kampf um die weiteren Plätze musste Schiel nach 10:11,22 Minuten nur noch der Wiesbadenerin Franziska Althaus (10:05,97) den Vortritt lassen.

Auch ihre Wennigser Vereinskollegin Johanna Wistokat verkaufte sich bei ihrer DM-Premiere gut. Doch im U-18-Vorlauf über 1500 Meter schied sie in 4:55,24 Minuten aus. Drei Sekunden schneller und damit etwas unter ihrer persönlichen Bestzeit hätte Wistokat für den Finaleinzug laufen müssen. „Mit etwas mehr Mut wäre vielleicht das Finale möglich gewesen. Doch für Johanna war schon die DM-Teilnahme das große Saisonziel“, sagte Landestrainer Tim Jurich.

Bitter begann dagegen die Meisterschaft für U-18-Sprinterin Lilli Böder aus Barsinghausen. Im Team des VfL Eintracht Hannover hatte sie in der neuntschnellsten Zeit aller Teams (48,61) das B-Finale der 4x100-Meter-Staffel erreicht. Doch dort kam die Schlussläuferin nicht mehr zum Einsatz – ihre Kolleginnen vermasselten den zweiten Wechsel. Statt des möglichen Sieges im B-Finale gab es das Aus.

Daher war Böder noch etwas frischer für ihre Einzelstarts. In 12,74 Sekunden über 100 Meter sowie 26,36 Sekunden über 200 Meter kam die Deis­terstädterin aber zweimal nicht an ihre Saisonbestmarken heran und schied in den Vorläufen aus. „Das war ihre erste deutsche Meisterschaft. Da muss man sich erst dran gewöhnen“, meinte Landestrainer Björn Sterzel.

Von Matthias Abromeit