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Sportbuzzer Frank Heitmeyer: Im ICE-Tempo von Erfolg zu Erfolg
Sportbuzzer Frank Heitmeyer: Im ICE-Tempo von Erfolg zu Erfolg
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Von Christian Purbs
Mit viel Ruhe und Konzentration nimmt Sportschütze Frank Heitmeyer am Schießstand das Ziel ins Visier.
Mit viel Ruhe und Konzentration nimmt Sportschütze Frank Heitmeyer am Schießstand das Ziel ins Visier. Quelle: Das Fahrgastfernsehen/Bargiel
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„Zuerst habe ich es mit dem Gewehr probiert, aber das ging gar nicht“, erzählt Heitmeyer: „Dann hat man mir eine Pistole in die Hand gedrückt - und das lief total gut.“ Heitmeyer hatte eine Sportart gefunden, die ihn faszinierte und in der er Erfolg hatte. Bis der schwere Unfall mit dem Leichtkraftrad das Leben des damals 16-Jährigen auf einen Schlag veränderte und auch das Sportschießen erst einmal in den Hintergrund rückte.

Einmal von der Faszination Schießen gepackt, fängt er jedoch schon bald wieder mit seinem Hobby an, obwohl sein linker Arm seit dem Unfall vollständig gelähmt ist. Und durch den Behindertensport eröffnen sich Heitmeyer später im Schießen neue Möglichkeiten, auch wenn der heute 40-Jährige ein bisschen überlistet werden muss: 2006 wurde er einfach von Mannschaftskameraden für die Landesmeisterschaft der Behinderten in Bremen und auch im Behindertensportverein angemeldet, ohne davon zu wissen. Dort qualifizierte er sich für die deutschen Meisterschaften in München. Heitmeyers Ausbeute: jeweils Gold mit der Luftpistole und Sportpistole. „Von da an ging alles im ICE-Tempo“, sagt der Sparkassen-Fachwirt.

Rasant liest sich auch die Liste seiner Erfolge, wobei “2010 schon mein erfolgreichstes Jahr war“, sagt der Sportschütze von der SSG Wittlage. Bei den Weltmeisterschaften in Zagreb wurde Heitmeyer mit der Sportpistole Vizeweltmeister mit der Mannschaft, zuvor hatte er seine Titel bei den nationalen Meisterschaften verteidigt. Hinzu kamen noch weitere gute Platzierungen bei Weltcup-Wettbewerben. „Es macht Spaß, gar keine Frage“, sagt der 40-Jährige. „Es ist ein Höhepunkt, sich mit den anderen zu messen. Und wenn man dann auch noch vorne mitmischt, umso besser“, sagt Heitmeyer, der mindestens zweimal in der Woche auf dem Schießstand übt. Vor wichtigen Wettkämpfen, wie etwa den Weltcups in den USA und Australien, die in diesem Jahr noch auf seinem Programm stehen, trainiert er fast täglich.

Einen hohen Stellenwert habe das technische Training, sagt der Behindertensportler. „Ruhe, Konzentrationsfähigkeit, ein gutes Auge und eine ruhige Hand“, das seien die Fähigkeiten, die ein guter Sportschütze brauche, erklärt Heitmeyer. „Es geht um Millimeter, da entscheiden Kleinigkeiten. Und ein bisschen Glück kann auch nicht schaden.“

Dieses Jahr will der Sportschütze für eine „Standortbestimmung“ nutzen, er will sehen, wie weit er besonders international mit den Besten mithalten kann. Um dann im nächsten Jahr noch einmal voll anzugreifen, wenn die Paralympics in London auf dem Fahrplan stehen. Dass Heitmeyer in der englischen Hauptstadt an den Start gehen wird, das ist ziemlich wahrscheinlich, er selbst sagt nur: „Ich hoffe es, es bleibt kein Traum.“ Noch immer hat der 40-Jährige die Bilder von den Wettkämpfen 2008 in Peking im Kopf. „Die Atmosphäre bei den Paralympics in China war unglaublich, das kann man gar nicht in Worte fassen. Die Verbindung der verschiedenen Nationen, Sportler und Sportarten unter einem Dach ist einzigartig.“ Von solchen besonderen Momenten, sagt Heitmeyer, kann man gar nicht genug bekommen.

Frank Heitmeyer persönlich

Auf welchen Ihrer Erfolge sind Sie besonders stolz? Auf die Teilnahme an den Paralympics 2008 in China und den Vizeweltmeistertitel im vergangenen Jahr.

Haben Sie Vorbilder? Mein sportliches Vorbild ist der dreifache Olympiasieger im Sportschießen, Ralf Schumann. Was sind Ihre Stärken? Als Stärke würde ich meine Zielstrebigkeit bezeichnen. Nach dem Motto: „Geht nicht gibt's nicht.“

Und haben Sie auch kleine liebenswerte Marotten? Ich bin leidenschaftlicher Langschläfer und bleibe gerne noch „fünf Minuten“ länger liegen. Leider ist das kaum noch möglich.

Welcher Film gefällt Ihnen besonders? Die „Star Wars“-Filme. Überhaupt schaue ich mir gerne Science-Fiction an.

Bei welcher Musik könnten Sie sofort mitsingen? Bei der Gruppe Schiller - Sonnenuntergang.

Haben Sie ein Lieblingsessen? Steak und Rinderfilet. Gerne mag ich auch Bœuf Stroganoff.

Haben Sie noch Träume, oder sind Sie wunschlos glücklich? Eine Medaille bei den Paralympics wäre toll. Ansonsten möchte ich bis ins hohe Alter gesund bleiben.