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Sportbuzzer Was ist dran an diesem Mann?
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00:15 05.09.2013
Von Heiko Rehberg
Gareth Bale bei seiner Vorstellung im Stadion Santiago Bernabeu von Real Madrid. Quelle: dpa
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Hannover

Aber vielleicht ist der Wahnsinn auch eine Frage der Sichtweise. Als Hannover 96 vor Kurzem seinen neuen Brasilianer Marcelo präsentiert hat, einen Abwehrhaudegen vom durchaus prominenten niederländischen Klub PSV Eindhoven, verfolgten 300 Zuschauer dessen erste Trainingseinheit, Fahrradfahrer hinter der Mehrkampfanlage mitgezählt.

Zur Vorstellung von Bale gestern im Bernabéu-Stadion in Madrid kamen 30 000 (!) Fans, obwohl der neue Mann nicht viel mehr tat, als einsam auf dem Rasen für die Fotografen mit dem Ball zu jonglieren.
Der kleine Vergleich zeigt, dass Real Madrid – obwohl es einmal in einem Freundschaftsspiel in Hannover mit 0:3 untergegangen ist – in einer eigenen Liga spielt, in die selbst der FC Bayern München keinen Zutritt hat. „Wir müssen dafür sorgen, dass Real der reichste Sportverein der Welt bleibt und die höchsten Einnahmen erzielt, damit wir uns die besten Spieler leisten können.“ Das ist die Devise von Real-Präsident Florentino Pérez. Dabei stolpert man zuerst über diesen Satz. Wie kann ein Verein der reichste der Welt bleiben, wenn er an einem Tag erst 100 Millionen Euro für einen walisischen Nationalspieler ausgibt und danach den vor sechs Jahren für 65 Millionen Euro erworbenen ehemaligen Weltfußballer Kaká gratis an den AC Mailand abgibt? Wird man auf diese Weise nicht der größte Schuldenverein der Welt?

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Bei Real Madrid rechnen sie anders. Es ist schwer zu glauben, aber die Spanier behaupten, dass sie die Ablösesumme, die Cristiano Ronaldo vor vier Jahren gekostet hat, schnell wieder eingespielt haben. Bereits nach der ersten Saison Ronaldos soll der Verein 1,2 Millionen Ronaldo-Trikots verkauft und dank des Portugiesen 100 Millionen Euro eingenommen haben. Ronaldo und Real sind vor allem auf dem riesigen asiatischen Markt gefragt.
Mit dem Bale-Trikot möchte Madrid in ähnliche Dimensionen vorstoßen. Allein der Rummel, der gestern um den bescheidenen Neuzugang vom Londoner Premier-League-Klub Tottenham Hotspur gemacht wurde, dürfte bis zum Wochenende die ersten 100 000 Trikots über den Ladentisch befördern.

Bale ist nicht ein Typ wie Ronaldo, der Wert darauf legt, der stärkste Cowboy im Saloon zu sein. Er wäre „auch für einen Cent“ zu Real Madrid gewechselt, erzählte Bale gestern und hatte auch für den neuen Kollegen Ronaldo beruhigende Worte übrig: „Cristiano ist der Chef. Es gibt keinen besseren Fußballer als ihn.“

In Spanien wird gemunkelt, dass der Bale-Transfer auf der Kippe stand, weil Ronaldo beleidigt gewesen sein soll, demnächst nicht mehr der teuerste Fußballer der Welt sein zu dürfen. Vielleicht ist das ein fieses Gerücht aus Barcelona, vielleicht ist es wahr.
Dass Real großen Wert darauf legt, für Bale nur 91 Millionen Euro ausgegeben zu haben, kann in diesem Zusammenhang Zufall sein. Cristiano Ronaldo wird es freuen. Er hat damals 94 Millionen Euro gekostet.

Profidebüt mit 16 Jahren

Wenn einer über Nacht zum teuersten oder zweitteuersten Spieler der Fußballgeschichte wird, sind plötzlich ehemalige Mitschüler, Lehrer oder Freunde gefragt, die den Medien erzählen müssen, was das eigentlich für ein Typ ist, dieser Gareth Bale. Deshalb weiß man über den 24-jährigen Waliser nun Folgendes: Er trinkt keinen Alkohol. Er hat Angst vor Spinnen. Er besucht seine Mutter, wann immer er Zeit hat. Und er hat schon vor vielen Jahren gesagt, dass es sein großer Wunsch ist, einmal für Real Madrid zu kicken. Das ist fast zu schön, um wahr zu sein.
Alle Neunjährigen, die ebenfalls große Fußballträume haben, sollten unbedingt weiterlesen: Denn in diesem Alter wurde der kleine Gareth von einem sogenannten Scout entdeckt, obwohl er ein dünnes Kind mit ständigen Rückenschmerzen war. Mit 16 Jahren und 275 Tagen gab er am 17. April 2005 sein Profidebüt in Southampton in der
2. Liga. Wenige Tage später war er Nationalspieler, zwei Jahre später spielte er für Tottenham erstmals in der Premier League, damals noch als Verteidiger. In der vergangene Saison schoss Bale beachtliche 26 Treffer und war für viele Experten und Fans der beste Spieler auf der Insel. hr

(mit: dpa)

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