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Sportbuzzer Mit 10,0 Sekunden zur Weltkarriere
Sportbuzzer Mit 10,0 Sekunden zur Weltkarriere
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17:28 21.03.2012
Von Carsten Schmidt
Armin Hary bejubelt seinen Sieg im olympischen 100-Meter-Endlauf von 1960. Der Saarländer, letzter europäischer Sprint-Weltrekordler, wird am Donnerstag 75 Jahre alt. Quelle: dpa
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Hannover

Der Saarländer ist gastfreundlich - erst recht der berühmteste Sohn des Bundeslandes im deutschen Südwesten anlässlich seines heutigen 75. Geburtstages. "Wer kommen will, soll kommen. Ich lade keinen ein. Aber von acht Uhr früh bis Mitternacht haben wir ein offenes Haus."

Die Rede ist natürlich von Armin Hary, dem Bergmannssohn aus Quierschied am Rande Saarbrücken. Er war einst der schnellste Läufer der Welt. Seine Bestmarke von 10,0 Sekunden, gelaufen im Züricher Letzigrund, markiert bis heute eine Sternstunde der Leichtathletik. Und seine Leistung begründete zudem den legendären Ruf des Stadions in der Schweiz als Ort für Weltrekorde.

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Was sind schon handgestoppte 10 Sekunden oder 10,25 Sekunden per damals noch inoffizieller Zeitmessung wert gegen jene phantastischen 9,58 Sekunden des Jamaikaners Usain Bolt vor drei Jahren auf der 100-Meter-Distanz? Eine Menge: Hary lief auf einer Aschenbahn, nicht auf leistungsförderndem Kunststoff. Er kassierte keine Millionen für seine Superzeiten, sondern wurde schief angeschaut, wenn er für seine tollen Sprints kleine Geschenke erhielt. Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sperrte seinen einzigen Sprint-Olympiasieger 1961, weil er 70 (!) Mark mehr Spesen erhalten hatte, als ihm eigentlich zustanden. Und Hary war der letzte Weltrekordler aus Europa auf der 100-Meter-Distanz, die seitdem von Amerikanern aus den USA, Kanada und der Karibik dominiert wird.

Der Saarländer machte Karriere trotz der Funktionäre. Wäre es nach den Verantwortlichen des DLV gegangen, hätte er gar nicht jenes Rennen am 21. Juni 1960 in Zürich bestritten. Sie wollten den Europameister von 1958 eigentlich für die Olympischen Spiele in Rom gut zwei Monate später schonen. Doch der eigenwillige Sprinter wollte laufen - und musste in der Schweiz sogar zweimal in den Startblock, weil sein erster 10,0-Sekunden-Sprint angeblich durch einen Frühstart begünstigt worden war. Da musste sich Hary an das Jahr 1958 erinnert fühlen, als er in Friedrichshafen schon einmal genau zehn Sekunden über 100 Meter gebraucht hatte, diese Leistung aber wegen eines zu großen Bahn-Gefälles von neun (!) Millimetern nicht anerkannt worden war. Erst beim dritten 10,0-Sprint, der Wiederholung in Zürich am 21. Juni, fand sich dann niemand mehr, der etwas auszusetzen hatte.

Hary hat auch der Funktionäre wegen die Sportlerzeit abgehakt. "Ich schaue nicht zurück. Und ich kann mich nicht jeden Tag vor den Spiegel stellen und sagen, was ich vor 50 Jahren für ein toller Hecht war", sagt er heute. Der Sprinter kümmert sich daher um die Talente von heute und hilft ihnen mit der "AHA-F"-Initiative bei der Sponsorensuche.(mit dpa)

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