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Sportbuzzer „Ein absolutes Wahnsinnsereignis“
Sportbuzzer „Ein absolutes Wahnsinnsereignis“
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00:15 03.11.2015
Hart, aber fair: Neuseeland und Australien kämpfen um die Rugby-Krone, der Sieger ist alleiniger Rekordweltmeister: Quelle: dpa
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Herr Schippe, Herr Himmer, was machen Sie am Sonnabendnachmittag um 17 Uhr?

Torsten Schippe: Natürlich bin ich da in der Nordkurve und werde mit vielen Rugby-Verrückten das Endspiel gucken.

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Frank Himmer: Meine Tochter Kristin kommt extra aus Stuttgart, damit wir in der Nordkurve zusammen dieses alle vier Jahre wiederkehrende absolute Wahnsinnsereignis erleben können.

Und wer gewinnt?

Schippe: Ganz klar die All Blacks (Neuseeland, d. Red.) mit fünf bis sieben Punkten Vorsprung.

Himmer: Ich bin immer für die Außenseiter. Australien gewinnt mit vier Punkten.

Stehen denn die beiden besten Mannschaften im Finale?

Himmer: Schon. Aber Australien etwa ist mit Glück ins Finale gekommen. Aber auch das muss man sich verdienen.

Schippe: Stimmt. Was mich ein wenig ärgert, ist,dass die Südhemisphäre so überwiegt, dass keine Mannschaft aus dem Norden unter die letzten vier gekommen ist. Irland hatte ich da schon auf dem Plan.

Woran liegt die Dominanz - und dann noch bei einer WM in England?

Zur Person

Torsten Schippe hat in seinem Sport fast alle Positionen bekleidet und zahlreiche Erfolge errungen. Der 56-Jährige war deutscher Meister als Spieler (1990 und 1991 mit 78) und als Trainer (fünf Titel von 1993 bis 2003 mit dem DRC). Zudem bestritt er 30 Länderspiele als Aktiver und war zweimal Bundestrainer (2000 und 2010). Aktuell trainiert Schippe, von Beruf Elektroingenieur, das Bundesliga-Team von 78. Er ist verheiratet und hat einen 20-jährigen Sohn.

Frank Himmer stammt aus einer Rugby-Dynastie. Er kam zu dem Sport durch seine Brüder, und auch sein Sohn Bastian jagt dem ovalen Spielgerät nach. Himmer bestritt 18 Länderspiele und war deutscher Meister mit 78, Victoria Linden und dem DRC. Heute ist der 46-Jährige als Schiedsrichter auch auf internationaler Ebene aktiv. Außer Bastian hat Himmer eine Tochter, beruflich leitet er das Schullandheim Riepenburg in Hameln.     

Himmer: Die Trainer in Neuseeland zum Beispiel erlauben nicht, dass die Spieler im Ausland aktiv sind. Sie haben ihre Spieler immer zusammen. Dagegen hat etwa Frankreich in seiner Liga zwar die am besten bezahlten Profis. Aber der Ausländeranteil auf den Schlüsselpositionen ist sehr hoch, und so bleibt die Entwicklung der eigenen Spieler zurück.

Schippe: Die Franzosen steuern jetzt dagegen und haben Akademien installiert. Aber bis das Früchte trägt, das dauert.

Bleibt die WM das Nonplusultra, oder gewinnt das Siebener-Rugby durch die Aufnahme ins olympische Programm an Popularität.

Schippe: Mit dem Siebener-Rugby haben wir die Chance, dass die Sportart Rugby mehr in die Breite geht, da auch kleinere Länder sich damit beschäftigen können. Aber es wird nie größer oder mehr Zuschauer anlocken als eine Rugby-15er-WM. Trotzdem ist es für unsere Sportart enorm wichtig, dass wir bei Olympischen Spielen wieder dabei sind.

Sogar Deutschland scheint ja eine Chance zu haben, sich für Olympia zu qualifizieren.

Himmer: Das ist ein wahnsinniger Erfolg, an den hätte nie jemand gedacht.

Schippe: Auch das Ausland sieht jetzt, dass wir in Deutschland Rugby-Spieler haben, die auf hohem Niveau spielen. Für das Image des Rugbys wäre eine Olympia-Teilnahme extrem wichtig.

Wo würden Sie denn derzeit das Niveau des deutschen Rugbys ansiedeln?

Himmer: Im 15er-Rugby sind wir zweitklassig in Europa.

Schippe: Noch, aber es kann nach oben gehen. Himmer: Im Sieber-Rugby haben wir den Anschluss an die Weltelite fast geschafft. Es ist noch ein kleiner Schritt. Schippe: Ich glaube, dass es noch ein etwas weiterer Weg ist, weil die Erfahrungen, die wir jetzt gemacht haben, auch erst einmal kanalisiert und analysiert werden müssen. Da machen sie im deutschen Verband eine gute Arbeit.

Was muss denn getan werden, damit der Anschluss hergestellt wird?

Himmer: Disziplin und das Trainingsprogramm verbessern. Sich immer wieder mit den Besten messen, große Turniere spielen.

Schippe: Einen breiten Kader aufstellen, die Leistungsfähigkeiten der einzelnen Spieler verbessern. Es ist zweifellos eine Fleißaufgabe. Die Konzepte sind verteilt an allen Standorten.

Auch in Hannover?

Schippe: Die Rugby-Akademie ist in Heidelberg stationiert. Unterstützende Maßnahmen gibt es an allen Standorten, hier in Hannover bei Schwalbe Döhren.

Wie bekommt man denn Kinder oder Jugendliche überhaupt dazu, Rugby zu spielen?

Himmer: Über die Schulen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die Kinder nach einigen Einheiten infiziert sind. Die wollen Rugby spielen.

Kann man das an Mitgliederzahlen in den Vereinen ablesen?

Himmer: Es ist schwer messbar. Aber wir haben die Sportart an den Schulen populärer gemacht.

Interview: Jörg Grußendorf und Carsten Schmidt

Das Finale


Ein Riesenspektakel: Im Stadion in London-Twickenham sitzen beim WM-Endspiel am Sonnabend (17 Uhr) 82 000 Zuschauer. Insgesamt haben 2,2 Millionen Besucher die Spiele in England vor Ort gesehen, rund drei Milliarden Menschen weltweit verfolgten dieses Sport-
ereignis im Fernsehen. Es sind die Titelkämpfe im Rugby, die die Sportfans elektrisieren. Zumal ihnen zum Abschluss das Traumfinale serviert wird: Die „All Blacks“, die Schwarzhemden aus Neuseeland mit ihrem Haka-Tanz, treffen auf die „Wallabies“ (Kängurus) aus Australien. Das Duell der zweimaligen Weltmeister ist vergleichbar mit einem Fußballfinale Brasilien gegen Deutschland.
In Deutschland dagegen nehmen nur Kenner von diesem globalen Ereignis Notiz. Die Rugby-Fangemeinde freut sich, dass Eurosport schon in der Vorrunde live übertragen hat. Und der Spartensender war glücklich über sieben Millionen Zuschauer schon während der Vorrunde.
Hannover erlebt die größte WM-Party in Deutschland. In der Nordkurve gegenüber der HDI-Arena werden die 2x40 Minuten des Endspiels übertragen. Und es gibt ein buntes Programm mit Gesprächsrunden – natürlich übers Ovale. Einlass ist um 16 Uhr, der Eintritt ist frei.     

30.10.2015
28.10.2015
Carsten Schmidt 26.10.2015