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Sportbuzzer Heinrich Niehaus: Die Nummer 9 mit dem starken rechten Fuß
Sportbuzzer Heinrich Niehaus: Die Nummer 9 mit dem starken rechten Fuß
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Von Jörg Grußendorf
Der Oldenburger Heinrich Niehaus (mit Augenbinde wegen der Chancengleichheit) stürmt mit der Nummer 9 für Eintracht Braunschweig.
Der Oldenburger Heinrich Niehaus (mit Augenbinde wegen der Chancengleichheit) stürmt mit der Nummer 9 für Eintracht Braunschweig. Quelle: Das Fahrgastfernsehen/Arp
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Zum einen will er Stammspieler sein. “2009 in Frankreich bin ich nur fünf Minuten zum Einsatz gekommen“, sagt er. Zum anderen strebt der fünfmalige Nationalspieler die Bronzemedaille mit seinem Team an. Eine große Herausforderung, wie er selbst sagt.

Dass Frankreich, Spanien oder England noch um Längen vor dem deutschen Blindenfußball rangieren, ist Niehaus durchaus bewusst. Doch er ist ehrgeizig und selbstbewusst. Er glaubt an seine Mannschaftskameraden, aber auch an sich. „Ich habe den riesigen Vorteil“, sagt der 28-Jährige, „dass ich bis zur B-Jugend ganz normal Fußball spielen konnte.“ In seinem Heimatort beim SV Peheim (Cloppenburg).

Damals war er auch schon stark sehbehindert. „Vollblind bin ich seit etwa zwölf Jahren“, sagt er. Als Einjähriger hatte der Diplom-Wirtschaftsingenieur einen Tumor auf beiden Netzhäuten. Danach betrug seine Sehleistung auf dem einen Auge nur noch 30 Prozent, auf dem anderen fünf. Mit neun Jahren verlor er schließlich die komplette Sehkraft auf dem „guten Auge“ (Niehaus), als Fünfzehnjähriger auch noch die fünf Prozent auf dem anderen. Danach war erst einmal Schluss mit dem Fußball. Er verfolgte zwar als Fan des Hamburger SV seinen Lieblingssport. Selbst blieb er aber passiv. Während und nach der WM 2006 in Deutschland wurde der Blindenfußball hierzulande mehr gefördert, und seit rund zweieinhalb Jahren tritt auch Niehaus wieder gegen den Ball. Gerade in Sachen Taktik oder technischer Bewegungsabläufe profitiere er von seiner Zeit in Peheim. „Aber die Ballführung muss jetzt viel enger sein.“

Niehaus brachte es schnell zum Bundesligaspieler (15 Partien, vier Tore). Zunächst im Landesverband Hamburg beim FC St. Pauli. In Niedersachsen gab es kein Team. Das sollte sich ändern. Es fanden sich einige Niedersachsen - und mit Eintracht Braunschweig auch ein Verein. Doch für den Bundesligaalltag reichte die Anzahl der Akteure nicht, Eintracht fusionierte mit der SG Saar 05 (Saarland).

Für einen engagierten Fußballer wie Niehaus war das natürlich nicht befriedigend. Er machte Werbung, wirkte im Hintergrund entscheidend daran mit, dass Niedersachsen in der neuen Saison ein eigenständiges Team, das als Eintracht Braunschweig antritt, aufbieten kann. Vier Feldspieler, die blind sein müssen, und ein nichtblinder Torhüter bilden eine Mannschaft. Am 2. Juli macht die Bundesliga übrigens Station in Hannover. „Ich bin gespannt“, sagt Niehaus, „wie die Hannoveraner uns als Eintracht Braunschweig aufnehmen.“ Der 28-Jährige mit der Rückennummer 9 hat seinen Platz auf der linken Seite in der Offensive und ist schnell zu einem Führungsspieler seines Teams geworden. Verantwortung zu übernehmen ist er auch in seinem Job gewohnt. Niehaus arbeitet beim Energieversorger EWE im Geschäftskundenvertrieb und kümmert sich um Planung und Kalkulation.

Er arbeitet gern und viel - auch als Fußballer. Alle vier Wochen fährt er per Bahn zum Training nach Braunschweig, einmal im Monat nach Stuttgart zur Nationalmannschaft. Zusätzlich gibt es noch alle zwei Wochen Übungsabende in seinem Wohnort Oldenburg und natürlich regelmäßiges Trainieren in einem Fitnesscenter. „Wir werden in den Spielen körperlich ganz schön gefordert“, sagt Niehaus, der sich mal ein Spaß-Spiel gegen Eintrachts Drittligateam wünscht. „Zur Not machen wir auch den VfL Wolfsburg platt“, sagt er schmunzelnd. Er hat halt große Ziele.

Heinrich Niehaus persönlich

Auf welchen Ihrer Erfolge sind Sie besonders stolz? Dass ich im Hintergrund entscheidend daran mitgewirkt habe, dass mit Eintracht Braunschweig künftig ein eigenständiges niedersächsisches Team antritt.

Haben Sie Vorbilder? Uwe Seeler. Das ist eine Symbolfigur; er hat in seiner besten Zeit lukrative internationale Angebote abgelehnt, ist beim HSV geblieben. Wenn man sich viele Bundesligaspieler heute ansieht ...

Was sind Ihre Stärken? Ich bin ein sogenannter Führungsspieler und habe einen guten Schuss mit rechts.

Und haben Sie auch kleine liebenswerte Marotten? Ich habe eine stoische Ruhe, die andere zur Verzweiflung bringen kann.

Welcher Film gefällt Ihnen besonders? „Tatort“ ist ein Pflichttermin.

Bei welcher Musik könnten Sie sofort mitsingen? U 2.

Haben Sie ein Lieblingsessen? Lasagne.

Haben Sie noch Träume, oder sind Sie wunschlos glücklich? Teilnahme an den Paralympics 2012, deutscher Meister werden und ein Team in Nordwest-Niedersachsen aufbauen.