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Sportbuzzer Gericht setzt Pechstein-Sperre aus
Sportbuzzer Gericht setzt Pechstein-Sperre aus
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20:27 08.12.2009
Von Carsten Schmidt
Claudia Pechstein
Claudia Pechstein Quelle: ddp
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„Das ist für mich ein kleiner Sieg. Es ist super zu wissen, dass sich das Training der vergangenen Wochen gelohnt hat und ich jetzt die Möglichkeit bekomme, mich für Olympia zu qualifizieren“, sagte die 37-Jährige am Nachmittag auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz. Die Berlinerin war am 1. Juli wegen auffälliger Blutwerte vom Eislauf-Weltverband ISU gesperrt worden; diese Sanktion hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS am 25. November bestätigt.

Bei aller gedämpften Freude blieb sie aber realistisch. „Ich werde jetzt nicht euphorisch und mache Luftsprünge“, sagte die 37-Jährige, die am heutigen Mittwoch den Flug nach Übersee antreten wird. 307 Tage nach ihrem bislang letzten Start kann sie in Salt Lake City an der Stätte ihrer große Siege von 2002 die einzig noch verbliebene Chance auf die sechste Olympiateilnahme nutzen. Pechstein erhält aufgrund ihrer guten Vorjahresergebnisse im Weltcup eine Wildcard für die A-Gruppe über 3000 Meter. Noch völlig offen ist, ob sie auch über 1500 Meter und im Team-Lauf antreten kann. „Zweifellos ist es eine riesige psychische Belastung für sie. Zehn Monate hat sie keinen Wettkampf bestritten. Aber ich hoffe, sie kann auf Platz 8 laufen und sich das Ticket sichern“, sagte ihr Manager Ralf Grengel.

Pechstein-Anwalt Simon Bergmann warnte vor zu großer Euphorie. „Das Urteil eines staatlichen Gerichts ist auch für den Eislauf-Weltverband ISU bindend. Aber das ist nur ein kleiner Etappenschritt“, sagte er. „Ob sie wirklich an den Olympischen Spielen teilnimmt und ihre Sperre aufgehoben werden kann, wird erst im Hauptsacheverfahren geklärt.“ Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hofft nun auf eine schnelle Lösung. „Wir respektieren die einstweilige Verfügung und hoffen auf eine baldige, endgültige Entscheidung“, sagte er. „Das war eine Entscheidung im Sinne des Fairplay. Was das für Claudias Olympia-Nominierung und ihre sportliche Zukunft bedeutet, darüber möchte ich jetzt nicht spekulieren“, ergänzte Gerd Heinze, der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft.

Mit dem Einspruch im Hauptverfahren hat die Bestätigung des Eilantrags nur bedingt zu tun. „Wenn sie im Hauptsacheverfahren chancenlos wäre, hätte das Schweizer Bundesgericht den Antrag sofort abgelehnt“, sagte Manager Grengel. Bergmann wies auf die Komplexität des Hauptverfahrens hin. „Der angenommene Eilantrag ist hierfür kein Fingerzeig“, betonte er. Der offizielle Einspruch gegen das CAS-Urteil wird beim Schweizer Bundesgericht erst im neuen Jahr eingereicht.

Eine Formalie

Der Hoffnungsschimmer im Fall Claudia Pechstein, den die Eisschnellläuferin selbst sieht, ist trügerisch. Die Eilentscheidung des Schweizer Bundesgerichts ist nicht als Abkehr vom Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes CAS zu werten. Vielmehr hat die nächste Instanz eine Schleife gedreht auf dem Weg zu ihrer endgültigen Entscheidung.

Die Richter mussten gestern zugunsten der Sportlerin entscheiden, um sie nicht in ihren Rechten zu beschneiden. Pechstein kämpft um den Olympiastart, dazu muss sie die interne deutsche Norm schaffen. Die letzte Gelegenheit dazu besteht an diesem Wochenende in Salt Lake City. Nur wegen dieser terminlichen Formalie ist es Pechstein nicht zuzumuten, auf das Hauptsache-Urteil der Bundesrichter über die Rechtmäßigkeit der Dopingsperre zu warten. Mit diesem ist erst im Januar zu rechnen.

Wie die Bundesrichter das CAS-Urteil bewerten, ist ungewiss. Ihr Spruch ist aber wegweisend, ob die Sportverbände im Kampf gegen Doping mit der nötigen Sorgfalt agieren oder aber nachbessern müssen.