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Sportbuzzer Hannovers BMXer und Skater bauen ihre eigenen Parcours
Sportbuzzer Hannovers BMXer und Skater bauen ihre eigenen Parcours
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09:42 18.10.2011
Artistik in der Yard-Skatehall in Hannover: Der Thönser Robin Stroker ist bereits ein kleiner Könner. Quelle: Petrow
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Hannover

„Sobald die Bagger weg waren, habe ich selbst eine Schaufel in die Hand genommen und kräftig mitgeholfen“, sagt Christian Masur (17). „Dabei haben wir die Trails etwas enger gestaltet, damit auch wir Fortgeschrittenen auf unsere Kosten kommen.“ Und das werden sie gewiss. Momentan noch wegen der Umbauarbeiten bis voraussichtlich Frühjahr nächsten Jahres geschlossen, kann im Dirtpark Glocksee dann bei kostenfreiem Eintritt eifrig BMX gefahren und gesprungen werden – mit Helm und Protektoren, versteht sich.

Am selben Ort, im Jugendzentrum Glocksee, bauten BMX-Fahrer im Rahmen des Projekts „Jugend bewegt Stadt“ gemeinsam mit dem ehemaligen Industriedesignstudenten Stefan Saak eine Rampe für BMX, die mobile Funbox. Ende Oktober 2010 wurde die 1,20 Meter hohe Box erstmals am Klagesmarkt aufgebaut und ausprobiert, mittlerweile steht sie auf einem Parkplatz an der Limmer Schleuse.

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Auch bei den anderen Trendsportarten ist Eigeninitiative gefragt. Mit viel Kreativität bauten sich Skateboardfahrer um Daniel May auf einem Parkplatz an der Fössestraße in Linden ihren eigenen Platz, den „2er“. Sie sammelten Material, hielten Ausschau nach Beton und Brettern und bauten fleißig. Goldene Regel: Nur wer mithilft, bestimmt auch mit. „Wer den Akkuschrauber in der Hand hat, entscheidet, was gebaut wird“, sagt Daniel May, 1. Vorsitzender des mittlerweile 110 Mitglieder starken „2er Skateboarding e.V.“, der inzwischen auch den Skatepark am Welfenplatz betreibt.

Dort wird schon seit Anfang der neunziger Jahre gefahren, aber viele sind unzufrieden mit dem Platz. Fertigrampen aus dem Katalog seien dort ausgewählt und montiert worden, von Menschen, die selbst nicht skaten, lautet der Vorwurf. „Geld wurde falsch investiert“, sagt der Skateboarder Robert Linser (23). Die Rampen seien zu klein, stünden zu eng, Boarder könnten nicht genug Schwung nehmen.

Nun soll der Platz bis Ende dieses Jahres umgebaut werden. Dabei möchte die Stadt eng mit den Skatern zusammenarbeiten, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Inlinern und auch Skateboardern eingehen zu können. Denn Inlineskater fahren steilere Halfpipes als Boarder, die nur Rampen mit maximal 90 Grad fahren können und wesentlich mehr Platz zum Schwungnehmen zwischen den einzelnen Hindernissen benötigen als die Inliner.

Diese Besonderheiten sind berücksichtigt worden, als im Weiherfeld in Langenhagen-Kaltenweide ein Skateplatz entstand. Das Erfolgsrezept: „Von Anfang an sind fachkundige Jugendliche mit in die Planung einbezogen worden“, sagt Sozialassistentin Nicki Hesse.
Die Boarder und Inliner hoffen auf weitere Projekte dieser Art. Denn sie wünschen sich noch mehr Plätze, an denen sie sich austoben dürfen. Plätze, die auch für Erfahrene noch eine Herausforderung darstellen, damit sie nicht halb illegal Geländer und Treppen hinunterfahren müssen und sich am Ende Anwohner über lärmende Rollbretter beschweren.

„Fußballplätze gibt es an jeder Ecke, für uns wird nichts getan“, sagt der Longboarder Robert Meineke (19). „Da wird gewartet, bis ein Skater jemanden auf der Straße über den Haufen fährt.“ In anderen Städten habe man den Konflikt besser geregelt und Räume für die Trendsportler geschaffen. Dort habe man ganz andere Möglichkeiten. Wenn sie von Skateanlagen in Braunschweig, Bremen, Hamburg und Aurich berichten, geraten Skater und Biker aus der Region Hannover immer wieder ins Schwärmen. Doch auch in Hannover tut sich was.

Stephanie Möller