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Sportbuzzer Mit breiter Brust ins Viertelfinale
Sportbuzzer Mit breiter Brust ins Viertelfinale
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19:50 03.05.2012
Von Björn Franz
Viertelfinale muss sein: Deutschland will bei der Eishockey-WM so weit wie möglich kommen. Quelle: dpa
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Helsinki

Diese Rolle ist neu. Ob es im vergangenen Jahr war, als die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft in Bratislava überraschend Russland mit 2:0 besiegte, oder 2010, als es in der ausverkauften Gelsenkirchener Fußballarena ein 2:1 über die USA gab - die Favoritenrolle hatten zum WM-Start regelmäßig die Gegner inne. Doch wenn es am Freitag (12.15 Uhr) in Stockholm zum Auftakt der 76. Titelkämpfe gegen Neuling Italien geht, wäre alles andere als ein Sieg eine herbe Enttäuschung. Und Gleiches gilt auch für die zweite der insgesamt sieben Vorrundenpartien gegen Lettland am Sonntag (20.15Uhr/beide Spiele live bei Sport1).

Nach dem Halbfinaleinzug bei der Heim-WM vor zwei Jahren und dem Erreichen des Viertelfinals zuletzt in der Slowakei hat sich ein neues Selbstbewusstsein in der deutschen Auswahl entwickelt, in der mit Torhüter Dimitri Pätzold auch ein Profi von den Hannover Scorpions steht. Das erneute Erreichen der Runde der letzten acht gilt als Minimalziel - und nicht zuletzt der neue Bundestrainer Jakob Kölliker schürt vor seinen ersten Titelkämpfen als Chefcoach mit markigen Aussagen die Erwartungshaltung. „Wir wollen gewinnen. Und wenn man gewinnt, ist man Weltmeister. Das wäre das Ziel“, erklärte der Schweizer. „Ich glaube nicht, dass jemand zur WM fährt, um Neunter, Zwölfter oder Dreizehnter zu werden.“

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Mit dieser Art und der WM-Vorbereitung, in der es in acht Partien keine einzige Niederlage nach regulärer Spielzeit gab, hat Kölliker die Verantwortlichen des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) bereits von seiner Arbeit überzeugt. Unabhängig vom Abschneiden bei der eigentlich zur Bewährungsprobe ausgerufenen WM soll der 58-Jährige langfristig an den Verband gebunden werden - wenn auch möglicherweise nicht als Bundestrainer, sondern als Sportdirektor. Die Tatsache, dass speziell die namhaften Gegner wie Russland und Tschechien in der Vorbereitung eine deutliche schwächere Mannschaft zur Verfügung hatten als bei der WM in Schweden und Finnland, scheint bei der Einschätzung der Ergebnisse geflissentlich ignoriert zu werden. DEB-Präsident Uwe Harnos träumt zumindest schon öffentlich vom Halbfinale.

Angesichts derart großer Euphorie klingt die Einschätzung von Marcel Goc, dem einzigen Profi aus der nordamerikanischen Profiliga NHL im deutschen Team, geradezu wohltuend realistisch. „Wir haben das Viertelfinale im Fokus, aber wir dürfen Italien nicht unterschätzen und müssen spielen wie gegen Russland oder Finnland“, sagte 28-jährige Stürmer, der sich in Stockholm wieder das Zimmer mit seinem Bruder teilt, dem ehemaligen Hannoveraner Nikolai Goc.

Zwar ist die Gefahr eines Abstiegs durch den neuen Modus, in dem die beiden Tabellenletzten der zwei Vorrundengruppen direkt absteigen, deutlich geringer geworden. Doch angesichts der mit NHL-Profis gespickten Gegner aus Schweden, Russland und Tschechien könnte schon ein Ausrutscher gegen die vermeintlich schwächeren Kontrahenten Italien, Lettland, Dänemark und Norwegen den Traum vom Viertelfinale platzen lassen. Daher hat das heutige Duell mit den „Azzurri“ vielleicht schon richtungweisenden Charakter. Und das macht die neue Rolle nicht leichter.

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