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Sportbuzzer Aus einer anderen Welt
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21:17 16.06.2014
Martin Kaymer nach seinem Sieg bei den US Open. Quelle: EPA/Andrew Gombert
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Pinehurst

Den Spott seiner Kumpel als Eintagsfliege muss Martin Kaymer nie mehr ertragen. Mit einem lächelnden Blick in den Himmel und festen Umarmungen mit Caddie Craig Conelly und Bruder Philipp genoss der Rheinländer auf dem 18. Grün seinen zweiten Majorerfolg. Einen Monat nach der Players Championship spielte der 29-jährige Golfprofi bei der US Open die Konkurrenz in Grund und Boden und gewann als erster Deutscher die offenen amerikanischen Meisterschaften. Sein einziger Gegner war er selbst. „Freunde hatten mich oft aus Spaß ,One-Hit-Wonder‘ genannt, das konnte ich nun mit diesem Titel widerlegen“, sagte der ehemalige Weltranglistenerste, der gestern im Klassement auf Platz 11 kletterte.

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Kaymer wackelte über die vier Tage kein einziges Mal, die Konkurrenz lauerte vergeblich auf einen Ausrutscher. Schon auf den letzten Bahnen schlich sich ein Lächeln in die Züge des Deutschen, der auch in kritischen Phasen wie ein Uhrwerk funktionierte. Der Lohn waren 1,62 Millionen Dollar (1,2 Millionen Euro) und ein symbolisches Geschenk zum amerikanischen Vatertag. Eine kleine Wasserdusche bekam Kaymer von Sandra Gal, die bei den US Open der Frauen mitspielt.

Vor ihm siegte als erster Deutscher nur Bernhard Langer bei zwei Majors – dem legendären Masters. Langer, dessen Rat Kaymer in seiner Karriere oft suchte, schickte ihm während des Turniers SMS-Botschaften. „Ich hoffe, dass ich Bernhard stolz mache. Ich hoffe, dass das ganz Deutschland stolz macht“, sagte Kaymer, der von Fußball-Nationalspieler Lukas Podolski von der WM aus Brasilien per Twitter eine Gratulation für eine „legendäre Vorstellung“ erhielt. Auch Basketballstar Dirk Nowitzki twitterte seine Hochachtung: „Sehr imposant!“

Kaymer absolvierte am Sonntag den Par-70-Platz in Pinehurst/North Carolina in der Hitze mit 69 Schlägen und kam auf ein Gesamtergebnis von 271. Damit lag er jeweils acht Schläge vor den Amerikanern Erik Compton und Rickie Fowler. „Martin hat sein eigenes Turnier gespielt. Niemand ist an ihn herangekommen. Wir haben alle nur um Platz 2 gespielt“, sagte Fowler. Kaymers schwedischer Freund Henrik Stenson drückte es so aus: „Martin hat an den ersten beiden Tagen das Turnier gekillt. Er spielte zweimal 65 und ließ uns im Staub zurück.“

Kaymer wird in einer Woche eine Pressekonferenz in Köln geben, bei der er im Gegensatz zum Vorjahr nur Erfolgsmeldungen überbringen wird. 2013 gab er ein Bild des Zweifelns ab, unzufrieden mit seinem Golf und zeitweise von Heimweh geplagt auf der US-Tour. In diesem Jahr beschloss er, nur noch seinem Trainer Günter Kessler zu vertrauen und sich an seinen natürlichen Golfschwung zurückzuerinnern. Als er das Basteln an der Technik aufgab, konnte er sein Spiel wieder genießen. Und die Zuschauer der US Open auch.

15.06.2014
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