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Sportbuzzer German Classics vor dem Aus?
Sportbuzzer German Classics vor dem Aus?
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00:15 23.10.2013
Von Jörg Grußendorf
Der Niederländer Gert-Jan Bruggink und sein Wallach Dejavu waren beim Großen Preis der „German Classics“ nicht zu schlagen. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

Bruggink. Der Nachname ist in Hannover bestens bekannt, nur aus einer anderen Sportart. Arnold Bruggink war jahrelang Spielmacher der 96-Fußballer und hatte mit Tempo nur wenig im Sinn. Anders Gert-Jan Bruggink. Der ist als Springreiter weltbekannt. Und wie schnell der Niederländer, im Übrigen nicht verwandt mit Arnold, in seinem Metier ist, das hat der 32-Jährige am Sonntag bei den German Classics bewiesen. Er gewann den Großen Preis von Hannover nach einem rasanten wie fehlerfreien Ritt im 2. Umlauf in 32,44 Sekunden mit Dejavu.
Dieses unglaublich spannende Stechen war ein echter Höhepunkt und auch krönender Abschluss der Springreiter dieses hochkarätigen Turniers. Das Zusammenspiel zwischen Sportlern und Zuschauern, die die Reiter frenetisch feierten, war fantastisch. Und man mag sich gar nicht vorstellen, dass der Niederländer Bruggink womöglich der letzte Sieger der German Classics ist – und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Spannende Ritte und begeisterte Zuschauer: Die German Classics in Hannover.

„Die Austragung des Turniers ist für das nächste Jahr auf gar keinen Fall gesichert“, sagte Turnierleiter und Veranstalter Paul Schockemöhle. Finanziell habe es aufgrund fehlender Sponsoren schon 2013 einen Engpass gegeben. „Und eine Besserung ist nicht in Sicht“, sagte der 68-Jährige weiter. Bei der Vorstellung der Sponsoren stellte Bettina Schockemöhle, die die Organisationsleitung des Turniers innehat, auch ihren Ehemann vor. „Nicht zu vergessen den Paul“, sagte sie, „der hier so manches Loch stopfen muss.“ Der 68-Jährige lächelte artig, aber es war ihm anzusehen, wie es in ihm arbeitete.

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Dass erstmals seit Jahren am Schlusstag 120 Plätze auf den Tribünen frei blieben, wollte niemand überbewerten. 42 000 Besucher waren dennoch an den vier Tagen in der Messehalle 2, am Sonntag waren es 6500. In der Bewertung der Zuschauerzahl stimmten die Schockemöhles Klassereiter Ludger Beerbaum zu. „Ausverkauft ist nicht selbstverständlich“, führte der 50-Jährige an, „hier kann man nur sagen: Das große Pfund der Veranstaltung ist die Atmosphäre.“
Die hatte der mehrfache Olympiasieger wieder in vollen Zügen in sich aufgesogen und war im Großen Preis knapp eine Sekunde hinter Bruggink mit Chaman Zweiter geworden. „Gert-Jan war einfach zackiger unterwegs“, sagte er, „ich war aber auch nicht mit dem Messer zwischen den Zähnen unterwegs.“

Carsten-Otto Nagel hatte ebenso das Nachsehen gehabt wie Beerbaum. Der Holsteiner verpasste mit seinem 6. Platz auf Holiday eine vorzeitige Entscheidung in der sogenannten Riders Tour. Der Gesamtführende hat für die Rangliste zwar zehn zusätzliche Punkte gesammelt und hat jetzt 50 auf seinem Konto. Er kann aber in zwei Wochen in München noch von Meredith Michaels-Beerbaum (37, Thedinghausen) eingeholt werden. Die  43-Jährige muss allerdings gewinnen, Nagel fast leer ausgehen.

Diese Rechenspiele waren Bruggink egal. „Ich fühle mich einfach super“, sagte er. Aber genauso sehr freue ich mich auf Zuhause.“ Dort, im niederländischen Weerselo, warten seine Lebensgefährtin Pia-Luise Aufrecht, eine erfolgreiche deutsche Springreiterin, und die gemeinsame dreimonatige Tochter Marlyse Mari.

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