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Desinteresse signalisieren!
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16:55 01.03.2010
Von Gabriele Schulte
Angst vor fremden Hunden
Schrecksekunde: Läufer bekommen manchmal Angst vor fremden Hunden - wenn sie nicht wissen, wie sie sich richtig verhalten. Quelle: Martin Steiner
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Dertutnix – schon wieder! Gerade hat sich die Läuferin noch am Sonnenaufgang über den Marschwiesen erfreut, da taucht plötzlich Dertutnix auf, Frauchen einen geschätzten halben Kilometer dahinter. „Dertutnix“, ruft sie, dann ruft sie den Hund zu sich. Doch das Tier, immerhin in Collie-Größe, gehorcht nicht. Es rennt nach vorn und springt mit kratzenden Tatzen an der Läuferin hoch. Nur Schreckmomente, aber das reicht.

Wenn Dertutnix und seine Artgenossen (Derwillnurspielen und Derwillmitlaufen) bloß nicht immer auf den Wegen durch die schönsten Wiesen und Wälder unterwegs wären … So aber müssen Läufer, Radfahrer, Kinder und andere, die sich gern draußen aufhalten, das Gelände mit Hundebesitzern und ihren mehr oder weniger gefährlichen frei herumlaufenden Lieblingen teilen. Tierverhaltensforscher verraten, wie sich auch besonders ängstliche Menschen davor schützen können, (erneut) gebissen zu werden.

Desinteresse signalisieren: „Wichtig ist, dem Hund zu zeigen, dass ich mit ihm nichts zu tun haben will“, sagt Prof. Hansjoachim Hackbarth, Leiter des Instituts für Tierschutz und Verhalten an der Tierärztlichen Hochschule (TiHo)Hannover. Ein solches Signal sei leichtes Abwenden und Wegsehen – dabei sollte man aber den Hund aus den Augenwinkeln beobachten. Anstarren dagegen empfinde das Tier als Aufforderung zum Kampf. Institutsmitarbeiterin Stefanie Ott geht einen Schritt weiter: „Wenn ich einen Bogen um den Hund schlage, zeige ich mein Desinteresse ganz deutlich.“

Ruhig weiterlaufen oder -fahren: Gleichbleibendes Tempo zielt ebenfalls auf Kontaktvermeidung. Wer panisch losrennt, riskiert „gejagt“ zu werden. „Der Hund ist schneller“, sagt Hackbarth. Stehenbleiben oder langsamer werden sei indes unnötig. Gut ist es, sich beim Herannahen von hinten vorher bemerkbar zu machen. Nina Rest, Mitarbeiterin der Zeitschrift „Runner’s World“, empfiehlt „lautes Räuspern oder schlurfende Schritte“, aber auch keuchendes Atmen kann reichen. Die Ankündigung gebe auch dem Halter Gelegenheit, das Tier anzuleinen oder strammer an der Leine zu halten.

Vorsicht statt Angst: Gerade wer schon einmal von einem Hund gebissen wurde, ist besonders gefährdet. Am Satz „,Die Hunde riechen den Angstschweiß‘ ist etwas dran“, meint der TiHo-Institutsleiter. Gesunde Vorsicht sei dagegen angemessen. Ein Tipp, der sich nicht zuletzt an Kinder richtet: Nie ein fremdes Tier anfassen!

Möglichst nicht auffallen: Bei Wesenstests für auffällig gewordene Hunde lässt sich beobachten, dass Ungewohntes die Tiere stark verunsichern und damit gefährlicher werden lassen kann. Dazu gehört etwa der schwankende Gang von Betrunkenen oder auch das Gehen am Stock. Wer mit dem Rad Schlangenlinien fährt oder als Läufer verletzungsbedingt humpelt, sollte demnach besonders vorsichtig sein.

Aggressionszeichen erkennen: Gute Karten hat, wer gelernt hat, das Verhalten von Hunden zu lesen. Typische Zeichen von Aggression sind: starres Hochhalten der Rute, Zähnefletschen, Knurren und Anbellen. Auch ein deutliches Fixieren des Passanten sollte zu denken geben.

Waffe als letztes Mittel: Radler können das Fahrrad schützend vor sich halten, wenn sich zum Beispiel zwei Dobermänner bedrohlich vor ihnen aufbauen – zumindest, wenn der Hundebesitzer in der Nähe ist und noch rechtzeitig reagiert. In Fachmagazinen wird als letztes Mittel bei einem Angriff gern Pfefferspray oder Tränengas empfohlen. „Für den Ernstfall ist das okay“, meint auch Prof. Hackbarth.

Sich nicht zu lange ärgern: Von 100 Hundebesitzern, so schätzt Hackbarth, verhalte sich einer dumm oder uneinsichtig. Nicht angeleinte Hunde in bestimmten Parks trotz eindeutiger Ausschilderung, gefährliche durchsichtige Flexileinen als Stolperfallen, unflätig reagierende Besitzer – darüber könne man sich ärgern, aber möglichst nicht zu lange. Auf Halter von Derwillnurspielen-Hunden, dies seien meist Frauen, laufe er als Jogger gern mal selbst frontal zu, erzählt der Verhaltensfachmann lachend. „Ich sag dann: Ich will auch nur spielen!“

Zeigen sich Frauchen oder Herrchen entgegenkommend und leinen ihren Hund auf Wunsch sofort an, freuen sie sich wahrscheinlich über ein „Danke“. Die eingangs erwähnte Besitzerin von Dertutnix in den Marschwiesen hat sich übrigens umgehend für sein Hochspringen entschuldigt. Und die Läuferin konnte nach dem Schreckmoment ihre morgendliche Runde noch genießen.

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