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Sportbuzzer Kai-Christian Bruns aus Hannover spielt wie ein Großer
Sportbuzzer Kai-Christian Bruns aus Hannover spielt wie ein Großer
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02:17 12.09.2011
Von Sophie Hilgenstock
Kai-Christian Bruns vom SK Ricklingen ist Jugendlandesmeister im Schach. Quelle: Martin Steiner
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Kai-Christians Lieblingsfigur beim Schach ist der Springer: „Mit dem kann ich besonders viel machen“, sagt er und grinst. „Der Springer ist immer für eine Überraschung gut.“ Stets für eine Überraschung gut, das ist Kai-Christian Bruns auch. Der Elfjährige aus Hannover-Kirchrode hat die Landesmeisterschaften im Schach gewonnen. Dabei galt er in seiner Altersklasse „U 12“ nicht einmal als Favorit.

„Ich war als Sechster gesetzt“, erzählt der junge Schachspieler des SK Ricklingen. Zu Beginn der Meisterschaft auf Norderney erntete er eine Niederlage und zwei Remis, aber dann startete Kai-Christian durch: In einer spannenden Aufholjagd gewann er hintereinander sechs Partien und wurde zum strahlenden Sieger gekürt. Auf den Meistertitel ist der Schüler verdientermaßen stolz: „Damit hatte niemand gerechnet“, sagt Kai-Christian.

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Mit vier Jahren saß er zum ersten Mal an einem Schachbrett: Sein Vater erklärte ihm die Regeln, die ersten Partien fochten sie auf Opas altem Brett aus. „Danach hörte er mit dem Schachspielen nicht mehr auf“, sagt seine Mutter Michaela Bruns. Mit fünf trat Kai-Christian in einen Schachklub ein, wenig später startete er bei Wettkämpfen. Inzwischen hat der Elfjährige zweimal in der Woche Schachtraining, im Verein und bei einem Privatlehrer, und die Wochenenden verbringt Familie Bruns meistens bei Punktspielen. Kai-Christians jüngerer Bruder, Tim-Sebastian, spielt ebenfalls erfolgreich Schach, in der Altersklasse „U 10“.

Was Kai-Christian am Schach fasziniert? Das viele Denken und Rechnen, sagt er. „Ich muss ständig vorausplanen und überlegen, was wäre, wenn ...“ Bei der Eröffnung eines Spiels hat Kai-Christian bereits seine nächsten fünf bis sechs Züge vor Augen. „Kai ist ein absoluter Kopfmensch“, beschreibt ihn seine Mutter. Sein Lieblingsfach im Gymnasium ist Mathematik, gefolgt von Latein und Altgriechisch. Mit Musik könne man ihn dagegen jagen, erzählt der Siebtklässler, der eine Klasse übersprungen hat.

„Das Lösen kniffliger Aufgaben macht mir einfach Spaß“, sagt er. Auch das viele Auswendiglernen störe ihn nicht. „E4, E5, SF3, LC4, LC5, D3, SF6, LG5 ...“ Kai-Christian hat zig Spielzüge und Eröffnungen im Kopf, die er mühelos aufsagen kann. Drei bis vier Stunden dauert eine Schachpartie in seiner Altersklasse, das erfordert viel Geduld und hohe Konzentration. „Kai kann sich erstaunlich gut konzentrieren“, sagt Michaela Bruns. Eine Stärke, die sich auch in der Schule positiv auswirke, sagt sie. „Aber in der Turniersaison kaufe ich trotzdem immer eine große Familienpackung Traubenzucker“, sagt die Mutter.

Ständig am Schachbrett sitzt Kai-Christian aber nicht. „Meine Jungs sind, was das Üben angeht, grottenfaul“, erzählt Mutter Bruns. Am 11. Juni fährt Kai-Christian zur deutschen Jugend-Meisterschaft im thüringischen Oberhof, deshalb trainiert er gerade mehr als sonst, vorwiegend am Computer. Privattrainer Friedmar Schirm hat ihm ein Programm mit Taktikaufgaben gegeben, außerdem spielt er jeden Tag im Internet ein paar Partien auf Schach.de. Gegen den Papa oder Bruder tritt Kai-Christian allerdings nicht mehr an. „Sie verlieren nur noch gegen mich, das macht keinen Spaß mehr“, sagt er.

Trotz seiner frühen Erfolge träumt Kai-Christian nicht von einer Karriere als Profi-Schachspieler. Sein Ziel ist die Europameisterschaft, danach will er lieber Profi-Fußballer werden, zum Beispiel bei Hannover 96. Fußball, das ist Kai-Christians zweite große Leidenschaft. Auch hier spielt er inzwischen im Verein, beim TSV Bemerode. Und auch hier zeigt er Talent.

Von Sophie Hilgenstock