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Sportbuzzer Kein Problem mit Wind und Wetter
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19:12 21.01.2009
Ein Pferd für alle Gänge: Isländer können Schritt, Trab, Galopp - und Pass und Tölt, wie hier zu sehen. Quelle: HAZ/ Martin Steiner
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Inzwischen ist die Bundesrepublik neben Island sogar zum Hauptzuchtgebiet dieser robusten Pferderasse geworden, und die 1,30 bis 1,45 Meter großen Tiere, von denen viele wegen ihres stabilen Körperbaus problemlos auch Erwachsene tragen können, haben hierzulande eine große Fangemeinde gewonnen.

Marlise Grimm, Chefin des Islandstalls „Basselthof“ in Isernhagen, gehört zu den ersten Deutschen, die sich von den Kleinpferden begeistern ließen. Schon 1968 – als man Isländer in der Bundesrepublik noch kaum kannte – importierte die Familie der gebürtigen Bissendorferin den ersten Isländer: als Reitpferde für Marlise Grimms Mutter, der die riesigen Warmblutpferde auf dem Hof zu groß waren. Die Leistungsbereitschaft, die bequemen Gänge und der unkomplizierte Charakter der Islandpferde begeisterten auch die Tochter, die seit 1972 auf dem Basselthof selbst Islandpferde züchtet.

Rund 70 Tiere stehen heute auf dem Isernhagener Gelände, darunter drei gekörte Islandhengste. Ein weiterer Teil des Bestands sind Zuchtpferde, hinzu kommen noch Schulpferde für den Unterricht sowie Pensionspferde. „Islandpferde sind oft sehr selbstbewusst – und sie sind schlau. Das finde ich sehr sympathisch“, sagt Marlise Grimm, die auch vom Islandpferdereiter- und Züchterverband (IPZV) anerkannte Ausbilderin und Turnierrichterin ist. Mit ihrem ausgeglichenen Wesen seien die Pferde zudem für Kinder und Jugendliche geeignet.
Typisch für Isländer ist neben ihrem ausgeprägten Charakter ihr dichtes Mähnen- und Schweifhaar sowie das gut isolierende und wasserabweisende lange Fell – das alle Farben von Weiß bis Tiefschwarz aufweisen kann. Besonders ursprünglich wirken die grauen oder braunen Erd- und Windfarben. Aufgrund ihrer Robustheit werden Islandpferde normalerweise auch in Deutschland das ganze Jahr über auf der Weide oder in Gruppenausläufen gehalten.

Die wichtigste Besonderheit der Nordpferde sind jedoch ihre unterschiedlichen Gänge: Neben den Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp haben sie eine genetisch fixierte Veranlagung für Tölt und Pass. „Jeder Isländer sollte mindestens vier Gänge haben“, erklärt Marlise Grimm. „Der bestimmende Gang ist dabei der Tölt.“ Dabei legen die Züchterin und ihre Kollegen Wert auf eine entspannte, gerundete Haltung. „Ein durchgedrückter Rücken ist nicht gewünscht.“

Wie der Schritt ist auch der Tölt ein sogenannter Viertaktgang. Dabei haben die Pferde allerdings nicht wie im Schritt zwei oder drei Beine gleichzeitig auf dem Boden, sondern es fußen jeweils nur ein oder zwei Hufe auf. Die Geschwindigkeit kann vom langsamen Spaziergehen bis zum Galopptempo reichen. Weil es anders als im Trab oder Galopp auch bei höherer Geschwindigkeit keine Sprungphase gibt, sitzt der Reiter auf einem Tölter nahezu ruhig – ohne durchgeschüttelt zu werden. Auf Island, wo das Pferd lange das Hauptverkehrsmittel war, haben sich die Menschen diese besondere Bewegung zunutze gemacht und bequeme Tölter gezüchtet.

Von diesen Alltagsreitpferden stammen übrigens auch alle in Deutschland lebenden Isländer ab. „Ohne Papiere kein Islandpferd“, stellt Marlise Grimm klar. Selbst die hierzulande geborenen Islandpferde müssen einen orginal isländischen Ahnen vorweisen können. Die Isernhagener Züchterin hat ihre drei Hengste ebenfalls direkt von der Vulkaninsel importiert. „Die Qualität in Island ist breiter als in Deutschland“, sagt sie. „Es gibt insgesamt mehr Pferde und dadurch auch mehr Zuchtpferde.“

Allerdings haben die Einwanderer auch Nachteile. „Die importierten Pferde haben eine erhöhte Neigung zum Sommerekzem“, sagt Marlise Grimm. „Das ist eine Allergie auf den Speichel bestimmter Gnitzen. Weil es diese Insektenart auf Island nicht gibt, hat sich diese Empfindlichkeit im Bestand gehalten.“ In Deutschland allerdings wird mit bekannten Ekzemern im Normalfall nicht gezüchtet, um den hier geborenen Fohlen die gemein juckende Hautreaktion zu ersparen.

Weitere Informationen zu Isländern gibt es in der Bundesgeschäftsstelle des IPZV in Bad Salzdetfurth, Telefon (0 50 63) 27 15 66, Internet: www.ipzv.de

von Nicola Zellmer

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