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Sportbuzzer Hambüchen gewinnt deutsches Duell und holt WM-Bronze
Sportbuzzer Hambüchen gewinnt deutsches Duell und holt WM-Bronze
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18:37 24.10.2010
Fabian Hambüchen: „Ich bin total happy. Mein Plan ist einhundertprozentig aufgegangen". Quelle: dpa

Fabian Hambüchen stieß seinen bekannten Urschrei aus, Philipp Boy schaute betroffen ins Leere: Der deutsche Vorturner hat am Sonntag in Rotterdam den Konter gesetzt und mit Bronze am Reck seine siebte WM-Medaille gewonnen. „Ich bin total happy. Mein Plan ist einhundertprozentig aufgegangen“, meinte Hambüchen strahlend.

Das spannende Duell der beiden deutschen Rivalen am Königsgerät hatte seit Tagen die Aufmerksamkeit der Turn-Fans nicht nur im eigenen Lande auf sich gezogen. In der Stunde der Entscheidung erwies sich der kleine Hesse wenige Stunden vor seinem 23. Geburtstag einen Tick abgebrühter als sein Rivale. Der Sieg ging vor euphorischer Kulisse in der mit 8200 Zuschauern ausverkauften Ahoy-Arena - darunter der niederländische Thronfolger Willem Alexander - aber an den Chinesen Zhang Chenlong (16,166) vor dem Lokalmatadoren Epke Zonderland (16,033).

Hambüchen zog an seinem Spezialgerät gegenüber dem Vorkampf noch ein weiteres Register und erhöhte den Schwierigkeitsgrad auf 7,1. Für seine saubere Ausführung wurde er von den Referees mit 15,966 Punkten belohnt. Philipp Boy spulte seine Reck-Show erstmals sogar mit Ausgang 7,3 zwar sicher ab, konnte aber in der Perfektion nicht an ihn heranreichen. Er machte einen kleinen Schritt bei der Landung und musste mit Rang vier (15,833 Punkte) zufrieden sein.

„Ich bin volles Risiko gegangen, habe alles versucht. Das war trotzdem für mich eine tolle WM“, sagte Boy. Die Note für den Chinesen könne er allerdings nicht nachvollziehen, beklagte er sich. Zhang hatte mit 7,5 Ausgang sogar Hambüchens inoffiziellen Weltrekord eingestellt.

Für Hambüchen war Bronze bereits die 19. Medaille bei Olympia, WM oder EM (7/3/9). Zum letzten Mal hatten vor 19 Jahren zwei Deutsche ein WM-Finale am Reck erreicht. Damals entschied der Hannoveraner Ralf Büchner als Weltmeister in Indianapolis das Duell gegen Sylvio Kroll (6.) für sich.

Hambüchen hatte vor dem Reck-Endkampf in seinem ersten WM-Finale am Barren auf Platz vier die Medaille haarscharf verpasst. „Beim Abgang hatte ich einen kleinen Hopser. Für Bronze hätte es wohl auch ohne den nicht gereicht. Ich bin aber zufrieden“, meinte Hambüchen, während sich der Chinese Feng Zhe überlegen als der Beste (15,966) erwies.

Damit beendeten die Deutschen die WM mit drei Medaillen: Zuvor hatten Philipp Boy mit Silber im Mehrkampf und das Team mit der unverhofften Bronzemedaille beeindruckt.

Auch ohne die erhoffte dritte WM-Plakette erlebte Boy in Rotterdam die bisher größten Festtage seiner Karriere und wirbelte damit die deutsche Hackordnung durcheinander. Noch zwei Tage nach dem dritten Sechskampf in nur sechs Tagen spürte der Cottbuser Schmerzen in allen Gliedern. „Na klar, das steckst du nicht so leicht weg. Aber der Mehrkampf - das ist die Königsdisziplin: Als ich auf dem Podest stand, war der Muskelkater vergessen“, räumte er ein.

Für Europameister Hambüchen gibt es nun ein Ziel: So schnell wie möglich die Fußprobleme ablegen und in Berlin bei der Mehrkampf-EM dem neuen Frontmann wieder Paroli bieten. Doch in der Boy-„Group“ drängeln sich schon die nächsten Top-Turner: Matthias Fahrig sinnt nach verpassten WM-Finals auf Wiedergutmachung, der verletzte Meister Marcel Nguyen übermittelte via Internet-Plattform „Facebook“ seine Wünsche. „Ich finde es gut, dass jetzt die anderen an Fabians Thron rütteln. Die Mannschaft wird damit immer stärker“, ließ er verlauten.

Trainer Andreas Hirsch kommt die gesunde Konkurrenz im Team sehr gelegen. „Natürlich könnten sich hier alle friedlich an den Händen fassen. Aber wenn dadurch keine Leistung kommt, hätten wir nichts gewonnen“, meinte der Berliner, der die deutschen Turner 2002 übernahm und zu einer Weltmacht formte.

Eine seltene Ehre wurde Boy in Rotterdam zuteil: Journalisten wählten ihn zum elegantesten Turner des Turniers. Mit 5000 Euro und einer Schweizer Uhr ist die Auszeichnung dotiert.

Für Elisabeth Seitz platzten hingegen alle Finalträume wie eine Seifenblase. Nach zwei unfreiwilligen Absteigern blieb für die Mannheimerin am Stufenbarren nur der achte Platz. Mit einem guten zwölften Mehrkampfplatz hatte die 16-Jährige zuvor aber ihr Potenzial nachdrücklich angedeutet.

dpa

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