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Sportbuzzer Note Eins für den Spagatsprung
Sportbuzzer Note Eins für den Spagatsprung
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13:22 20.10.2009
Von Tatjana Riegler
Spaß beim Spagatsprung: Diandra Eichhoff hat keine Scheu vor den Turnübungen im Schulsport-Unterricht.
Spaß beim Spagatsprung: Diandra Eichhoff hat keine Scheu vor den Turnübungen im Schulsport-Unterricht. Quelle: Ulli zur Nieden
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Zum Abschluss zeigt Diandra den Spagatsprung doch. Lange hat sich die Elfjährige geziert, die Aufforderungen ihrer Mitschüler grinsend überhört. Dabei ist ein Spagatsprung für die zierliche Diandra Eichhoff, die seit eineinhalb Jahren Turnen und Wettkampf-Aerobic betreibt, ein Klacks. „Am liebsten mache ich Handstand-Überschlag“, sagt sie. Ihr nächstes Ziel ist ein Flickflack; und darauf, dass sie eine schnelle Serie mehrerer Handstand-Überschläge schafft, kann man genau so sicher wetten wie auf ihre Sport-Eins im nächsten Zeugnis.

Die meisten ihrer Mitschüler in der Klasse 6a an der Wilhelm-Raabe-Schule in Hannover haben es schwerer im Sport. Das hängt weniger mit der Unterrichtszeit in der 5. und 6. Stunde zusammen denn mit dem Unterrichtsinhalt: Turnen steht auf dem Plan, wenn sich das Schuljahr dem Winter zuneigt - nach Leichtathletik und Schwimmen im Frühjahr und im Sommer. In jeder Jahrgangsstufe soll es mit verschiedenen Schwerpunkten stattfinden; in der 6. Klasse sieht das Curriculum des niedersächsischen Kultusministeriums das Bodenturnen mit Sprung und das Barrenturnen vor. Doch besonders beliebt ist es nicht, obwohl kein Jugendlicher genau beschreiben kann, warum eigentlich nicht. Vielleicht, weil Turnen mehr Kraft und Konzentration erfordert als Kicken. Oder weil es mehr Übungseifer voraussetzt mit ständigem Wiederholen.

„Viele Schüler würden lieber die ganze Zeit mit dem Ball spielen“, sagt Sportlehrer Bengt Knye und lacht, während sich die 31 Mädchen und Jungen tatsächlich mit Bällewerfen in der beengten Schulsporthalle aufwärmen. Nach einer Völkerball-Partie setzt die 6a schließlich zum Sprung an; die Klasse steht im Kreis, Knye verteilt Seile. „Wir müssen noch die Sprunggelenke aufwärmen“, erklärt er. Und geht zur Theorie über.

Welche Turngeräte gibt es fürs Springen? Und welche Sprünge sind überhaupt bekannt? Trampolin, Reuterbrett und Bock sind schnell aufgezählt, der Boden fällt den Schülern erst mal nicht ein. Dabei wird er ihr Hauptgerät sein, wenn sie Hechtsprünge, Hock-, Streck- und Spagatsprünge proben. Flickflacks und Salti untersagt Knye deutlich, die Gefahr ist zu groß: „Einer kann was und macht es vor, ein anderer probiert es aus und verletzt sich.“ Deshalb verschiebt Leon Wagner seinen Lieblingssalto schnell auf sein Breakdance-Training am Nachmittag.

Den Spagatsprung führt Knye selber vor, „man muss etwas demonstrieren können“, sagt der Sportlehrer, der eigentlich Ballsportler und Surfer ist. Und doch wird es immer Schüler geben, die ihm in einigen Sportarten ein Kunststück voraushaben. Wie Diandra, die im perfekten Spagat lächelnd über das Trampolin gleitet.

Fünf Stationen lässt Knye aufbauen, Minuten später üben die Jugendlichen auf drei Mattenbahnen und am Reuterbrett mit Kasten diverse Sprünge in der Hocke oder mit Körperstreckung, was nicht jedem elegant gelingt. Richtig begeistert scheinen die Schüler ohnehin nur vom Minitrampolin, von dem es per Hechtsprung auf die dicke Matte geht. „Sauber abrollen“, fordert Knye und korrigiert, mahnt, hilft fast überall gleichzeitig.

Wie sich der Einsatz in den Noten niederschlägt, bleibt abzuwarten. In drei Doppelstunden sollen sich die Mädchen und Jungen selbstständig eine kleine Kür erarbeiten, sie einüben und präsentieren. Die Kriterien wird Knye noch ansprechen, etwa, wann ein Strecksprung wirklich gut ist. „Sie müssen die Bewertung nachvollziehen können“, sagt der Lehrer.
Vielleicht ist auch das ein Grund, warum das Turnen bei vielen Schülern einen schweren Stand hat.

Tatjana Riegler 17.10.2009
Tatjana Riegler 17.10.2009