Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportbuzzer Lena Weifen – sattelfest in der Dressur
Sportbuzzer Lena Weifen – sattelfest in der Dressur
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:41 16.02.2012
Von Jörg Grußendorf
Lena Weifen hat ihre Pferde gut im Griff. Quelle: Archiv
Anzeige
Oldenburg

Weifen  nahm im Mai 2010 an den norddeutschen Jugendmeisterschaften in Hamburg teil. Als sie zwischen den Prüfungen zur Meldestelle ging, um ein Protokoll abzuholen, wurde sie von Britta Bando angesprochen. Hast du nicht Lust, bei den Handicap-Reitern mitzumachen, habe die Dressurchefin der deutschen Para-Equipe sie gefragt, erzählt die 23-Jährige. Weifen, von Natur aus neugierig, musste nicht lange überlegen.

Im Para-Leistungssport muss sie im Grad IV starten; dort werden Lektionen und Traversalen im Leistungsniveau der Klasse L/M erwartet. Kein Problem für die Reiterin, die bis dahin ausschließlich im sogenannten Regelsport unterwegs war und schon Prüfungen der Klasse S geritten ist – trotz ihrer Behinderung: Sie ist mit einer Fehlbildung des rechten Armes (er endet knapp unter dem Ellbogengelenk) auf die Welt gekommen.

Anzeige

Bando war sehr froh über Weifens Zusage. „Lena ist trotz ihrer jungen Jahre sehr erfahren und cool“, sagt sie, „das Nervenkostüm wird ihr keinen Strich durch die Rechnung machen.“ Die Dressurchefin sollte recht behalten.  Weifen wurde nur drei Monate später Zweite bei den deutschen Meisterschaften. Hört sich schon erstaunlich an, aber es war nur der Anfang. Denn nur wenige Wochen später bekam sie „große Ohren“, wie sie sagt. Die Industriekauffrau aus Petersdorf nahe Oldenburg wurde in den Kader für die Para-Equestrians, die Welt-Reiterspiele für Behinderte, im Oktober 2010 in Kentucky berufen. Zunächst nur als Ersatzreiterin, aber immerhin. Und es wurde (zumindest für sie) noch besser: Das Pferd der Paralympics-Dritten Bettina Eistel hatte sich verletzt, Weifen und ihr Wallach Don Turner rückten in die WM-Equipe nach.

Und auch in den USA stellte Weifen ihre Nervenstärke unter Beweis; sie wurde bei ihrem internationalen Debüt Vierte im Einzel. Ein super Erfolg, aber in der Dressur ist das geradezu eine Sensation. Denn in kaum einer anderen Sportart, abgesehen vielleicht noch vom Eiskunstlaufen, kommt es derart darauf an, einen Namen zu haben. Die junge Petersdorferin war jedoch in der großen, weiten Reiterwelt komplett unbekannt.

Bis dahin zumindest. Denn 2011 unterstrich sie, dass man sich ihren Namen merken sollte. Weifen holte sich im zweiten Anlauf den Titel bei den deutschen Meisterschaften. Dazu wurde sie Dritte mit dem deutschen Team bei den Europameisterschaften in Moorseele.

Es geht steil bergauf in ihrer Karriere, und man hat fast den Eindruck, die Erfolge würden ihr nur so zufliegen. In Wirklichkeit aber steckt auch harte Arbeit dahinter – und natürlich eine riesengroße Leidenschaft für Pferde. „Ich bin schon mit drei oder vier Jahren zum ersten Mal geritten“, sagt Weifen und fügt schmunzelnd an: „Sehr zum Leidwesen meiner Eltern.“ Zum fünften Geburtstag bekam sie ihr eigenes Shetlandpony. Als sie sich später beim Reiten ihren gesunden linken Arm brach, hätten ihre Eltern gehofft, sie würde ihren Sport endlich aufgeben. „Nichts da“, sagt sie mit einem Lachen, „es wurde nur noch schlimmer.“

Beim Reiten wie auch im alltäglichen Leben hat sie ihrer Behinderung stets getrotzt. „Es gibt nichts, was ich deshalb nicht kann“, sagt sie. Pferde satteln und Auto fahren sind für sie eine Selbstverständlichkeit. Sie hat sich sogar schon als Bereiterin versucht. Auf dem elterlichen Grundstück waren zeitweise bis zu sieben Pferde untergebracht, die sie selbst geritten hat. „Das wurde mir auf Dauer zu viel“, sagt sie. Schließlich ist die Industriekauffrau ganztags bei FM-Büromöbel im Nachbardorf Bösel beschäftigt. Nach Feierabend ihre drei Pferde zu bewegen, empfindet sie nie als Muss oder Qual, vielmehr als Spaß.

Andernfalls wäre Weifen auch nicht so erfolgreich.

Mehr zum Thema

Die Rollstuhlbasketballerin Andrea Seyrl hat gute Chancen, die Wahl zur Behindertensportlerin zu gewinnen. Die Nationalspielerin zeigt ihr Ballgefühl gleich in zwei Vereinen.

Uwe Kranz 15.02.2012

Schon zum fünften Mal waren die Behindertensportler des Turnvereins Badenstedt zu Gast in der Bäckerei Göing. Statt des sonst üblichen Pétanque-Spiels wurde dort gemeinsam Pflaumenkuchen gebacken.

18.08.2011

Mehr als 20.000 Niedersachsen gaben in den vergangenen Wochen ihre Stimme für die Wahl zum „Behindertensportler Niedersachsens des Jahres 2011“ ab. Das Gewinner-Pärchen wurde am Donnerstag im GOP-Varieté Hannover geehrt.

Carsten Schmidt 11.03.2011
Sportbuzzer Sport statt Sezessionskrieg - Der Südsudan will zu Olympia
15.02.2012
Uwe Kranz 15.02.2012
10.02.2012