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Sportbuzzer Kontrolliertes Vertrauen
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15:54 01.03.2010
Von Saskia Döhner
Hundetrainerin Katarina Ringsdorff und Louisa
Brückenbau: Louisa verteilt Leckerli - Hundetrainerin Katarina Ringsdorff unterstützt sie. Quelle: Martin Steiner
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Mein Hund ist mein bester Freund, ein Begleiter im Alltag“, sagt Franziska Ringsdorff und krault ihre neun Monate alte Golden-Retriever-Hündin Shiva liebevoll am Nacken. „Wir unternehmen gern etwas zusammen.“ Aber dass sich Hund und Herrchen wirklich gut verstehen, ist mitunter ein hartes Stück Arbeit – für beide. Im Hermann-Löns-Park in Hannover-Kirchrode zeigt Hundetrainerin Katarina Ringsdorff an diesem Vormittag, wie die Tiere korrekt an der Leine gehen und sitzenbleiben, auch wenn sich der Besitzer entfernt. Fürs Rumtollen bleibt natürlich auch Zeit. Und wer artig macht, was Frauchen sagt, bekommt zwischendurch ein Leckerli.

Bevor ein Vierbeiner zum echten Familienhund wird, der auch mit Kindern gut zurecht kommt, müssen alle Beteiligten viel lernen. „Je früher ein Hund in seinem Leben mit Kindern zu tun hat, desto besser“, sagt Hundetrainerin. Vor dem Kauf, rät die 25-Jährige, sollte aber das Nachdenken stehen: Künftige Halter sollten sich bewusst machen, welche Ansprüche sie an den Hund stellen und wie viel Zeit sie investieren können: „Wer einen ruhigen Familienhund sucht, ist mit einem Border Collie ebenso schlecht beraten wie ein aktiver Sportler mit einer Englischen Bulldogge.“ Das Äußere sei dabei weniger entscheidend. „Oft wird ein Hund wegen seines Aussehens angeschafft, aber wegen seines Charakters wieder abgegeben.“

Kleine Hunde seien nicht einfacher zu halten als große Exemplare, meint die hannoversche Hundetrainerin Sabine Ditterich. Ein Yorkshire Terrier könne beispielsweise problematisch sein, sie empfiehlt eher Kleinpudel. Auch Rassen, die vermeintlich als Familienhunde gelten, Golden Retriever oder Labrador etwa, könnten sich als kompliziert erweisen. Generell komme es eben nicht auf die Rasse, sondern auf die Sozialisierung eines Hundes an: „Hunde sind soziale Wesen, aber Sozialverhalten müssen sie erwerben.“ Je eher desto besser.

Der frühzeitige Kontakt zu Kindern und anderen Hunden fördert das soziale Verhalten. Welpen, die in der vierten bis zwölften Lebenswoche mit Kindern vertraut werden, haben die besten Voraussetzungen, später gut mit ihnen klarzukommen. „Ein Hund sollte sich zurückziehen, wenn er sich von Kindern bedrängt fühlt, anstatt drohend zu knurren oder die Zähne zu fletschen“, erläutert Ditterich.

Dafür benötigt das Tier aber ausgewiesene Rückzugsmöglichkeiten. Dies kann sein Korb oder eine bestimmte Ecke im Haus oder in der Wohnung sein. Kinder müssen wissen, dass dieser Bereich tabu ist. „Die Hunde gerade in der Pubertät neigen dazu, sozial zu expandieren“, sagt Ditterich. Die Besitzer müssten ihnen dann behutsam und freundlich Grenzen aufzeigen, damit sich das Tier im sozialen Gefüge der Familie zurechtfinde. „Man darf aber nicht immer nur Nein sagen, sondern muss dem Hund auch Alternativen aufzeigen, dass er sich zurückziehen kann, wenn er zuviel hat.“ Es gehe um mehr als reinen Gehorsam: „Sitz, Platz und Fuß sind keine Erziehung.“ Ein Hund müsse auch ohne Leine kontrollierbar sein, sagt Ditterich: „Er muss sich selbst beherrschen können.“ Ungewohnte Situationen wie tapsige Kleinkinder oder langsam gehende ältere Menschen dürfen ihn nicht aus der Ruhe bringen.

Dies sieht Kollegin Katarina Ringsdorff ebenso. Vertrauen zu schaffen ist die Grundlage ihrer Arbeit. Ganz vorsichtig bringt sie auf der Wiese in Kirchrode die fünfjährige Louisa in Kontakt mit dem Yorkshire-Rüden Reggy. Ein Leckerli schafft Brücken. Das wäre eigentlich nicht nötig gewesen, denn die Fünfjährige findet kleine Hunde sowieso süß und beschwert sich nachdrücklich bei ihrer Mutter, dass der Weihnachtsmann nur einen Stoffhund gebracht hat: „Nächstes Mal möchte ich aber einen echten.“

Für echtes Verständnis zwischen Hund und Mensch müsse sich der Zwei- auf den Vierbeiner einlassen: „Wenn der Mensch sich der Eigenschaften und Ansprüche seines Hundes bewusst ist und darauf eingeht, kann das Zusammenleben sehr harmonisch sein“, sagt Ringsdorff. Ein engagierter Anfänger, der sich gut informiere, sei oft ein besserer Halter als jemand, der seit 50 Jahren Hunde habe, aber sich kaum um die Erziehung kümmere. Nicht jeder müsse eine Hundeschule besuchen, aber dort gebe es neben der Hilfestellung auch Abwechslung – für beide Seiten. Hundefreunde lernen Gleichgesinnte kennen.

Die 26-jährige Studentin Steffi Dohrmann hat sich an Katarina Ringsdorff gewandt, weil ihre Colliehündin Angst hat: „Vor allem vor Menschen, Geräuschen, sogar Mülltüten.“ Mit dem Training habe sich das verbessert: „Das Vertrauen wächst von Tag zu Tag.“ Für Christel Pfeifer ist Mischling Lucky ein „Freund, mit dem sie durch dick und dünn geht“. Ihr Hund solle keine Kunststücke lernen, sagt die 64-Jährige, sondern Gehorsam, „und das ist schon schwer genug.“

Eltern sollten Kinder und Hunde niemals allein lassen, raten beide Hundeexpertinnen: „Beide sind unberechenbar.“ Trotz der besten Erziehung.

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