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Sportbuzzer Geschwisterpaar vom HRC Hannover will nach Rio
Sportbuzzer Geschwisterpaar vom HRC Hannover will nach Rio
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00:17 14.11.2015
Von Carsten Schmidt
14-mal Training in der Woche: Matthias und Marie-Cathérine Arnold investieren viel Zeit und Energie in ihren Traum von den Olympischen Spielen. Quelle: Rainer Surrey
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Hannover

Matthias wurde im französischen Aiguebelette Dritter im Zweier ohne der Leichtgewichte, Marie-Cathérine gewann Silber mit dem Doppelvierer. Spätestens seitdem ist der gemeinsame Olympiatraum der Geschwister zu einem greifbaren Ziel geworden.

Der Weg zu den Sommerspielen nach Rio de Janeiro ist allerdings mit unterschiedlich hohen Hindernissen gespickt. „Ich muss bei den Ausscheidungen im Winter unter die besten sechs kommen, um wieder ins Boot zu kommen“, sagt Marie-Cathérine. Die Studentin der Meeres-Geowissenschaften war zu Beginn des Jahres Dritte in der Qualifikation für die Skull-Boote (zwei Ruder) geworden und hatte sich damit den Platz im deutschen Paradeboot der Frauen gesichert. „Der Doppelvierer hat bei uns denselben Status wie der Deutschland-Achter bei den Männern“, sagt sie. Insofern war der zweite Platz in Frankreich hinter den USA eher enttäuschend. „Wir waren das ganze Jahr über die Besten, da ist man natürlich nicht glücklich, wenn es beim Höhepunkt nicht ganz klappt“, sagt Marie-Cathérine Arnold.

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Immerhin gewannen die Hannoveranerin und ihre Kolleginnen den Europameistertitel und schufen mit der Silbermedaille die Garantie, dass in Rio ein Frauen-Doppelvierer aus Deutschland starten darf. So hat Marie-Cathérine „nur“ die nationale Ausscheidung zu bestehen. Um dafür gerüstet zu sein, schafft sie jetzt die konditionellen Grundlagen. „Wir absolvieren 14 Trainingseinheiten pro Woche, im Kraftraum, auf dem Ergometer und im Wasser.“ Dabei sind Marie-Cathérine und Bruder Matthias pro Trainingsabschnitt im Freien derzeit 20 Kilometer auf dem Stichkanal in Limmer unterwegs, bei Wind und Wetter. Die gesunde Bräune, die beide im Gesicht tragen, kommt allerdings von einem Aufenthalt auf den Kanarischen Inseln - zu Trainingszwecken natürlich, nicht zur Entspannung.

Für Matthias ist der Weg steiniger nach Rio, trotz der Medaille. „Der Zweier ist nicht olympisch“, sagt der 25-Jährige. Deshalb versucht er sich für den Vierer ohne zu empfehlen. „Bei den Leichtgewichten gibt es einen Neubeginn mit einem anderen Trainer“, sagt der Maschinenbau-Student. Dennoch sei die Konkurrenz mit etwa 15 Bewerbern groß, zudem hat dieses Boot in Frankreich die direkte Olympiaqualifikation als 13. verpasst und muss im April einen neuen Anlauf nehmen.

Vielleicht ist es ein Vorteil für Matthias, dass er von der WM positive Energie mitnehmen kann. „Jonas Kilthau und ich sind kurzfristig nominiert worden“, sagt der Hannoveraner. „Wir wollten in den Endlauf kommen und haben nie an eine Medaille gedacht. Als wir im Finale aber merkten, dass Bronze drin ist, galt die Devise: Augen zu und durch.“

Die Leidenschaft für das Rudern wurde früh geweckt. Die Geschwister saßen mit sechs Jahren erstmals im Ruderboot, mit zehn Jahren begannen sie mit dem Training, vorher hatten sie bei den Leichtathleten der TSG Ahlten mitgemacht. Beide haben Mutter Barbara als Vorbild: Die 58-Jährige gehörte zur Ruder-Nationalmannschaft und stand auch 1980 im Olympiaaufgebot. Ihren Traum zerstörte damals der Boykott.

Diese Erfahrung der Mutter lässt die Geschwister auch nicht hundertprozentig auf die Karte Sport setzen. „Mit Rudern kann man kein Geld verdienen“, sagt Matthias. Er plant für 2017, die Masterarbeit zu schreiben und sich dann um den Beruf zu kümmern. „Da werde ich im Sport kürzertreten.“ Seine Schwester schließt ein Weitermachen bis 2020 nicht aus. „Dann wäre ich 28 Jahre, im besten Alter“, sagt sie.

Für Rio de Janeiro hat Marie-Cathérine einen speziellen Wunsch: „Ich möchte im Olympischen Dorf einen Kaffee mit Matthias trinken.“ In diesem Fall hätten es beide geschafft.

Weitere hannoversche Olympiakandidaten

Zwei Asse vom DRC: Fast nahtlos den Übergang aus dem Junioren- in den Erwachsenenbereich haben nicht nur die Arnolds geschafft. Julius Peschel vom DRC zählt zu den besten deutschen Leichtgewichten. Das bisher beste Sportjahr erlebte der Student der Philosophie und Politikwissenschaft an der Leibniz-Universität 2013. Da wurde er Universiade-Sieger im Einer und gewann Silber mit dem Doppelvierer bei den Weltmeisterschaften. Beide Bootsklassen sind allerdings nicht olympisch, deshalb stieg Peschel aus den Skull-Klassen (jeder hat zwei Ruderblätter) in das Riemenboot Vierer ohne (ein Ruderblatt für jeden) um. Der 25-Jährige und seine Kollegen verpassten allerdings bei der WM 2015 die direkte Olympiaqualifikation. Auch Alexander Egler, der bei den „Schwergewichten“ mitrudert und bei Ralf Holtmeyer in Dortmund trainiert, verpasste 2015 das Olympiaticket im Zweier ohne. Der Chemiestudent, der 2014 WM-Bronze im nicht olympischen Zweier mit gewann, hat allerdings auch Chancen, sich in der Holtmeyer-Gruppe für den Vierer oder sogar den Achter zu empfehlen.

Erfolgreiche Geschwister im Sport

Das Talent liegt in der Familie: Der Bruder oder die Schwester als Vorbild, dem man nacheifert, ist unter Sportlern keine Seltenheit. Allerdings denken dabei viele an reine Brüderpaare wie die Rummenigges, Försters und Benders im Fußball. Oder an die Skilauf-Schwestern Mittermaier, Epple und Riesch. Es gibt aber auch die Konstellation Bruder und Schwester, die in derselben Sportart erfolgreich ist – wie die Arnolds. Wir stellen einige dieser Geschwister vor.

In Hannover macht vor allem die Leichtathletik-Familie Onnen Schlagzeilen. Eike (33) nahm als Hochspringer an drei Weltmeisterschaften teil und weist eine Bestleistung von 2,34 Metern auf. Imke (21) gewann in diesem Jahr im Hochsprung den ersten nationalen Titel. Und die Geschwister Lasse (30), Maie (27) und Kjell (25) sind oder waren ebenfalls in der Leichtathletik mindestens niedersächsische Spitze.

Olympisches Gold zur Familiensache erklärten die Kellers aus Berlin. Natascha (38) gewann 2004 Gold mit den deutschen Hockeyfrauen. Die Brüder Andreas (50) und Florian (34) gehörten zu den Männerteams, die 1992 beziehungsweise 2008 auf dem höchsten Siegertreppchen standen. Die Hockeyleidenschaft der Kellers reicht sogar zwei weitere Generationen zurück: Vater Carsten (76) war 1972 Olympiasieger, Großvater Erwin (1905–1971) holte 1936 Silber.

Den WM-Titel in derselben Disziplin holten Martina (42) und Andreas Ertl (40) aus Oberbayern. Die alpinen Skiläufer erkämpften 2005 in Bormio Gold im Teamwettbewerb. Noch erfolgreicher auf den Pisten waren die kroatischen Geschwister Janica (33) und Ivica (35) Kostelic. Beide gewannen 2003 den WM-Slalom und holten 18  Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Harmonie auf dem Eis bewiesen zwei Geschwisterpaare. Erich (66) und Angelika (65) Buck aus Ravensburg wurden 1972 Europameister im Eistanz. 1991 gewannen die Franzosen Isabelle (51) und Paul (54) Duchesnay den WM-Titel in dieser Disziplin.

Olympiasieger in der Leichtathletik, allerdings bei unterschiedlichen Veranstaltungen, wurden die Joyner-Geschwister aus den USA. Al (55) gewann 1984 den Dreisprung, Jackie (53) war 1988 und 1992 im Siebenkampf top und holte zudem 1988 Gold im Weitsprung. Al war in erster Ehe übrigens mit Florence Griffith, der Sprint-Weltrekordlerin, verheiratet.

Und auch Klaus Steinbach (61), früherer Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, hatte zu seinen aktiven Zeiten familiäre Gesellschaft. 1972 freute er sich als Aktiver nicht nur über die eigene Silbermedaille in der 4x200-Meter-Freistilstaffel, sondern auch über Bronze für Schwester Angela (60) über 4x100 Meter Freistil.

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