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Sportbuzzer Formel-1-Unwort „Stallorder“: Verbot beibehalten
Sportbuzzer Formel-1-Unwort „Stallorder“: Verbot beibehalten
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10:31 13.06.2010
Quelle: afp
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Der Verdacht ist schwerwiegend, und die Betroffenen wehren sich vehement: Nach dem Crash der Red-Bull-Piloten und dem Beinahe-Unfall der McLaren-Fahrer in Istanbul kamen Spekulationen über versteckte Stallorder auf. Am Formel-1-Wochenende in Montréal wiesen die Chefs der beiden Rennställe nun alle Verdächtigungen zurück und sprachen sich auch gegen Forderungen aus, das Verbot von internen Absprachen aufzuheben.

„Teamorder sind falsch“, sagte Red-Bull-Mann Christian Horner. Sein McLaren-Kollege Martin Whitmarsh pflichtete ihm bei: „Ich denke, wir sind glücklich mit den Regeln, wie sie sind.“

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Stallorder“ - das ist ein Unwort im Unterhaltungszirkus Formel 1. Es klingt nach unerlaubter Absprache, nach Betrug am Konkurrenten und vor allem am Zuschauer. Allein bei der kleinsten Spekulation müssen die Verdächtigten in die Vorwärts-Verteidigung gehen.

Ausgelöst wurde die Diskussion durch die Vorfälle im Rennen in Istanbul. Im Kampf um die Spitze waren die Red-Bull-Piloten Mark Webber und Sebastian Vettel kollidiert. Vettel schied aus, Webber rettete den dritten Platz hinter dem McLaren-Duo Lewis Hamilton und Jenson Button. Später kam heraus, dass der Motor an Webbers Wagen vom Kommandostand aus gedrosselt worden war und so erst den Angriff des Deutschen möglich gemacht hätte.

Wenige Runden später lieferten sich Hamilton und Button einen packenden Zweikampf. Weltmeister Button überholte seinen Landsmann, Hamilton konterte kurz darauf und eroberte sich die Führung zurück. Erst die Anweisung an Button, er solle Benzin sparen und die Reifen schonen, bremste dessen Angriffslust aus.

Sofort wurde in den Medien diskutiert, der Stallorder zu einem Comeback zu verhelfen, um der angeblichen Heuchelei ein Ende zu setzen. Man könne die Teamorder ohnehin nur schlecht kontrollieren.

„Man wird nie Verschwörungstheorien verhindern“, sagte McLaren- Teamchef Whitmarsh und präsentierte sich in Montréal wie Horner von Red Bull als Vertreter der reinen Formel-1-Racinglehre. „Es wäre falsch, der Öffentlichkeit einen Grand Prix vorzuenthalten, in dem es um den Kampf zwischen Mensch und Maschine geht“, sagte Vettel-Chef Horner.

Der Stallorder-Sündenfall war 2002 beim Großen Preis von Österreich, als der damalige Ferrari-Teamchef Jean Todt den in Führung liegenden Rubens Barrichello anwies: „Let Michael pass for the championsship!“ Der Brasilianer trat auf die Bremse, Michael Schumacher rauschte an ihm vorbei zum Sieg. Doch was als cleverer Schachzug gedacht war, erwies sich für alles Beteiligten als schwerer Imageschaden. Seitdem sind Absprachen offiziell verboten.

Eine Bedeutung hat das Thema in dieser Saison bekommen, weil in Red Bull (Webber(Vettel), McLaren (Button/Hamilton), Ferrari (Alonso/Massa) und Mercedes (Michael Schumacher/Nico Rosberg) gleich vier Teams mit jeweils ähnlich starken Fahrern um die WM kämpfen - so viele wie schon lange nicht mehr. Die Versuchung für die Rennställe ist groß, möglicherweise einen der beiden Fahrer in der entscheidenden WM-Phase zu bevorzugen.

Die PS-Protagonisten halten nichts von etwaigen Absprachen. Rücksicht auf den eigenen Teamkollegen? Fehlanzeige. „Wenn du auf der Strecke bist und siehst deinen Teamkollegen vor dir und meinst, du hast das bessere Auto, dann versuchst du, ihn zu überholen“, sagte Felipe Massa, der sich bei Ferrari mit Fernando Alonso rumbalgt.

„Klar wollen beide Fahrer gewinnen. Wenn die Gelegenheit da ist, ergreift man sie“, stellte Hamilton klar. Vettels Schattenmann Webber denkt an die Zuschauer: „Die Fans wollen, dass wir gegeneinander fahren. Man kann keine Regeln aufstellen.“ Der nächste Crash kann kommen.

dpa