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Sportbuzzer Nationalmannschaft: An Spielen ist nicht zu denken
Sportbuzzer Nationalmannschaft: An Spielen ist nicht zu denken
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23:18 11.11.2009
Von Heiko Rehberg
Kapitän Michael Ballack tröstete am Abend in Hannover Robert Enkes Frau Teresa. Quelle: lni
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Doch die Bestürzung über die Selbsttötung von Robert Enke war beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zu groß, um am Sonnabend an ein Länderspiel zu denken: Die geplante Testbegegnung in Köln gegen Chile wurde abgesagt. Diese Entscheidung sei „alternativlos“ gewesen, betonte Präsident Theo Zwanziger nach langen Gesprächen im Quartier der Nationalmannschaft in Bonn. Teammanager Oliver Bierhoff konnte bei der emotionalen Pressekonferenz, die mit einer Schweigeminute begonnen hatte, die Tränen nicht zurückhalten und sagte mit zitternder Stimme: „So, wie ich mich jetzt fühle, fühlen sich auch die Spieler.“

Auch Bundestrainer Joachim Löw, der am Mittwochabend mit Zwanziger, seinen Assistenten Hans-Dieter Flick und Andreas Köpke, Bierhoff und Nationalmannschaftskapitän Michael Ballack (er kannte Enke seit seinem 13. Lebensjahr) bei der Trauerandacht in der hannoverschen Marktkirche war, fiel es am Tag nach der Tragödie schwer, seine Fassungslosigkeit zu beschreiben. „Niemand fühlt sich in der Lage, in dieser Situation einfach zur Tagesordnung überzugehen. Wir haben einen Freund verloren. Das ist ein Moment, bei dem man auch im Fußball innehalten muss“, sagte Löw. Erst nach der für Sonntag geplanten Trauerfeier will er sein Aufgebot in Düsseldorf wieder versammeln, um sich dann auf das letzte Länderspiel des Jahres kommenden Mittwoch in Gelsenkirchen gegen WM-Teilnehmer Elfenbeinküste vorzubereiten.

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Bei einer bewegenden Trauerandacht einen Tag nach Enkes Tod haben mehrere Tausend Menschen in der Marktkirche Hannover Abschied von Nationaltorhüter Robert Enke genommen.

Eine Absage eines deutschen Länderspiels hatte es zuletzt am 20. April 1994 gegeben. Damals hatte allerdings der englische Verband aus Sicherheitsbedenken ein geplantes Freundschaftsspiel in Berlin abgesagt. Dieses Mal sah der DFB keine andere Handlungsmöglichkeit. Alle mit der Absage verbundenen Maßnahmen wie die Rücknahme der Eintrittskarten „sind lösbar“, sagte Zwanziger und hob hervor: „Im Mittelpunkt hat Robert Enke zu stehen.“

In einem bewegenden Gespräch im Teamhotel hatte sich der Spielerrat, zu dem auch Enkes Freund und ehemaliger 96-Kollege Per Mertesacker gehört, für die Absage ausgesprochen. Er habe Spieler erlebt, „die nicht sofort wieder zur Tagesordnung übergehen, sondern ehrliche Trauer zeigen und die zeigen, dass sie dafür Zeit brauchen“, berichtete Zwanziger. Die Spieler verließen noch am Nachmittag das Quartier in Bonn. „Die Mannschaft will sich von Robert verabschieden. Es hätte auch ein Abschiedsspiel gegen Chile sein können, aber es ist ein klares Gefühl, dass es zu früh käme“, sagte Teammanager Bierhoff. Enke zählte zu den beliebtesten Akteuren in der DFB-Auswahl. „Keiner, aber wirklich keiner, hat irgendeinen Anlass gehabt, zu glauben, dass Robert Enke an dieser Krankheit leidet“, sagte Bierhoff.