Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportbuzzer Bolt, Gatlin und der Dopingverdacht
Sportbuzzer Bolt, Gatlin und der Dopingverdacht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:08 09.08.2013
„The show must go on“: Justin Gatlin. Quelle: dpa
Moskau

Zwei Stars gedopt, der Weltmeister verletzt und Superstar Usain Bolt nahezu ohne Konkurrenz? Für Justin Gatlin ist das alles kein Drama. „The show must go on“, sagte der Amerikaner und nahezu einzig verbliebene Bolt-Rivale vor dem 100-Meter-Finale bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau. Die Show soll also weitergehen - nur so einfach ist das gerade vor diesem Rennen am Sonntagabend um 19.50 Uhr deutscher Zeit nicht. Im Zuge des Dopingskandals um den ehemaligen Weltmeister Tyson Gay (USA) und den ehemaligen Weltrekordhalter Asafa Powell (Jamaika) gibt es in der jüngeren Sportgeschichte wohl kein zweites großes Ereignis, das binnen kurzer Zeit so sehr an sportlichem Wert und vor allem öffentlichem Ansehen verloren hat. Noch vor einem Monat sah es so aus, als stünde der Olympiasieger und Weltrekordler Bolt vor dem vielleicht schwersten Rennen seiner Karriere. Gatlin hatte ihn gerade in Rom besiegt, Gay lag in der Weltjahresbestenliste vor ihm.

Doch nach dem Doping-Erdbeben vom Juli wird jeder, der am Sonntag in Moskau im Finale steht, unter einer Art Generalverdacht laufen. Für Bolt gilt dies besonders. Der deutsche Meister Julian Reus, der zusammen mit Martin Keller bereits am Samstagfrüh in den Vorläufen startet, hat als einer der ersten laut ausgesprochen, was lange Zeit nur leise gemunkelt wurde: „Wenn man eins und eins zusammenzählt und sieht, dass viele Läufer, die langsamer als er waren, erwischt wurden: Warum soll der schnellste Mann dann sauber sein?“

Die Atmosphäre in Moskau ist sehr speziell vor diesem Lauf. Sie ist angespannt, still, beinahe schon verschämt. Normalerweise sind 100-Meter-Finals der Höhepunkt einer jeden WM. Gerade nach dem Aufstieg von Bolt zur Ikone seines Sports konnte im Vorfeld kein Rummel zu groß und keine Pressekonferenz zu lang sein. Doch diesmal? Der Jamaikaner verschwand beim öffentlichen Training seines Teams vorzeitig und ohne ein Wort zu sagen. Auch Gatlin saß beim Medientag der Amerikaner als einziger namhafter Athlet nicht auf dem Podium. Beide weichen dem Thema Doping erkennbar aus. Bolt, weil es ihm viel von seinem Glanz zu nehmen droht. Und Gatlin, weil er als schon zweimal überführter Sünder (2001 und 2006) kein allzu glaubwürdiger Ansprechpartner in dieser Frage ist.

Was dann doch noch gesagt wurde in einigen Interviews, klang wie der Versuch, zu retten, was noch zu retten ist von der guten alten 100-Meter-Show. „Ich bin hier, um meinen Titel zurückzuerobern“, sagte Bolt in Anspielung auf seine Disqualifikation wegen Fehlstarts bei der WM 2011 in Daegu. Es sei „schade, dass so viele Athleten nicht hier sind“ inklusive des am Oberschenkel verletzten Titelverteidigers Yohan Blake. „Aber ich denke, das lädt mir noch mehr Druck auf. Ich weiß, dass ich mich selbst stark pushen muss.“ Gatlin gab sich demonstrativ cool. „Er (Bolt) weiß, dass ich in meiner Bestform antreten werde. Und ich weiß, dass er in seiner Bestform ist“, sagte der 31-Jährige. „Wir gehören beide zu den Leuten, die aufdrehen, wenn die Lichter in einem Wettkampf angehen.“

Für die Deutschen Keller und Reus ist das noch immer eine völlig andere Welt. Auch sie sind in Bestform - erst vor einer Woche verbesserten beide in Weinheim jeweils ihren persönlichen Rekord über 100 Meter. Aber in Moskau wollen beide erst einmal nur die Vorläufe am Samstagmorgen überstehen und mit Blick auf ihr eigentliches Ziel, das Staffel-Rennen am Schlusstag, schon einmal WM-Atmosphäre erleben. „Ich will ins Halbfinale“, sagte Reus. Im besten Fall wackelt genau wie in Weinheim auch noch der schon 28 Jahre alte deutsche Rekord von Frank Emmelmann (10,06 Sekunden).

WM-Entscheidungen am Wochenende

Am Auftakt-Wochenende der Leichtathletik-WM in Moskau stehen acht Entscheidungen an - darunter das 100-Meter-Finale der Männer und der Zehnkampf. Die ARD überträgt am Samstag, das ZDF am Sonntag, Eurosport an beiden Tagen. Die Eröffnungsfeier findet nach den Wettkämpfen am Samstag statt.

Samstag:
Marathon Frauen (12.00 Uhr MESZ): Weltrekord: Paula Radcliffe (Großbritannien/2:15:25 Stunden) Deutscher Rekord: Irina Mikitenko (Frankfurt/2:19:19 Stunden) Weltjahresbestleistung: Priscah Jeptoo (Kenia/2:20:15 Stunden) Titelverteidigerin: Edna Ngeringwony Kiplagat (Kenia) Olympiasiegerin: Tiki Gelana (Äthiopien) Deutsche Teilnehmerinnen: –

10.000 Meter Männer (16.55 Uhr) Weltrekord: Kenenisa Bekele (Äthiopien/26:17,53 Minuten) Deutscher Rekord: Dieter Baumann (Tübingen/27:21,53 Minuten) Weltjahresbestleistung: Dejen Gebremeskel (Äthiopien/26:51,02) Titelverteidiger: Ibrahim Jeilan (Äthiopien) Olympiasieger: Mo Farah (Großbritannien) Deutsche Teilnehmer: –

Sonntag:
20 km Gehen Männer (15.00 Uhr): Weltrekord: Sergei Morozow (Russland/1:16:43 Stunden) Deutscher Rekord: Andreas Erm (Berlin/1:18:42 Stunden) Weltjahresbestleistung: Petr Trofimov (Russland/1:18:28 Stunden) Titelverteidiger: Waleri Bortschin (Russland) Olympiasieger: Chen Ding (China) Deutsche Teilnehmer: –

Weitsprung Frauen (17.00 Uhr): Weltrekord: Galina Tschistjakowa (Russland/7,52 Meter) Deutscher Rekord: Heike Drechsler (Jena/7,48 Meter) Weltjahresbestleistung: Brittney Reese (USA/7,25 Meter) Titelverteidigerin: Brittney Reese (USA) Olympiasiegerin: Brittney Reese (USA) Deutsche Teilnehmerinnen: Sosthene Moguenara (Wattenscheid), Lena Malkus (Münster), Malaika Mihambo (LG Kurpfalz)

Diskus Frauen (18.15 Uhr): Weltrekord: Gabriele Reinsch (Neubrandenburg/76,80 Meter) Deutscher Rekord: Gabriele Reinsch (Neubrandenburg/76,80 Meter) Weltjahresbestleistung: Sandra Perkovic (Kroatien/68,96 Meter) Titelverteidigerin: Li Yanfeng (China) Olympiasiegerin: Sandra Perkovic (Kroatien) Deutsche Teilnehmerinnen: Nadine Müller (Halle/Saale), Julia Fischer (Berlin)

1500 Meter Zehnkampf (18.35 Uhr): Weltrekord: Ashton Eaton (USA/9039 Punkte) Deutscher Rekord: Jürgen Hingsen (Duisburg/8832 Punkte) Weltjahresbestleistung: Pascal Behrenbruch (Frankfurt/8514 Punkte) Titelverteidiger: Trey Hardee (USA) Olympiasieger: Ashton Eaton (USA) Deutsche Teilnehmer: Pascal Behrenbruch (Frankfurt), Rico Freimuth (Halle), Michael Schrader (Leverkusen)

10.000 Meter Frauen (19.05 Uhr): Weltrekord: Junxia Wang (China/29:31,78 Minuten) Deutscher Rekord: Kathrin Ullrich (Berlin/31:03,62 Minuten) Weltjahresbestleistung: Meseret Defar (Äthiopien/30:08,06) Titelverteidigerin: Vivian Cheruiyot (Kenia) Olympiasiegerin: Tirunesh Dibaba (Äthiopien) Deutsche Teilnehmerin: Sabrina Mockenhaupt (Köln)

100 Meter Männer (19.50 Uhr): Weltrekord: Usain Bolt (Jamaika/9,58 Sekunden) Deutscher Rekord: Frank Emmelmann (Magdeburg/10,06 Sekunden) Weltjahresbestleistung: Tyson Gay (USA/9,75 Sekunden) Titelverteidiger: Yohan Blake (Jamaika) Olympiasieger: Usain Bolt (Jamaika) Deutscher Teilnehmer: Julian Reus (Wattenscheid), Martin Keller (Leipzig)

dpa

Mehr zum Thema

 Bei den Weltmeisterschaften in Berlin und Daegu lieferte Usain Bolt schon im Vorfeld eine große Show. Vor der WM in Moskau allerdings zieht sich der Superstar vor der Öffentlichkeit zurück. Das große Thema Doping überlagert längst auch seine Auftritte.

08.08.2013
Sportbuzzer Doping-Enthüllungen von Gay und Powell - Die Leichtathletik im Schockzustand

Die spektakulären Doping-Fälle um die Supersprinter Tyson Gay und Asafa Powell nähren vor den Weltmeisterschaften im August in Moskau Zweifel an Topleistungen im Grenzbereich der Leistungsfähigkeit.

15.07.2013
Sportbuzzer Drei Star-Leichtathleten positiv - Doping-Erdbeben bei den Top-Sprintern

Die Nachrichten kamen im Eiltempo. Erst offenbarte der US-Sprinter Tyson Gay, positiv auf ein Doping-Mittel getestet worden zu sein. Wenig später wurde bekannt, dass  fünf Jamaikaner entlarvt wurden - angeführt vom ehemaligen 100-Meter-Weltrekordler Asafa Powell.

14.07.2013

Britta Heidemann holte Bronze im Degenfechten, ein WM-Neuling agierte kess und frech: Falk Spautz fehlte ein Treffer zur Medaille, die Degen-Ass Heidemann dem DFeB in souveräner Manier sicherte.

08.08.2013

 Bei den Weltmeisterschaften in Berlin und Daegu lieferte Usain Bolt schon im Vorfeld eine große Show. Vor der WM in Moskau allerdings zieht sich der Superstar vor der Öffentlichkeit zurück. Das große Thema Doping überlagert längst auch seine Auftritte.

08.08.2013

Es war wie in London, nur mit anderem Ausgang. Bei Olympia ging Carolin Golubytskyi beinahe doppelt k.o., bei der WM in Budapest setzte die Deutsche einen Treffer, der Silber einbrachte.

08.08.2013