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Sportbuzzer „Feuerwerk der Turnkunst" gastiert in Hannover
Sportbuzzer „Feuerwerk der Turnkunst" gastiert in Hannover
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00:15 04.01.2013
Von Carsten Schmidt
Mit Schwung ins neue Jahr: Sängerin Olivia und das „Turnkunst-Showteam“ schaffen die perfekten Verbindungen zwischen den Darbietungen beim 26. „TUI Feuerwerk der Turnkunst“. Quelle: Ulrich zur Nieden
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Hannover

Das fängt ja gut an. Ein als Zombie kostümierter Jugendlicher stürmt in die Mitte der TUI Arena, verfolgt von anderen zerlumpten Gestalten, und eröffnet das 26. „TUI Feuerwerk der Turnkunst“ am Silvesterabend mit einem lauten Röhrer. Das Publikum in der Halle auf dem früheren Expo-Gelände in Hannover, die mit 9500 Besuchern ausverkauft ist,wirkt irritiert. Und mancher grummelt sogar in seine Strickweste: „Das also ist die nächste Generation …!“

Der Spagat zwischen Turnertradition und moderner Sportschau öffnet sich weiter mit dem Programm „The next Generation“. Und der Niedersächsische Turnerbund als Ausrichter geht dieses Wagnis bewusst ein. „Wir wollen zeigen, dass Turnen viel mehr ist als Geräte und Gymnastik“, sagt Produktionsleiter Wolfram Wehr-Reinhold. „Es gibt so viele neue und frische Sportarten,die wir einfach mal präsentieren wollen.“

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Frischer Wind unter den Nachfolgern der Turnväter Jahn und Friesen wird mittlerweile auch in kleinen niedersächsischen Dörfern wie Etelsen bei Verden entfacht. Die Jugendlichen des Turn- und Sportvereins bringen als lokale Vorgruppe eine verwegene Spukschau mit allerlei Gestalten der Finsternis auf die Bühne. Sie sind der beste Beleg für die Kreativität in den kleinsten Klubs. Mit Jazzdance in bunten Stulpen und gemusterten Leggings allein kann kein Jugendlicher mehr hinter seinem Computer hervorgelockt werden.
Die Gruselschau zu Beginn bietet allerdings kein Leitmotiv für die neue Generation, sie setzt eher einen Kontrapunkt in einem ruhigen, fast poetischen Programm. Insbesondere die Heloise & William, Chily & Fly, das Duo Viro und das Duo Paradise betten ihre atemberaubende Akrobatik in leise Geschichten ein. Alexandre Lane gelingen mit dem Cyr-Ring fließende Bewegungen und Übungen ohne jede Hektik. Und dass die Kraft in der Ruhe liegt und auch noch Anmut versprüht, zeigt die chinesische Gruppe Troupe Xinjiang. Die zehn Frauen mit dem gleichen blonden Bubikopf formen menschliche Pyramiden ohne respektheischende Kraftmeierei, sondern mit erstaunlicher Leichtigkeit.

Die Poesie der jungen Sportler drücken auch Sängerin Olivia und Rapper Lay Low mit seinen Versen über die Träume und Hoffnungen der „next Generation“ aus. Wortakrobat Sascha Korf, der Moderator des Programms, verkneift sich allzu laute Lästereien und rührt stattdessen das Publikum mit seiner gereimten Liebeserklärung an Hannover. Leises Staunen hervor rufen auch Inlineskaterin Katya Nikiferova mit ihrem Slalom zwischen Bällen im Kreis, das Reckturner-Quartett Artem, Thomas & Show-Team, Slackliner Immanuel Bump mit seiner Seilakrobatik und Andreas Wessels mit einer Leuchtstäbe-Jonglage. Wessels kann es aber auch kräftig rauchen lassen, das zeigt er mit seiner Fässer-Nummer.

Die „Feuerwerks-Tournee“ 2012/2013  schafft mit ihrem besinnlichen Charakter die klare Abgrenzung zum Jubiläumsprogramm der Vorsaison, das Knalleffekt an Knalleffekt reihte. Die Kracher der nächsten Generation sind gezielt platziert im Programm der vielen Wunderkerzen. Die quirlige Tatjana Konobas macht mit kindlicher Entdeckungsfreude Purzelbäume und Brücken auf Pezzi-Bällen, die bisher als Sportgerät „60 plus“ galten. Vier Jungs aus Hannover, die sich Monkey Business nennen, toben sich als Parkourer auf einer Hindernisbahn aus. Die Japaner von Capliore lassen Springen zwischen zwei Seilen als Kinderspiel erscheinen. Das „Feuerwerk“-Showteam hält mit seinen Tanzeinlagen nicht nur die Spannung auf die nächsten Künstler hoch, sondern entwickelt sich mit seiner Vielseitigkeit selbst zu einem kleinen Tourneestar.

Die nächste Generation ist frisch, frei, fröhlich, wie es schon in Turnvater Jahns Wahlspruch hieß. Und trotz Zombieschau auch fromm. Dieses Adjektiv steht im Turnerwahlspruch nicht für gottesfürchtig, sondern tüchtig.

Gastspiel am Sonnabend: Wer die Turnschau am Silvesterabend verpasst hat, erhält noch eine zweite Chance. Für die Abendvorstellung am Sonnabend, 5. Januar (Beginn um 19 Uhr), gibt es noch Karten, die ausschließlich an den Ticketschaltern der TUI Arena zu erwerben sind. Der Verkauf beginnt am Veranstaltungstag um 17 Uhr. Bereits ausverkauft ist die Vorstellung am Sonnabendnachmittag (14 Uhr).

Tournee 2014: Das nächste Programm des „Feuerwerks der Turnkunst“ heißt Esperanto – die Welt spricht eine (Körper-)sprache. Es beginnt am 28. Dezember in Oldenburg die Gastspiele in Hannover finden an Silvester 2013 (17 Uhr) sowie am Sonntag, 5. Januar 2014 (14 und 19 Uhr) statt. Am Montag, 28. Januar, beginnt der Vorverkauf im Internet unter www.tuifeuerwerkderturnkunst.de