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Sportbuzzer Putins Geheimwaffe gegen Schwule
Sportbuzzer Putins Geheimwaffe gegen Schwule
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23:05 16.08.2013
„Männer sollten Frauen lieben und umgekehrt“: Isinbajewa. Quelle: dpa
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Moskau

Isinbajewa ist offizielle Botschafterin des Internationalen Olympischen Komitees für die Jugendspiele, und sie soll als Bürgermeisterin des Olympischen Dorfes im russischen Sotschi bei den Winterspielen 2014 sozusagen die Hausmutter für die Jugend der Welt sein.

Allerdings: Nicht alle Athleten sind dem persönlichen Protegé und Sprachrohr von Präsident Wladimir Putin in diesem Dorf willkommen. Mit Homosexuellen hat Isinbajewa so ihre Schwierigkeiten. Und deshalb hat sie jetzt bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau schon mal das diskriminierende Homosexuellengesetz ihres homophoben Freundes Putin verteidigt. Dieses stellt allein schon Informationen über Homosexualität unter Strafe, wenn sie Minderjährige erreichen könnten. Auch ein öffentlicher Kuss unter Gleichgeschlechtlichen kann geahndet werden. Die Olympia-Botschafterin findet das ganz richtig. Denn: „Wenn wir all diese Dinge auf unseren Straßen zulassen, würden wir Angst um unsere Nation haben.“ Und: „Männer sollten Frauen lieben und umgekehrt.“

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Isinbajewa hatte damit auf einen stillen Protest der Schwedin Emma Green Tregaro reagiert; Die Hochspringerin hatte sich zum Wettbewerb in Moskau die Fingernägel in den Farben des Regenbogens lackiert, dem Symbol der Schwulenbewegung.

Auch in der Olympionikenszene aber wächst der Unmut. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) will nun Athleten von den Sotschi-Spielen ausschließen, wenn sie für die Rechte Homosexueller demonstrieren. Proteste gegen das russische „Gesetz gegen Homosexuellen-Propaganda“ werde das IOC nicht akzeptieren, sagte Sprecherin Sandrine Tonge – weil Athleten sich sonst zu politischen Aussagen gezwungen fühlen könnten.

Deutsche Politiker sind kritischer. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) attestierte Russland der HAZ gegenüber, es sei auf dem Weg in eine „lupenreine Diktatur“.

Mittlerweile hat Isinbajewa ihre Rolle als Putins Geheimwaffe gegen Schwulenrechte relativiert. Sie habe lediglich sagen wollen, „dass die Menschen Gesetze in anderen Ländern respektieren sollten, vor allem wenn sie Gäste sind“. Im Übrigen sei sie „gegen jede Diskriminierung von Homosexuellen“. Wie sie dann Respekt für ein Gesetz einfordern kann, das ausschließlich auf Diskriminierung angelegt ist, bleibt ihr Geheimnis.

von Andreas Schirmer und Kai Rehberg

16.08.2013
16.08.2013
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