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Sportbuzzer Sehnsucht nach Heidi
Sportbuzzer Sehnsucht nach Heidi
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08:31 14.03.2014
Von Carsten Schmidt
In Melbourne war am Donnerstag Fototermin. Das Lächeln fiel Weltmeister Sebastian Vettel schwerer als in den vergangenen Jahren vor dem Start einer neuen Saison. Quelle: dpa
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Melbourne

Sebastian Vettel pflegt eine Marotte. Der Formel-1-Weltmeister gibt seinem Arbeitsgerät Namen, meist etwas kämpferisch. Das Rennauto des Vorjahres hieß „Hungry Heidi“. Und mit Vettel im Cockpit war es schier unersättlich: Der Deutsche und sein österreichischer Red-Bull-Rennwagen fuhren in Rekordzeit zum vierten Weltmeistertitel und feierten auf dem Weg dorthin zuletzt neun Siege in Serie.

Das Fahrzeug namens „Heidi“ muss die neue Saison allerdings in der Garage bleiben. Es entspricht nach einer Regelrevolution, von der Motorsport-Experten reden, nicht mehr dem Reglement. Und Vettel ist mit der Nachfolgerin von „Hungry Heidi“ überhaupt nicht glücklich. Das zeigt sich schon daran, dass der Hesse lange brauchte, um den neuen Wagen zu taufen. „Suzie“ heißt der RB10 nun.

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Nach den Eindrücken der Testfahrten in Jerez de la Frontera und Bahrain, als das Fahrzeug mehr in der Box stand als auf der Strecke fuhr, drängte sich eher ein Name wie „Rumpel-Rita“ auf. Vor allem der Renault-Antrieb funktioniert nicht, wie er soll. „Es gibt keinen Grund, alles schwarz zu sehen“, sagte Vettel dennoch. „Ich bin kein Typ, der wegläuft, wenn es schwierig wird. Das ist im Privaten und im Beruflichen so.“ Dass Vettel gestern für das erste Saisonrennen in Melbourne am Sonntag (7 Uhr, live auf RTL) aber auf einen Sieg von Konkurrent Mercedes tippte, sagt viel aus über seine derzeitige Gemütslage.

Der 26-Jährige weiß, dass er seine bisherige makellose Karriere mit vier WM-Titeln im Wesentlichen Red Bull zu verdanken hat. „Natürlich gibt es immer die Gespenster, die dir sagen wollen, dass das Gras woanders grüner ist. Trotzdem sollten solche Werte wie Treue, Ehrlichkeit und Handschlag-Qualität nicht verloren gehen – vor allem in Zeiten, in denen es mal nicht so läuft“, betonte Vettel. Eine überstürzte Flucht zur Konkurrenz passt ohnehin nicht zu dem Deutschen, der sich gerade im vergangenen Jahr als „fleißiger Arbeiter der Formel 1“ positioniert hat.
Vettel, so scheint es, richtet sich auf ein Zwischenjahr ohne Titel ein. Eine solche Periode, die sogar fünf lange Jahre währte, erlebte auch sein großes Vorbild Michael Schumacher bei Ferrari. Dort ackerte er von 1996 bis 1999, ehe er von 2000 bis 2004 die Titelernte einfuhr. „Wir wissen nicht, wo wir mit dem Auto stehen“, gab Vettel vor dem Auftakt in Melbourne zu. Hinzu kommt, dass nun zwar der Zwist mit dem zweiten Red-Bull-Fahrer vorbei ist. Der Australier Mark Webber, selbst mit ausreichend Ehrgeiz ausgestattet und eher Kontrahent als Partner Vettels, hat das Cockpit für seinen pflegeleichteren Landsmann Daniel Ricciardo geräumt. Aber der Neue ist fahrerisch deutlich schwächer als Vettel und Webber und daher keine Hilfe bei der Fortentwicklung des Rennautos.

Die Konkurrenz will die Notlage von Red Bull, die sich nach den desaströsen Testfahrten anbahnt, indes nicht öffentlich auskosten. „Diese Truppe hat viermal die WM gewonnen und stellt einen der besten Fahrer im Feld. Ich zweifle keine Sekunde daran, dass Red Bull zurückkommen und in dieser Saison noch ein richtig starker Gegner wird“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Dabei gilt sein Team als das Maß der Dinge, als der Rennstall, der die neue Nummer 1 in der Motorsport-„Königsklasse“ werden könnte.

Doch selbst die „Silberpfeile“, die sich als Kilometerfresser in den Tests erwiesen, sind vor technischen Defekten nicht sicher. „Das war definitiv die größte Herausforderung in einem Winter, die ich bislang erlebt habe“, gestand der Brite Lewis Hamilton. Vettel übt sich unterdessen in Zweckoptimismus „Das erste Rennen steht doch erst vor der Tür. Den Kopf in den Sand zu stecken, macht da keinen Sinn“, sagte der Heppenheimer. Alle Teams hätten im Moment mehr oder weniger Probleme. „Ich bin mir aber sicher, dass wir uns da gemeinsam durchkämpfen werden“ sagte Vettel. „Meine Devise lautet immer: Man kann sich sein Glück erarbeiten. Das werden wir wieder versuchen.“

Dass freilich ein vierfacher Weltmeister Sonntag „Hauptsache ankommen“ als Ziel haben muss, ist sehr ungewöhnlich vor einer neuen Saison.

 (mit: dpa/sid)

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