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Sportbuzzer „Doping gehört zu den drei Topthemen“
Sportbuzzer „Doping gehört zu den drei Topthemen“
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10:24 03.12.2013
Will am Sonnabend in Wiesbaden zum Bach-Nachfolger beim DOSB gewählt werden: Alfons Hörmann. Quelle: dpa
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Düsseldorf

Sie wollen das Spitzenamt im deutschen Sport übernehmen. Was überwiegt vor der Wahl auf der DOSB-Mitgliederversammlung am 7. Dezember in Wiesbaden: Der Respekt vor der Aufgabe oder die Freude vor einer neuen Herausforderung?

Respekt ja. Dies beinhaltet auch Mut und Zuversicht, aber auch die Portion Demut und Achtung vor der besonderen Aufgabe.

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Sie sind Präsident eines Wintersportverbandes. Werden Sie als DOSB-Chef dann mit Argusaugen von den Sommersport-Kollegen beobachtet werden, ob Sie den Wintersport bevorteilen?

Auch bei der Münchner Olympia-Bewerbung hat es viele gegeben, die kritisch fragten, ob ein Wintersportler an der Spitze des DOSB plus eine Winterspiele-Kandidatur nicht des Guten zu viel sei. Um es auf einen einfachen Nenner zu bringen: Ich weiß, was ich als DOSB-Präsident zu tun habe. Da wird es nicht Winter oder Sommer, kein Nord, Süd, Ost oder West geben. Es wird nicht Fachverbände oder Landessportbünde heißen und nicht nur olympisch oder nichtolympisch. Ich habe nie Klientelpolitik betrieben.

Thomas Bach war sieben Jahre im Amt und hat die Vereinigung von DSB und NOK zum DOSB vorangetrieben. Hat er eine Hypothek oder gutes Erbe hinterlassen?

Es ist sicherlich von Beidem etwas. Thomas Bach und das DOSB-Präsidium haben mit der Fusion außergewöhnliches geleistet. Ein so heterogenes Konstrukt zu vereinen, ist alles andere als einfach. Daraus resultiert aber auch ein Teil der Hypothek. Ich habe als Unternehmer gelernt: Eine Fusion bündelt zunächst eine gewisse Zeit lang, doch dann beginnt der Zeitpunkt, an dem Vereinigung vorüber ist und man zu einem gewissen Normalzustand kommt. Nach sieben Jahren bedarf es der einen oder anderen Korrektur. Die nüchterne Feststellung ist: Der DOSB muss sich nun neue Gedanken über Struktur und Aufstellung machen. Aber so schlecht, wie es zuletzt diskutiert wurde, ist es definitiv nicht. Man muss die Dinge erst einmal so hinbekommen, wie das Thomas Bach gelungen ist.

Inwieweit haben Sie ihre DOSB-Kandidatur schon bereut, nachdem die Münchner Olympia-Bewerbung durchgefallen ist?

Natürlich war es eine herbe Enttäuschung. Nachdem ich vier Jahre lang die Münchner Winterspiele-Bewerbung für 2018 vorbereitet habe, wäre es übermenschlich, wenn man so einen Rückschlag einfach so wegsteckt und zur Tagesordnung übergeht. Der Bürger hat gesprochen und wir haben es aufzunehmen. Für mich standen Olympia-Bewerbung und Kandidatur für das DOSB-Präsidentenamt nie in einem unmittelbaren Zusammenhang. Natürlich war mir klar: Wenn Olympia gekommen wäre, hätte dies den DOSB über Jahre geprägt. Ich sehe aber nicht nur die Schattenseiten der Olympia-Ablehnung. Jetzt können wir die volle Konzentration auch auf andere Projekte und Vorhaben richten.

Wie geht es weiter mit Olympia? Oder ist nach dem Scheitern von München das olympische Terrain über lange Zeit verbrannt?

Jeder sollte sich hüten, langfristige Prognosen zu machen. Manchmal können sich Stimmungen in wenigen Jahren verändern, auch beim Thema Olympia. Zeitnah scheint es momentan nicht denkbar. Aber das heißt nicht, dass Olympia für Deutschland überhaupt kein Thema mehr ist, wie es Olympia-Gegner behaupten. Es muss ein grundsätzliches Ziel bleiben, das größte Sportfest der Welt auszurichten. Wann der Zeitpunkt sein wird, mit einem Ort oder einer Region und mit der notwendigen Unterstützung der Bürger erneut anzutreten, muss dann gewissenhaft ausgelotet werden. Da braucht es vielleicht ein, zwei Jahre des intensiven Diskutierens. Ich sehe es mit Zuversicht, aber das Thema steht auf der Prioritätenliste aktuell nicht mehr ganz oben.

Bei den Olympischen Winterspielen im Februar in Sotschi will der DOSB mindestens so gut abschneiden wie 2010 in Vancouver, wo zehn Gold, 13 Silber- und sieben Bronzemedaillen errungen wurden. Ist das realistisch?

Die Medaillenzahl von Vancouver zu halten, ist ein sehr ehrgeiziges Ziel - und ich wäre mit weiteren Forderungen sehr vorsichtig. Wir haben aufgrund von Verletzungen und Krankheiten derzeit noch bei diversen Sportarten ein paar Fragezeichen. Ich denke da nur an Felix Neureuther oder Miriam Gössner. Wenn wir eine ähnliche Medaillenzahl wie in Vancouver erreichen würden, wäre es in jeder Hinsicht ein toller Erfolg.

Man muss kein Prophet sein, um ahnen zu können, dass das Thema Doping auch ihre Präsidentschaft begleiten wird? Wie stehen Sie zu einem Anti-Doping-Gesetz, das bisher vom DOSB abgelehnt wurde?

Wenn wir von einer Prioritätenliste sprechen, gehört Doping zu den drei Topthemen der nächsten zwölf Monate. Meine Aussage war, ist und bleibt: Es muss uns gelingen, bei diesem Thema aus der Defensive herauszufinden. Es gelingt uns aktuell nur bedingt, die vielschichtigen und professionellen Aktivitäten auch entsprechend zu vermitteln. Wir laufen in Gefahr, dass der Sport an dieser Stelle an gesellschaftlicher Akzeptanz verliert. Das dürfen wir uns nicht leisten. Wenn dazu die eine oder andere gesetzliche Anpassung oder das Zusammenfassen von Regelungen unterschiedlicher Gesetze unter dem Titel Anti-Doping-Gesetz dazu beitragen kann, ein anderes Bild in der Öffentlichkeit zu schaffen, würde ich mich dafür einsetzen. Wenn es geht, würde ich diesen gordischen Knoten gern in den kommenden zwölf Monaten durchschlagen.

Die Studie "Doping in Deutschland seit 1950 bis heute" hat eine große Kontroverse ausgelöst. Viele glauben, es soll einiges unter den Teppich geklärt werden. Wie stehen Sie dazu?

Wer A sagt, muss auch B sagen. Man ist das Thema mit gutem Grund angegangen. Deshalb ist es für mich logisch, dass man mit größtmöglicher Transparenz die Dinge auch kommunizieren und diskutieren muss. Da kann man keine halbe Sachen machen.

dpa

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