Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Sportbuzzer Lisicki will die Nummer 1 werden
Sportbuzzer Lisicki will die Nummer 1 werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:56 25.05.2012
Von Björn Franz
Sabine Lisicki pendelt zwischen Berlin, Florida und ihren Turnierorten. Doch inzwischen ist sie nach Julia Görges die zweite deutsche Weltklassespielerin, die regelmäßig zum Trainieren nach Hannover kommt. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Frau Lisicki, vor einem Jahr mussten Sie bei den French Open noch drei Runden in der Qualifikation überstehen, um ins Hauptfeld einzuziehen. Jetzt sind Sie gesetzt. Mit welchem Gefühl treten Sie in Frankreich an?

Es wird natürlich schwer werden, weil einem nach einer Verletzung (Lisicki zog sich Anfang April beim Turnier in Charleston/USA eine Knöchelblessur zu und musste vier Wochen pausieren, d. Red.) natürlich immer ein wenig Spielpraxis fehlt. Ich möchte es einfach genießen. Man darf eben auch nicht vergessen, dass ich vor einem Jahr noch in der Quali war. Ich habe wirklich einen guten Sprung gemacht in dem einen Jahr. Im Vordergrund muss ich das Turnier halt genießen.

Anzeige

Können Sie es denn genießen, obwohl Sand ja nicht unbedingt Ihr Lieblingsbelag ist?

Wieso sagt das jeder?

Na ja, in Ihrer Vita stechen eher die Hartplatz- oder Rasen-Ergebnisse heraus wie der Halbfinaleinzug in Wimbledon im vergangenen Jahr. Und in Paris sind Sie bisher noch nie über die 2. Runde hinausgekommen.

Ja, das stimmt.

Sehen Sie es denn selber anders, was den Sand angeht?

Ja, ich mag Sand und habe schließlich meinen ersten Titel auf Sand gewonnen (im April 2009 in Charleston, d. Red.). Ich kann mich da also nicht beschweren. Außerdem bin ich auf Sand großgeworden. Aber es war schon wirklich lustig: Letztes Jahr habe ich in Paris nach der 2. Runde noch rumgejammert, dass die Aschensaison schon vorbei ist. Da hat mir dann jemand gesagt: „Ja, ja - aber jetzt kommt die Rasensaison. Da wirst du mir in vier Wochen bestimmt genauso sagen, dass jetzt leider keine Rasensaison mehr ist!“ Ich brauche halt eine gewisse Eingewöhnungsphase. Aber dann ist es gut, und ich spiele auf allen Belägen sehr gerne.

Sie haben sich auf die French Open am Bundesstützpunkt in Hannover vorbereitet. Kennen Sie eigentlich über die Anlage an der Bonner Straße hinaus noch etwas von Hannover?

Ehrlich gesagt: nicht so viel. Jedes Mal, wenn ich in Hannover war, war ich zum Trainieren da. Und das schon von klein auf. Ich kann mich noch sehr gut an die ersten Lehrgänge erinnern, als ich 13 oder 14 war. Ich habe mich schon immer sehr wohlgefühlt, und das war auch ein Grund, warum ich vor einem Jahr noch einmal hingekommen bin, um zu schauen, wie es jetzt ist. Und es hat mir immer noch sehr gut gefallen, deshalb komme ich immer wieder zurück.

Bereiten Sie sich in Hannover auf bestimmte Turniere vor?

Damit hat es nicht wirklich etwas zu tun, sondern eher mit der Vorbereitung an sich. Ich habe in Hannover - was das Tennis angeht - bessere Möglichkeiten als in Berlin. Deshalb fahre ich immer wieder hin, weil es eine gute Basis ist.

Was macht es denn besonders angenehm, in Hannover zu arbeiten?

Das Umfeld ist immer wichtig. Die Leute sind entspannt, und ich wohne meist auch im Internat direkt auf der Anlage. Irgendwie mag ich das - alles ist so entspannt. Man geht zum Training einfach runter, da sind gleich die Plätze. Es ist Training, das Spaß macht, das aber trotzdem intensiv ist. Das ist auch das, was ich in den USA habe. So etwas habe ich in Deutschland gesucht und in Hannover gefunden.

Wie sieht denn ein typischer Tag an der Bonner Straße für Sie aus?

Vollgepackt. Meistens wärme ich mich eine Stunde alleine auf, bevor ich auf den Tennisplatz gehe. Dann trainiere ich gut eineinhalb, zwei Stunden auf dem Platz. Dann Mittagessen und Ausruhen.

Das Mittagessen dauert bei Ihnen ja etwas länger, weil Sie selber kochen.

Ja, ich koche alles selber. Das macht mir Spaß, und ich weiß genau, was drin ist. Das ist das Wichtigste für mich - vor allem wegen meiner Gluten-Intoleranz. Ich möchte einfach wissen, dass es gesund ist. Wenn man weggeht, dann hat man doch immer Probleme, genau zu wissen, was drin ist und was verwendet wird.

Halten Sie das denn auch bei den Turnieren durch? Man stellt sich das hart vor, sich nach einem langen Spiel wie bei den French Open noch in die Küche zu stellen und zu kochen.

Das geht ja auch leider nur selten, weil wir meist im Hotel sind. Da muss ich mich auf das verlassen, was auf der Anlage geboten wird. Wenn die Möglichkeit besteht, dann mieten wir uns deshalb auch ein Appartement. Deshalb fühle ich mich in Wimbledon wahrscheinlich auch noch ein bisschen wohler, weil wir da die vergangenen beiden Male immer das gleiche Appartementhaus hatten. Da habe ich mich richtig wohlgefühlt, und das ist dann immer noch ein bisschen angenehmer.

Was gibt es mittags denn so auf den Teller?

Alles Mögliche. Gerne Nudeln mit Gemüse und abends gerne auch mal einen schönen großen Salat mit Putenstreifen. Nachmittags auch mal Reis mit Hähnchen.

Und wie geht Ihr Tag in Hannover dann nach dem Essen weiter?

Nachmittags mach ich noch einmal zwei Stunden Training mit den Junioren als Sparringspartnern. Dann geht es weiter mit Christoph Klocke, dem Fitnesstrainer. Und Schluss.

Mit Nicolas Kiefer ist ein ehemaliger Weltklassespieler als Berater am Stützpunkt tätig. Suchen Sie manchmal auch das Gespräch mit ihm?

Er war eigentlich der Grund, warum ich nach Hannover gekommen bin. Ich habe mit ihm beim Hopman-Cup gespielt (im Januar 2009, d. Red.), und wir hatten auch weiterhin Kontakt, nachdem er seine Karriere beendet hat. Er meinte dann, ich könnte jederzeit mal vorbeikommen und mir die Anlage anschauen. Dann hatte ich vergangenes Jahr im Sommer mal ein paar Tage Zeit und habe mir gedacht: „Okay, ich probiere es mal aus.“ Und es hat mir gefallen, deshalb habe ich mich im vergangenen Winter dann vor den Australian Open in Hannover auf die Saison vorbereitet.

Anfang Mai waren Sie erneut an der Bonner Straße, um sich nach Ihrer Knöchelverletzung wieder in Form zu bringen. War es Glück im Unglück, dass Sie sich die Verletzung nicht ein paar Wochen später zugezogen haben?

Ja. Es war zwar wirklich schmerzhaft, dass ich nicht beim Fedcup und beim Turnier in Stuttgart spielen konnte. Aber auf der anderen Seite habe ich kein Grand-Slam-Turnier verpasst, was man eigentlich nur Glück nennen kann. Die Grand Slams sind nun einmal die wichtigsten Turniere im Jahr, da will man gut spielen. Und pünktlich zu den French Open bin ich jetzt ja auch wieder fit.

Ein anderes Turnier steht im Sommer ja auch noch an. Inwieweit sind die Olympischen Spiele in London schon in Ihrem Kopf?

Für mich ist es ein besonderer Event, weil ich in Berlin aufgewachsen bin und vom Olympiastützpunkt dort viele Athleten kenne, die bei den Olympischen Spielen waren. Ich bin sehr gut mit der Schwimmerin Britta Steffen und dem Diskus-Weltmeister Robert Harting befreundet. In Berlin gibt es so viele Sportler, die nur für Olympia trainieren. Ich bekomme das seit sieben oder acht Jahren konstant mit, dass sie für Olympia trainieren und höre danach, wie toll es da war - auch von den Wintersportlern. Das ist wirklich ein großes Ziel. Da möchte man hin. Ich freue mich auch schon unglaublich drauf, dass wir alle zusammen mal da sind und das erleben können. Und dann wird es ja auch noch auf Rasen in Wimbledon gespielt, das ist natürlich auch gut. (lacht)

Wie groß ist der Traum von einer olympischen Medaille?

Groß natürlich. Natürlich wollen alle eine Medaille gewinnen, aber letztes Jahr habe ich in Wimbledon das Halbfinale im Einzel und das Doppel-Finale gespielt. Also wenn man danach geht ... Aber es ist immer noch etwas anderes, wenn man dasteht und Deutschland auf dem Rücken stehen hat. Es ist ein ganz besonderes Gefühl, für das eigene Land anzutreten. Man läuft im olympischen Dorf rum in der Deutschland-Kleidung. Ich habe schon so viele tolle Sachen gehört, ich freue mich da einfach nur noch drauf.

Es gibt viele Sportler, die ihren Balkon im olympischen Dorf besonders schmücken. Haben Sie sich darüber schon Gedanken gemacht?

Keine Ahnung, ich war ja noch nie da. Ich werde froh sein, überhaupt dort anzukommen. (lacht)

Bleiben wir noch kurz bei großen Turnieren, auch wenn dieses nichts mit Tennis zu tun hat. Haben Sie einen Bezug zur Fußball-Europameisterschaft?

Um ehrlich zu sein: nicht besonders. Natürlich freue ich mich auch darauf. (zögert) Eine Frage: Sie wissen doch bestimmt, ob Miroslav Klose nun aufhört oder nicht. (lacht)

Ist Klose etwa Ihr Lieblingsspieler? Er hat ja wie Sie polnische Wurzeln.

Klose und Lukas Podolski, klar. Das eingespielte Team. Hört er nun auf oder nicht? Ich habe vor einer Weile gehört, er hört definitiv auf nach der EM in Polen.

Es ist durchaus vorstellbar, dass er im Falle des EM-Titels seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet. Aber zum Abschluss müssen Sie jetzt noch eine Frage beantworten: Sagt Ihnen die Zahl 574 etwas?

574? (zögert) Nein.

574 Punkte liegen Sie in der Weltrangliste hinter Angelique Kerber, der derzeit besten Deutschen. Wäre es für Sie etwas Besonderes, irgendwann selbst die beste deutsche Spielerin der Tenniswelt zu sein?

Ich will es nicht abstreiten, dass es etwas Besonderes wäre. Aber mein Ziel ist es, die Nummer 1 in der Welt zu werden und einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen. Das sind die Ziele, nach denen ich strebe, seit ich klein war, und das ist das, was mich immer wieder antreibt. Das sind meine Träume und Wünsche, dafür tue ich alles. Wir werden sehen, wie nah ich drankomme oder ob es in Erfüllung gehen wird. Ich werde hart arbeiten, ich werde alles geben, um da hinzukommen - und dann ist das andere ja automatisch auch der Fall.

Interview: Björn Franz

24.05.2012
Sportbuzzer Poewe und Biedermann siegen - Doppel-Gold für deutsche Schwimmer
23.05.2012