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Sportbuzzer Hochspringer Eike Onnen kehrt nach Hannover zurück
Sportbuzzer Hochspringer Eike Onnen kehrt nach Hannover zurück
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21:34 16.12.2010
Eike Onnen übt künftig wieder an vertrauter Sportstätte im Erika-Fisch-Stadion.
Eike Onnen übt künftig wieder an vertrauter Sportstätte im Erika-Fisch-Stadion. Quelle: Ulrich zur Nieden
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Wie die Alten sungen, ignorieren heut’ die Jungen. „Wir war’n im Osten, wir war’n im Westen, doch in der Heimat ist es am besten“, heißt es in einer hanseatischen Volksweise, der jetzt auch der hannoversche Leichtathlet Eike Onnen im Kern zustimmen wird. Vor Jahresfrist zog der heute 28-jährige Hochspringer vom heimischen SV Eintracht aus in die Fremde zum LT ASV/DSHS Köln. Anknüpfen an frühere Höhenflüge wollte der Sportler, der 2007 mit 2,34 Metern ganz unvermittelt in die Weltklasse aufgerückt war, außerdem sein Abitur im Wege einer Fernschuleinrichtung vorantreiben. Nun, beides hat nicht so recht geklappt, sodass sich Onnen zur Rückkehr nach Hannover entschlossen hat und in vertrauter Umgebung bei der LGH den nächsten Anlauf nimmt.

Wer jetzt allerdings auch noch das Gleichnis vom verlorenen Sohne bemühen möchte, schießt wohl doch über das Ziel hinaus. „Ich bereue den Schritt nach Köln keinesfalls“, sagt Onnen heute. „Ich habe Ende 2009 in Hannover in einer Sackgasse gesteckt. Da musste ich heraus.“ Vor allem das Verletzungspech, das ihn 2008 die sichere Teilnahme an den Olympischen Spielen gekostet hatte, verdüsterte seine Stimmung und raubte ihm die Lust am Sport. „Ich habe mich regelrecht zurückgezogen. Das hat auch das Verhältnis zu meiner Mutter und Trainerin beeinflusst“, gibt Onnen zu. Deshalb konnte auch Astrid Fredebold-Onnen in den gemeinsamen Übungseinheiten nicht die Wende zum Positiven einleiten.

In Köln indes merkte Onnen, welche positiven Aspekte Hannover bietet. „Im Training bei Wolfgang Ritzdorf musste man sich schon permanent zeigen und anbieten. Dieser Konkurrenzkampf ist doch nicht meine Sache, ich bin eher jemand, der seine Topleistung im Wettkampf abruft“, sagt Onnen. Insofern war das gemeinsame Üben mit gleich starken Partnern in der Gruppe eher kontraproduktiv. Außerdem setzte Ritzdorf auf weit mehr Krafttraining, als es der Hannoveraner bisher betrieben hatte. Die Folge: Onnen legte an Körpergewicht zu, verlor aber sichtbar an Spritzigkeit. 2,22 Meter standen für ihn als Jahresbestleistung 2010 zu Buche, noch vier Zentimeter weniger als im „motivationslosen“ Vorjahr in Hannover.

Den Weg zurück in die Heimat beschleunigte auch die Erkenntnis, dass es mit dem Abitur auf dem Fernschulweg in Köln überhaupt nicht voranging. Onnen steigt nun im Februar wieder beim Abendgymnasium in Hannover ein. „Wenn alles gut läuft, dann kann ich im Frühjahr 2012 die Abiturprüfung ablegen“, sagt der Hochspringer. Er weiß genau, dass dieser Abschluss auch eine Voraussetzung für ein geordnetes Leben nach dem Sport ist.

Im Training setzt Onnen unterdessen auf die alten Rezepte aus seiner guten Zeit. Er ist in die Hochspringergruppe seiner Mutter zurückgekehrt. „Es läuft im Training wieder gut“, sagt Onnen. Der Sprungfuß, der ihn Peking kostete, schmerzt schon länger nicht mehr. Und auch die „Muskelberge“ werden weniger. „Vier Kilogramm habe ich schon dank einer speziellen Diät abgenommen“, sagt Onnen.

Den Traum von den Olympischen Spielen indes hat der Hannoveraner trotz dreier „Seuchenjahre“ in Folge nicht begraben. „Ich möchte 2012 nach London“, sagt er, und man spürt den Willen, wenn er diesen Satz spricht. Das kommende Jahr diene der Vorbereitung auf das Traumziel, ergänzt der Hochspringer, der mit einem analogen Rhythmus schon einmal gute Erfahrungen gesammelt hatte. 2006 schufen Onnen und seine Mutter die Grundlagen für den Höhenflug auf 2,34 Meter und den 7. WM-Platz im Folgejahr. „Damals war ich richtig locker“, sagt Onnen.

Die Leichtathletik-Wettkämpfe in London beginnen am 3. August 2012. An diesem Tag wird Onnen 30 Jahre alt. Könnte er das „runde“ Wiegenfest in der britischen Metropole als Olympiakämpfer feiern, dann hätte sich der Abstecher nach Köln gelohnt. Auch Sportler lernen zuweilen mehr aus Misserfolgen.

Carsten Schmidt