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Sportbuzzer Organspendeausweis für Fußball-Fans
Sportbuzzer Organspendeausweis für Fußball-Fans
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19:48 11.02.2010
Gesundheitsminister Philipp Rösler macht's mit seinem Spendeausweis vor Quelle: dpa
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Nehar Nurlu hat es mit einer fremden Leber zum Leistungssportler gebracht. Vor fast 20 Jahren erhielt der damals 27-Jährige nach einer Leberzirrhose ein neues Organ. 2005 wurde er erstmals Weltmeister im 400-Meter-Lauf – in der Meisterschaft für Organtransplantierte. Inzwischen hat er diesen Wettbewerb zweimal gewonnen, außerdem wurde er zweimal Europameister.

Mit dem Leistungssport hat der Systemadministrator erst nach seiner Krankheit angefangen. Damit das fremde Organ nicht abgestoßen wird, muss Nurlu bis an sein Lebensende Medikamente nehmen. Diese können Bluthochdruck auslösen und die Niere schädigen. „Gegen die Nebenwirkungen hilft Sport“, sagt Nurlu.

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Auch Hans Wilhelm Gäb hat eine Lebertransplantation hinter sich – und engagiert sich seit über zehn Jahren für Organspende. Der ehemalige Tischtennis-Nationalspieler hat den Verein „Sportler für Organspende“ gegründet. Dort sind auch Jürgen Klinsmann, Franziska van Almsick und Michael Schumacher Mitglied. Ziel des Vereins ist es, die Zahl der Organspender zu erhöhen. Denn obwohl zwei Drittel der Deutschen grundsätzlich damit einverstanden sind, besitzen nur 17 Prozent einen entsprechenden Ausweis.

Damit sich das ändert, werben am Wochenende die Bundesliga-Clubs für die Organspende. Der Ausweis liegt dem Bundesliga-Magazin bei und wird in den Stadien verteilt. Die Aktion ist „ein Appell an die Solidarität der Bevölkerung“, sagt Gäb. Unterstützt wird er von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler.„Jeden Tag sterben in Deutschland drei Menschen, weil kein Spenderorgan für sie vorhanden ist“, sagt er. 12.000 Menschen warteten auf ein Organ – aber nur 4000 würden pro Jahr transplantiert, so der Minister.

Auch Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, wirbt für den Ausweis: „Die Chance, selbst einmal ein Organ zu benötigen, ist dreimal so groß, wie jemals eines zu spenden“, sagt sie. Laut Pott wissen viele Menschen nicht, wo man einen Organspendeausweis erhält. „Fünfzig Prozent sind noch nie so einem Ausweis begegnet“, sagt sie. Am Wochenende wird sich das ändern – jedenfalls für die Fußballfans. Denn dann liegt der Ausweis in den Stadien aus – auch in der AWD-Arena.

Susann Reichert