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Sportbuzzer „Esperanto“ spricht für sich
Sportbuzzer „Esperanto“ spricht für sich
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21:19 01.01.2014
Von Carsten Schmidt
Ästhetik und Körperbeherrschung beim Feuerwerk der Turnkunst. Quelle: Zur Nieden
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Hannover

 Hannover. Esperanto klingt heute exotisch. Dabei steht hinter diesem Begriff für eine Kunstsprache, die einmal die ganze Welt verwenden sollte, eine famose Idee: Die Leute sollten sich verstehen und nicht mehr aneinander vorbeireden.
Esperanto“ heißt auch die mittlerweile 27. Tournee des „TUI Feuerwerks der Turnkunst“. Und dort klappt es mit der Verständigung. Die Artisten beherrschen ihr Fach, sie kooperieren perfekt, und das Publikum begreift ihr Programm und dankt mit lang anhaltendem Beifall. In der TUI-Arena gebrauchen und verstehen – zumindest am Silvesterabend – tatsächlich alle eine und dieselbe Sprache.

Und das heißt: Dieses Mal gibt es ein gleichberechtigtes „Feuerwerk der Turnkunst“ nach manchen Vorjahresprogrammen, die mal mehr die Knalleffekte und dann wieder die Poesie in den Vordergrund gestellt hatten. „Esperanto“ besticht durch Tempowechsel wie in einem Choreografie-Lehrbuch: Schnellen und rasanten Auftritten folgen ruhige Kraftakte. Und ohne jede Spur von Hektik moderiert Moderator Claude Cribez. Er gönnt den 8500 Zuschauern mit seinen putzigen Gasballonen in Fisch- oder Katzenform Entspannung und ein Lächeln.

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Knapp 9000 Zuschauer verfolgten am Silvesterabend das „Feuerwerk der Turnkunst“ in der TUI-Arena – und belohnten das „Esperanto“-Programm mit lang anhaltendem Beifall.

Der Rest ist Staunen. Und in diesem Jahr sind es noch nicht einmal wie 2012/2013 die neuen Trendsportarten à la Parcours oder Slackline, sondern eher die Programme an vertrauten Turngeräten wie dem Barren, Reck, Trampolin oder Schwebebalken. Aber es ist den „Feuerwerks“-Machern um Produktionsleiter Wolfram Wehr-Reinhold und Choreografin Heidi Aguilar gelungen, dieses Mal wahre Meister ihres Fachs zu verpflichten. Die Übungen sitzen, die musikalische Begleitung mit vielen Elementen aus der Weltmusik passt. Keiner kommt aus dem Takt oder ins Wackeln, da sind die Zuschauer regelrecht erleichtert, als einmal die Beleuchter das Licht in der Halle an einer nicht vorgesehenen Programmstelle voll aufdrehen.

Doch auch die „Tournee-Mitarbeiter“ für die Beleuchtung schwächeln nur in diesem einen Moment. Sie schaffen strahlende Symmetrien in der Arena, und ohne ihre Arbeit hätten die kanadischen Rhönradturner von ReCircle Collective kein derart farbiges Programm geboten.

In die klassische Ästhetik von „Esperanto“ fügen sich die diesjährigen Premieren perfekt ein. Michelle Dziony und Christian Groth gelingt es in ihrer Heimatstadt, das Wort Inklusion mit ihrer Tanz- und Akrobatikvorführung besser verständlich zu machen als jeder Spracherklärer. Der Circolombia, ein Artistenprojekt für Kinder und Jugendliche aus den Slums der kolumbianischen Stadt Cali, bietet zu etwas raueren Breakdanceklängen Überschläge und Salti, wie sie Profiartisten nicht spektakulärer zeigen. Und die Schaugruppe „The New Power Generation“ aus Oldenburg schafft zunächst die Illusion einer wilden Zebraherde auf der Bühne. Aber aus der Urwüchsigkeit entstehen geordnete Formationen, die beeindruckende Flugfiguren zeigen. So gelingt mit „Esperanto“ sogar die Vereinigung der „Turnwelt“. 

Es gibt noch Restkarten für die Vorstellungen von „Esperanto“ am Sonntag
(14 und 19 Uhr). Sie können noch direkt an den Vorverkaufsstellen sowie an den Tageskassen der TUI-Arena erworben werden. Diese öffnen zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung.

Wer längerfristig plant: Das „Feuerwerk der Turnkunst“ 2014/2015 unter dem Titel „Vertigo“ gastiert in der TUI-Arena am Silvesterabend (17  Uhr) sowie am Sonnabend, 3. Januar 2015 (14 und 19 Uhr). Karten gibt es schon jetzt im Internet unter www.feuerwerkderturnkunst.de.

Manuel Becker 03.01.2014
30.12.2013