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Sportbuzzer Hannover Scorpions auf festem Gleis
Sportbuzzer Hannover Scorpions auf festem Gleis
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20:39 26.10.2009
Von Björn Franz
Gute Fahrt: Tore Vikingstad und David Wolf vor der Scorpions-Straßenbahn.
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Dieser Termin gehörte für Marco Stichnoth zu den angenehmeren. Gestern präsentierte der Geschäftsführer der Hannover Scorpions gemeinsam mit der Üstra eine neue Straßenbahn, die künftig im Design des Eishockey-Erstligisten durch die Stadt fahren wird. Böse Zungen könnten nun behaupten, es handele sich bei den Fahrten der Bahn um die Abschiedstour der Scorpions. Denn angesichts der finanziellen Probleme, wegen der die Profis im Sommer auf einen Teil ihres Gehaltes verzichteten, hält sich bereits seit einiger Zeit das Gerücht, dass diese Saison die letzte des hannoverschen Klubs in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) sein könnte. Doch diesen Spekulationen erteilte Stichnoth gestern gegenüber der HAZ eine klare Absage: „Die Scorpions leben. Der Standort ist gesichert, und wir werden definitiv auch in der kommenden Saison eine schlagkräftige Mannschaft für die DEL beisammen haben.“

Dass der 43-Jährige bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison eine solch klare Aussage über die Zukunft trifft, hat mit der Unsicherheit zu tun, die er in seinem Umfeld ausgemacht hat. „Die Mannschaft und unsere Fans haben es verdient, frühzeitig Klarheit zu haben“, sagte Stichnoth. „Wir haben noch immer eine hohe Abhängigkeit von unserem Gesellschafter Günter Papenburg, aber inzwischen sind wir eigenständig überlebensfähig und haben eine Perspektive.“ Zwar komme noch immer die Mehrheit der Sponsoren über Papenburg zu den Scorpions. Doch darüber hinaus müsse der Besitzer nicht wie in den Vorjahren sein Privatvermögen einsetzen, um die Verluste auszugleichen.

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Die Einnahmesituation habe sich stabilisiert. Die Zahl der ausgedruckten Eintrittskarten ging in den ersten neun Heimspielen im Vergleich zum selben Zeitpunkt der Vorsaison zwar um insgesamt 7000 zurück. Doch die daraus erzielte Einnahme lag laut Stichnoth wegen der von 698 auf 1004 gestiegenen Dauerkartenzahl und der Reduzierung von sogenannten Sponsorenkarten etwa 80.000 Euro über dem Vorjahreswert. Daher könnten die Scorpions für die laufende Saison und die kommenden Spielzeiten relativ sicher mit einer Einnahme von gut vier Millionen Euro aus Eintrittskarten, Sponsoring und Fanartikelverkauf rechnen.

Auf dieser Grundlage will der Geschäftsführer bereits in den kommenden Wochen mit den Kaderplanungen für die nächste Saison beginnen. Während Leistungsträger wie Verteidiger Sascha Goc noch über diese Saison hinaus an den Klub gebunden sind, laufen etwa ein Dutzend Verträge aus, darunter der von Topscorer Tore Vikingstad. „Wir werden sicher weitere Einsparungen vornehmen und auch das Budget für die Mannschaft noch einmal verringern müssen“, sagte Stichnoth. „Aber das ist angesichts der wirtschaftlichen Gesamtsituation überall so.“

Unter welchem Trainer die Scorpions in der kommenden Saison in der DEL auflaufen werden, ist allerdings noch unklar. Hans Zach, dessen Vertrag ausläuft, hatte seinen Rücktritt für den Sommer bereits angekündigt, zuletzt aber erklärt, er werde sich erst nach der Saison endgültig entscheiden. Dennoch spricht vieles dafür, dass seine Ära in Hannover nach vier Jahren enden wird. Stichnoth ließ sich in dieser Hinsicht gestern nicht in die Karten schauen – dafür äußerte er sich aber zu dem Gerücht, er werde die Scorpions verlassen und zum Ligarivalen Hamburg Freezers wechseln. „Ich habe keine Gespräche mit Hamburg geführt und werde auch definitiv nicht dorthin wechseln“, sagte er. „Im Eishockeybereich arbeite ich in Hannover und sonst nirgends – dafür bin ich Hannoveraner.“